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2 Männer blicken von weitem auf für eine Straße abgeholzte Fläche
Anders als auf internationalen Konferenzen versprochen, werden Papuas Wälder weiterhin abgeholzt (© Pusaka)

Leeres Gerede von Nachhaltigkeit

08.10.2026Indonesien: Die Ankündigung auf dem International Sustainability Forum, keine Wälder mehr für landwirtschaftliche Projekte zu roden, wurde von vielen beklatscht. Solidaritas Merauke bleibt skeptisch, da die Realität anders aussieht: Die Entwaldung in Papua geht weiter. Torfmoore, Sümpfe und Savannen werden als "degradiert" betrachtet und die Rechte der indigenen Bevölkerung werden missachtet.


Internationale Medien berichten aktuell über das Nachhaltigkeitsforum, das am 6. Oktober in Jakarta eröffnet wurde. Meist geht es um die Ankündigung vom Ende der Entwaldung für Agrarprodukte. 

Weniger begeistert äußern sich unsere Partner:

Indonesiens Ankündigung, die Entwaldung für Agrarprojekte zu beenden, ist bedeutungslos, solange Nationale Strategische Projekte wie PSN Merauke in Süd-Papua nicht beendet werden.

Niemand glaubt ihnen mehr.

Statt Reis bauen sie dann Energiepflanzen an: Ölpalmen und Zuckerrohr, Maniok und Mais - für Biodiesel und Bioethanol.

Der Weltmarkt und die Investoren haben dies entschieden.

„Die Regierung sieht keine Notwendigkeit mehr, die Reisanbauflächen in den sogenannten Waldgebieten auszuweiten.“ Das verkündete der Sonderbeauftragte für Klima und Energie Hashim Djojohadikusumo, der Bruder von Präsident Prabowo Subianto, in seiner Rede zur Eröffnung des Internationalen Nachhaltigkeitsforums (ISF) am 6. Oktober in Jakarta. Damit scheint er ein Ende der großräumigen Abholzungen für Reis, Zuckerrohr und Ölpalmen zu versprechen. Indonesien habe die Selbstversorgung mit dem Grundnahrungsmittel Reis erreicht. In Zukunft würden keine neuen Flächen erschlossen. Der Anbau von Pflanzen für Nahrungsmittel und Biokraftstoffe werde sich auf degradiertem Land konzentrieren. Internationale Medien berichteten und sparten nicht mit Lob.

In Indonesien bewertet die Zivilgesellschaft die Rede des Sonderbeauftragten vorsichtig als eine erste Reaktion der Regierung auf den Widerstand der zahlreichen indigenen und lokalen Gemeinschaften, die landesweit ihren Wald gegen die staatlichen Nahrungsmittel- und Energieprojekte verteidigen. Vielleicht ist sie ein gutes Zeichen, vielleicht nur leeres Gerede, auf das keine Taten folgen werden. 

Wir bleiben skeptisch. Zu oft hat sich die Regierung in Konferenzen zu Wald- und Klimaschutz bekannt, in der Praxis die eigenen Worte jedoch Lügen gestraft.

„In der Realität“, so schreibt die Gruppe Solidaritas Merauke in ihrer Antwort auf die Ankündigung, „werden aktuell riesige Flächen Naturwald in Süd-Papua mit von Militär eskortierten Baggern gerodet. Hier entstehen Zuckerrohr- und Ölpalmplantagen für die Produktion von Biokraftstoffen. Die Indigenen, die Hüter der Wälder, werden kriminalisiert und im Namen von Entwicklung und Nahrungsmittel- und Energiesicherheit zu Opfern von Gewalt.“

Die Zerstörung der Regenwälder, Savannen, Sümpfe und Torfmoore geht weit über das Problem „Entwaldung“ hinaus, so Solidaritas Merauke. „Betroffen sind auch die Gewässer und die Biodiversität, die Lebensgrundlagen, kulturellen Praktiken, Ernährungssicherheit, Gesundheit und das ökologische Wissen der lokalen Bevölkerung und ihr Überleben.“

Solidaritas Merauke hinterfragt die Verwendung des Begriffs „degradiertes Land“. Staatliche und kommerzielle Akteure bagatellisierten häufig die Existenz der Indigenen und ihr biokulturelles Wissen. Sie deklarierten Tieflandwaldökosysteme mit Sümpfen und Savannen als degradiertes und unproduktives Land, auf dem niemand lebt – und die somit kommerzialisiert und zu Zielen für Rohstoffförderung und Entwicklungsprogramme werden.

Vor solchen großmundigen Ankündigungen müssen zerstörerische Projekte beendet, die abgeholzten Flächen renaturiert und die Rechte der Indigenen wiederhergestellt werden.

„Solidaritas Merauke fordert grundlegende Veränderungen des Entwicklungsparadigmas, das auf unbegrenztem exponentiellem Wachstum, Kapitalakkumulation, Totalitarismus, Rohstoffraubbau und Ausbeutung basiert. Dieses sollte durch ein regeneratives Entwicklungsparadigma ersetzt werden, das auf Emanzipation und sozialer Gerechtigkeit, der Achtung und dem Schutz der Menschenrechte, Unabhängigkeit und kollektivem Handeln sowie der Pflege und Wiederherstellung der miteinander verflochtenen sozialen und ökologischen Systeme beruht.“

Die Gesamte Pressemitteilung von Solidaritas Merauke „Indonesia’s Announcement to End Deforestation is Meaningless Without Halting the South Papua National Strategic Project“ auf Englisch

Video der Eröffnungszeremonie des Indonesia Sustainability Forum (ISF) - mehr als vier Stunden - in englischer Sprache: https://www.youtube.com/live/Odh66exBnV4

Zwischen 1:03 bis 1:21 spricht der Sonderbeauftragte für Klima und Energie Hashim Djojohadikusumo. 



 

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