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Dunkler Tigerpython in den Everglades, Florida
Pythons sind sehr begehrte Arten (© CC0 Public Domain)
Blick in einen Lastwagen mit Kisten
Vögel für den illegalen Handel nach Asien (© Flight)
Waldschildkröte
In Gefangenschaft lebende Waldschildkröte - auch sie ein Opfer des Tierhandels (© amaZOOnico)

Wildtierhandel: Bilanz für August und September 2026 in Lateinamerika, Asien und Afrika

28.09.2026In Bussen versteckte Schildkröten, Nashornhörner in laotischen Dörfern, über soziale Medien verkaufte Pythons: Die Beschlagnahmungen der letzten zwei Monate zeugen von einem globalen und gut organisierten illegalen Handel. Rettet den Regenwald fasst die wichtigsten Nachrichten zusammen.


Der Handel mit Wildtieren ist einer der lukrativsten kriminellen Märkte der Welt und nimmt weiter zu. Laut der Studie „Two decades of changes in the global network of illegal wildlife trade“ der National University of Singapore, die in diesem Jahr in der Fachzeitschrift Conservation Biology veröffentlicht wurde, sind mindestens 110 Länder am illegalen Handel mit Wildtieren beteiligt – mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2000 (damals waren es 49). Asien hat Europa als Hauptumschlagplatz für den Handel mit den meisten Arten abgelöst.

Lateinamerika: Von den Straßen Mexikos zu den Märkten Boliviens

In Mexiko hat die Bundesumweltbehörde (Procuraduría Federal de Protección al Ambiente, Profepa) 95 Wildtiere in einem Linienbus im Norden des Landes beschlagnahmt. Der Bus befand sich auf der Bundesstraße 45 zwischen Ciudad Juárez, einer Grenzstadt direkt gegenüber von El Paso in Texas, und Chihuahua, der Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates, dem flächenmäßig größten Mexikos, etwa 370 Kilometer weiter südlich. Bei einer weiteren Aktion beschlagnahmte die Profepa zwei Bengalische Tiger in einem Wohnhaus in Mazatlán, einem Ferienort an der Pazifikküste im Bundesstaat Sinaloa. Im Bus befanden sich außerdem 75 Rotbein-Taranteln (Brachypelma emilia), die in Beuteln in Plastikboxen verpackt waren. Der Handel verlagert sich zunehmend ins Internet: Die Profepa hat zwischen Mai 2025 und Juni 2026 1.119 Anzeigen auf Facebook und Instagram identifiziert, die auf den möglichen illegalen Verkauf von Wildtieren hindeuten.

Auch Paraguay reagiert auf die digitale Dimension dieses Phänomens. Das Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung (Ministerio del Ambiente y Desarrollo Sostenible, MADES) hat mit dem am 22. September 2026 unterzeichneten Beschluss Nr. 436 ein Protokoll für schnelle Maßnahmen gegen den Handel mit Wildtieren in sozialen Netzwerken verabschiedet.

Nach einer im September veröffentlichte Analyse verläuft der Handel mit Wildtieren und Holz in Mittelamerika über einen regelrechten Logistikkorridor, der in die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität eingebettet ist – mit Routen, spezialisierten Zwischenhändlern und einer eigenen Finanzinfrastruktur. Allein auf Guatemala entfallen 74 % des Vogelhandels in der Region, während in Panama Lager im Wald mit nicht registrierten Gewehren und geschlachteten Tieren, darunter Hirsche und Ozelots, entdeckt wurden.

Nachdem in den Jahren 2024 und 2025 an Flughäfen und Grenzübergängen 4.366 Exemplare von Tieren und Pflanzen beschlagnahmt worden waren, hat Costa Rica die Kampagne #WhatYouCarry („Was du mitnimmst“) gestartet, die Touristen dazu aufruft, keine Tiere und Pflanzen mitzunehmen. In Bolivien (Riberalta / Beni), haben die Kommunalbehörden auf Märkten etwa 300 Eier der Flussschildkröte (Podocnemis unifilis) beschlagnahmt, und zwar mitten in der Brutzeit.

Asien: Elfenbein und Nashornhörner in Laos, Pangoline in Indien

Laos erweist sich als entscheidender Knotenpunkt. Am 16. August wurden in der Provinz Bolikhamxay elf ausländische Staatsbürger festgenommen, nachdem etwa 1,8 Tonnen mutmaßliches Elfenbein und zwei Kadaver, die schwarzen Panthern ähnelten, beschlagnahmt worden waren. Am 11. September wurden bei einer Durchsuchung in Luang Prabang mutmaßliche Nashornhörner, bearbeitetes Elfenbein, Tiergalle und traditionelle Arzneimittel auf der Basis von Wildtieren verschiedener Arten entdeckt.

