Direkt zum Inhalt springen
Suche
Pongo Tapanuliensis
Tapanuli-Orang-Utans müssen leben! (© Maxime Aliaga)
Fluss im Urwald
Der Batang-Toru-Fluss fließt mitten durch den Wald (© Rianda Purba)
Blick auf den Staudamm PLTA Batang Toru 2025
Das Wasserkraftwerk ensteht genau dort, wo die meisten der Orang-Utans leben (© Mongabay)
Überschwemmung im Dorf
25. November 2025: Reißendes Wasser überflutet die Region Tapanuli (© Istimewa)

Tapanuli-Orang-Utans verlieren gegen Konzerne und Banken

10.08.2026Indonesien: Im Wald der Tapanuli-Orang-Utans auf Sumatra wird auch nach dem Zyklon weiter am Wasserkraftwerk gebaut und Gold geschürft. "Grüne Energie" und kritische Mineralien scheinen den Investoren und den Regierungen Chinas und Indonesiens wichtiger zu sein als Ökosysteme und gefährdete Arten.


Tapanuli-Orang-Utans nach dem Zyklon

Der Zyklon Senyar Ende November 2025 verwüstete  Sumatra und kostete mehr als tausend Menschenleben. Besonders  verheerend sind die ökologischen Auswirkungen auf den Batang-Toru-Wald in der Region Tapanuli, Nord-Sumatra. Nur hier leben die Tapanuli-Orang-Utans, mit weniger als 800 Individuen die seltenste Menschenaffenart der Welt. 

Die Kombination aus sintflutartigen Regenfällen und Entwaldung in den Bergen führte in diesem hochsensiblen Ökosystem zu einer Katastrophe historischen Ausmaßes. Die Wassermassen lösten über 50.000 Erdrutsche aus. Die Schlamm- und Gerölllawinen bewegten sich mit hoher Geschwindigkeit die steilen Hänge hinab und hinterließen kilometerweit kahlen Boden.

Satellitenanalysen zeigten, dass allein im westlichen Block des Batang-Toru-Waldes rund 8.300 Hektar intakter Regenwald komplett zerstört wurden. Dieser Verlust innerhalb von nur sechs Tagen übersteigt die gesamte Entwaldung zwischen den Jahren 2000 und 2023 durch industrielle Großprojekte, illegalen Holzeinschlag und Landwirtschaft.

Teile des Kronendachs wurden dauerhaft zerstört. Die Zerstückelung des Waldes erschwert den Tapanuli-Orang-Utans die Nahrungssuche und drängt sie an den Rand der Ausrottung.  Wissenschaftler schätzen, dass 58 Tiere ums Leben kamen. Das entspricht 7 Prozent der gesamten Population. 

„Ein Verlust in dieser Größenordnung ist für eine Art mit einer so geringen Gesamtpopulation erheblich“, urteilt der Primatologe Erik Meijaard.

Sanktionen nur auf dem Papier!

Als nicht mehr zu leugnen war, dass Waldvernichtung die Folgen des Sturms verschlimmert hat, hat die indonesische Regierung gehandelt: Im Januar 2026 entzog sie Unternehmen, die für einen Großteil der Abholzung verantwortlich sind, die Genehmigungen. Darunter sind das Batang-Toru-Wasserkraftwerk, die Martabe-Goldmine südlich des Waldes und der Zellstoffproduzent Toba Pulp Lestari mit seinen ausgedehnten Eukalyptusplantagen. 

PT Agincourt Resources, der Betreiber der Martabe-Goldmine, und Toba Pulp Lestari beklagten wirtschaftliche Einbußen. Doch die Schäden nach dem Zyklon - die zerstörte Infrastruktur, Ernteausfälle und blockierte Lieferketten – sind mit mehr als 100 Millionen Euro deutlich höher. Wir vermuteten von Anfang an, dass die Schließung der Unternehmen nicht dauerhaft sein wird, zu eng sind die Verflechtungen von Politik und Oligarchie.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ohne öffentlichen Druck der Entzug der Genehmigungen nur symbolische Politik bleibt“, warnte Rianda Purba, Direktor unserer Partnerorganisation WALHI Nord-Sumatra. 

In der Tat, Mitte Mai 2026 durfte PT Agincourt Resources den Betrieb der Mine wieder aufnehmen. Die Regierung plant offensichtlich, die Goldmine langfristig an das neue staatliche Energie- und Rohstoffunternehmen Perminas zu übertragen.

