Das Massai-Radio - die Macht des Wortes
Tansania: In der Umgebung der Stadt Wasso im Norden Tansanias haben Tausende Menschen einen Lieblingssender: das Loliondo Community Radio. Die von unserem Partner Traditional Ecosystems Survival Tanzania (TEST) betriebene Station erreicht nahe des Ngorongoro-Kraters über 270.000 Zuhörer. Die meisten von ihnen Massai. Das Radio ist für sie eine unverzichtbare Stimme geworden, verbindet und stärkt sie.
Eigentlich sind wir heute mit dem neuen Chef der Massai-Organisation Traditional Ecosystems Survival Tanzania (TEST), Babu Rotiken, verabredet. Er wollte per Zoom berichten, wie sehr die Einheimischen den Sender schätzen. Stattdessen war er bei der Polizei.
Mehrere Massai waren mit dem Vorwurf festgenommen worden, sie hätten Tiere im Schutzgebiet weiden lassen. So geht das seit Jahren: Massai pflegen ihre traditionelle Lebensweise, während Polizei und Politik mit Schikanen und Gewalt versuchen, sie zu vergraulen und zu vertreiben. In dieser hitzigen Situation setzt TEST auf die Macht des Wortes, der Information – eben des Radios
Die Natur im Nordwesten Tansanias ist außergewöhnlich vielfältig und beeindruckend. Herden von Zebras, Giraffen und Elefanten prägen die weiten Savannen und verkörpern für viele Europäer das Bild unberührter Wildnis. Kein Wunder, dass die UNESCO die Region als Welterbe anerkannt hat. Die benachbarte Serengeti gehört zu den bekanntesten Schutzgebieten der Welt.
Für die Massai ist die Region seit Generationen ihre Heimat. Sie leben hier im Einklang mit dieser einzigartigen Umwelt.
Für Safaris vertrieben
Doch Tansanias Regierung plant, Schutzgebiete zu vergrößern, um den internationalen Tourismus weiter zu fördern.
Auf die Bedürfnisse und Rechte der Massai nimmt sie dabei wenig Rücksicht. Ein gewaltsamer Konflikt unter dem Vorwand des Naturschutzes.
Mehr als 80.000 Menschen sind von Vertreibung bedroht. In der Region Loliondo sollen weitere 70.000 Männer, Frauen und Kinder Platz machen, damit Touristinnen und Touristen Safaris und Trophäenjagd in einem „unberührten Paradies“ erleben können. Ohne Weidetiere und ohne zu viele traditionelle Häuser mit Radioantennen im Urlaubsfoto.
Ein Radio, das Indigenen eine Stimme gibt
In den ländlichen Gebieten ist es schwierig, offen und ohne Angst die Regierung zu kritisieren und über Landkonflikte und Menschenrechte zu sprechen. Das Loliondo Community Radio hat sich als vertrauenswürdige Plattform etabliert und ermöglicht einen konstruktiven Dialog.
Die Mehrheit der Hörer sind Massai und andere indigene Gemeinschaften, die in isolierten Gebieten leben. Hier ist der Zugang zu Internet, Zeitungen und digitaler Kommunikation begrenzt und das Radio die wichtigste Informationsquelle.
Ein Dorfältester beschreibt die Wirkung des Loliondo Community Radios:
Über viele Jahre wurden wichtige Entscheidungen, die unser Leben betreffen, diskutiert, ohne dass unsere Stimmen gehört wurden. Durch Loliondo Community Radio erreichen unsere Anliegen nun Führungskräfte, Regierungsinstitutionen und Organisationen, die antworten können. Das Radio gehört den Menschen, weil es über unser tägliches Leben spricht."
Schulbesuche, Jugenddiskussionen, Interviews und Bildungsprogramme ermutigen Schüler, ihre Meinungen zu Bildung und Umweltschutz zu äußern. „Bevor ich die Radiostation besuchte, hätte ich mir nie vorgestellt, dass meine Ideen von Tausenden von Menschen gehört werden könnten. Das Sprechen im Radio ermutigte mich, selbstbewusster zu werden und mich aktiv an der Gemeinschaftsentwicklung zu beteiligen", sagt ein Mädchen.
Wenn Bürger und Regierung ins Gespräch kommen
Während der monatlichen Diskussionssendung Bunge la Jamii („Gemeinschaftsparlament" auf Suaheli) kommen lokale Anführer, Experten und Bürger miteinander ins Gespräch. Hier können ihre Anliegen zu öffentlichen Dienstleistungen, Bildung, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur und dem Umgang mit natürlichen Ressourcen angesprochen und Lösungen gefunden werden. Regierungsvertreter nutzen das Radio, um Richtlinien zu erklären und Fragen zu beantworten.
Die Verantwortlichen von TEST setzen darauf, dass diese regelmäßige Kommunikation das Vertrauen zwischen den Gemeinschaften und den lokalen Behörden stärkt. Die Anführer der traditionellen Gemeinschaften berichten TEST von einem deutlich gestiegenen Interesse am Umweltschutz.
Was Ihre Unterstützung für Rettet den Regenwald bewirkt
Im Mittelpunkt unseres Projekts steht der Sender Loliondo Community Radio. Aktuell erreicht er in Tansania und Kenia rund 270.000 Menschen. Mit besserer Technik kann die Reichweite jedoch erheblich gesteigert werden: Bis zu 3,5 Millionen Menschen könnten das Radio dann empfangen. Damit würde das Sendegebiet vom Viktoriasee bis zum Kilimandscharo reichen.
Mshao Naingisa, ein traditionelles Oberhaupt aus der Gemeinde Ololosokwan, wo Sicherheitskräfte scharf auf Massai geschossen haben, sagt:
Menschen sollen mit Wildtieren in Harmonie auf unserem Land leben können – so wie es unsere Vorfahren getan haben. Unser Ziel ist es, dauerhaften Frieden in Loliondo zu schaffen."
Erfolgsrezepte aus Afrika
Eine Reise durch sechs Länder entlang des Äquators – zu unseren Partnern, die der massiven Naturzerstörung mit Kraft, Mut und guten Ideen begegnen.
Ein Radiosender, der Menschen und Natur nützt
Die Natur im Nordwesten Tansanias ist einzigartig. Für die Massai ist dieser Segen zugleich ein Fluch – ein Radiosender will versöhnen. Das ist bitter nötig, denn die Regierung nimmt für falsch verstandenen „Naturschutz“ wenig Rücksicht auf die Bevölkerung. Doch wer Bescheid weiß und seine Rechte kennt, kann seine Zukunft gestalten. Dann ist ein Zusammenleben in Harmonie möglich.
Ihre Spende bewahrt Afrikas Natur
Im Kongobecken gedeiht der zweitgrößte Regenwald der Erde. Hier sind Gorillas, Schimpansen und Waldelefanten zuhause. Mutig bewahren unsere Partner:innen diese Wälder.