Am 25. September wurden auf den Philippinen in Taytay (Palawan) vier Personen festgenommen und 33 lebende Tiere, darunter Blaunackenpapageien und Schildkröten, gerettet. Nach Angaben des Ministeriums für Umwelt und natürliche Ressourcen (Department of Environment and Natural Resources, DENR) wurden zwischen Januar und August 2026 55 Wildtierhändler festgenommen und über 300 Tiere beschlagnahmt. In Indien (Rajsamand / Rajasthan) wurden vier Personen wegen des Verkaufs von Pangolin-Schuppen im Rahmen einer gemeinsamen Aktion der Forstbehörde und des Amtes zur Bekämpfung von Wildtierkriminalität (Wildlife Crime Control Bureau, WCCB) festgenommen.

Das Problem der Straflosigkeit besteht weiter

Ein Bericht des World Wide Fund for Nature (WWF), des Netzwerks zur Überwachung des Handels mit Wildtieren TRAFFIC (ursprünglich eine Abkürzung für Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce) und des kanadischen Forschungszentrums GuArdean (GuArdean Centre for Conservation Research) weist darauf hin, dass in Südostasien weniger als die Hälfte der Festnahmen und Beschlagnahmungen im Zusammenhang mit Tigern zu Strafen oder Verurteilungen führt.

Afrika: Machenschaften krimineller Netzwerke aus Asien 

Anlässlich des Weltelefantentags am 11. August warnte eine Analyse, dass kriminelle Netzwerke trotz umfangreicher Beschlagnahmungen weiterhin aktiv sind und dass das südliche Afrika offenbar wieder ins Zentrum des globalen Elfenbeinhandels gerückt ist: Auf die Länder der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (Southern African Development Community, SADC) entfallen über 80 % der beschlagnahmten Güter.

Ein Bericht im Zusammenhang mit dem US-amerikanischen „Gesetz zur Bekämpfung, Neutralisierung und Zerschlagung des Wildtierhandels“ (Eliminate, Neutralize, and Disrupt Wildlife Trafficking Act, END) für das Jahr 2026 bezeichnet Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Madagaskar und Nigeria als „Länder, die Anlass zur Sorge geben“ und fügt erstmals auch Mosambik hinzu.

In Südafrika, genau am Welt-Nashorn-Tag, dem 22. September, hat die Einheit zur Bekämpfung des Wildtierhandels Hawks (die „Falken“) der Direktion für Ermittlungen bei vorrangigen Straftaten (Directorate for Priority Crime Investigation, DPCI) der südafrikanischen Polizei in Klerksdorp 

den Vietnamesen Nguyen Huu Dong festgenommen. Er ist ein Cousin des mutmaßlichen Anführers einer weitverzweigten kriminellen Vereinigung, die in Südafrika, Mosambik und verschiedenen Ländern Zentral- und Westafrikas aktiv ist, von wo aus Schmuggelrouten nach Südostasien führen.

Die Ermittlungen betreffen einen mutmaßlichen vorgetäuschten Raubüberfall und den möglichen illegalen Verkauf von 98 Nashornhörnern. Auch hier läuft der Handel über soziale Netzwerke: In Delareyville wurden zwei Männer festgenommen, weil sie eine lebende afrikanische Python online für 5.000 Rand (etwa 260 Euro) zum Verkauf angeboten hatten.

Wildtierhandel und Entwaldung: zwei Seiten derselben Krise

Rettet den Regenwald möchte dazu beitragen, den internationalen Handel mit Wildtieren ins Bewusstsein zu rücken, da dieser nicht losgelöst von der Zerstörung der Wälder betrachtet werden kann. Beide Praktiken überschneiden sich und verstärken sich gegenseitig. Jeder Hektar Wald, der abgeholzt wird, sei es für Holzgewinnung, Viehzucht, Monokulturen oder Bergbau, schränkt den Lebensraum der Wildtiere ein, drängt sie in immer kleinere und stärker fragmentierte Gebiete ab und macht es einfacher, sie zu fangen.

Die Wege, die durch die Abholzung entstehen, sind dieselben, die auch Wilderer nutzen. Oft sind sogar die kriminellen Netzwerke dieselben: In Mittelamerika werden Wildtiere und Edelhölzer über dieselben Korridore des organisierten Verbrechens transportiert.

Für Arten, die bereits durch den Verlust ihres Lebensraums bedroht sind, kann die illegale Jagd den Todesstoß bedeuten. Wälder zu schützen bedeutet daher immer auch, ihre Bewohner zu schützen. Genauso bewahrt der Kampf gegen den Wildtierhandel ganze Ökosysteme – und mit ihnen die indigenen und lokalen Gemeinschaften, die von ihnen leben.

Quellen 

Globaler Kontext

Lateinamerika

Asien

Afrika

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