Die Zukunft des Zellstoffsunternehmens Toba Pulp Lestari ist noch offen. Seit Anfang des Jahres 2026 prozessiert das Umweltministerium Indonesiens gegen die Firma.  Der Umweltverband WALHI ist als Drittkläger in das Verfahren eingestiegen. 

Schon im März ist der Weiterbau des Batang-Toru-Wasserkraftwerks freigegeben worden, wenn auch verbunden mit strengeren Auflagen. Der Betreiber PT North Sumatra Hydro Energy (NSHE) ist gesetzlich verpflichtet, Baumkronen-Brücken über Straßen und Schneisen hinweg zu errichten.

Biologen sehen diese Korridore kritisch. Orang-Utans seien scheue Gewohnheitstiere. Es dauere oft Jahre, bis sie solche künstlichen Strukturen annehmen. Während der Bauphase bis Oktober 2026 werde der Baulärm die Tiere verschrecken. Das Kernproblem aber sei die Zerstückelung (Fragmentierung) des Waldes durch Straßen und Stromtrassen. 

Der Bau wird nun sogar unter Hochdruck beschleunigt, um das Kraftwerk im Oktober 2026 ans Netz zu bringen. NSHE hat zuvor eingewilligt ein, eine Strafe in Höhe von rund 12,7 Millionen US-Dollar an den Staat zu entrichten, um für die hydrologischen Schäden aufzukommen. Im Verhältnis zu den drohenden ökologischen Schäden ist diese Summe jedoch lächerlich.

China besiegelt das Schicksal der Tapanuli-Orang-Utans 

Anfänglich wurde das Kraftwerk von der Bank of China finanziert. Nach massiven Protesten und starken Petitionen, darunter unsere Petition Tapanuli-Orang-Utan schützen! Kein Staudamm in Batang Toru! mit mehr als 400.000 Stimmen, hat sich die Bank aus der Finanzierung  zurückgezogen. Das hat den Bau aber nur verzögert.

Es folgte eine Umstrukturierung des Kapitals. Inzwischen ist das Projekt fest in der Hand des chinesischen Staates und Teil der Neuen Seidenstraße (Belt and Road Initiative).

Bestellen Sie jetzt unseren Newsletter

Bleiben Sie mit unserem Newsletter am Ball – für den Schutz des Regenwaldes!



 



 



 

  1. siehe https://phys.org/news/2026-06-climate-fueled-storm-decimated-world.html und https://phys.org/news/2026-08-multiple-threats-endanger-world-rarest.html

  2. PT Agincourt Resources betreibt die Martabe-Goldmine südlich des Batang-Toru-Waldes. Die Konzession von 130.252 Hektar Größe überlappt mit dem Batang-Toru-Ökosystem und mit geschütztem Wald in Nord-Tapanuli. 

    PT Toba Pulp Lestari produziert seit 40 Jahren Zellstoff und Viskose am Toba-See. Landraub, Abholzung und Gewalt kennzeichnen die Firma, die zum Papiergiganten APRIL gehört.

    PT North Sumatera Hydro Energy (NSHE) baut das Batang-Toru-Wasserkraftwerk. Entlang des Flusses sind etwa 350 Hektar Regenwald für Staudamm und Wasserkraftwerk zerstört worden.

  3. PT Perusahaan Mineral Nasional, ein erst 2025 gegründetes staatliches Bergbauunternehmen. Der Schwerpunkt liegt auf dem strategischen Management und der Weiterverarbeitung kritischer Mineralien.

  4. Betreiber ist PT North Sumatera Hydro Energy (PT NSHE)

    • Chinesischer Staatskonzern SDIC Power Holdings (State Development and Investment Corporation) hat mit 70% die absolute Mehrheit, wodurch das Projekt faktisch unter direkter Kontrolle des chinesischen Staates steht.
    • Indonesischer Stromversorger PT PLN Nusantara Renewables hält 25% der Anteile.

    Bauausführung (EPC-Contractor) durch Sinohydro, weltweit größtes Bauunternehmen für Wasserkraftwerke

    Finanzierung

    • Kernfinanzierung durch die Export-Import Bank of China (Exim Bank)
    • Indonesische Staatbanken und internationale Investment-Fonds
Aktuelle Petitionen, Hintergründe und Informationen

Bestellen Sie jetzt unseren Newsletter

Bleiben Sie mit unserem Newsletter am Ball – für den Schutz des Regenwaldes!