Ethanol-Kraftstoff - Keine Nahrungsmittel und Regenwälder in den Tank!

11.01.2011

Ab Januar soll nach dem Willen der Bundesregierung ein neuer Autokraftstoff an den Tankstellen angeboten werden: Der neue sogenannte Bio-Kraftstoff E10 ist bereits hoch umstritten, bevor er überhaupt die Zapfsäulen erreicht. Denn E10 bedeutet: Dem herkömmlichen fossilen Benzin werden zehn Prozent Ethanol beigemischt – ein Stoff, der aus Mais, Getreide, Zuckerrohr oder Rüben hergestellt wird. Die Bundesregierung erfüllt damit eine Richtlinie der EU, dass der Anteil der Pflanzenenergie im Kraftstoff kontinuierlich steigen soll.

Rettet den Regenwald fordert seit Jahren: Stoppt den massenweisen Anbau von Lebensmitteln für Auto- oder Flugzeugtanks! Schon jetzt werden etwa 900.000 Tonnen Ethanol dem Benzin beigemischt – mit einem Anteil von fünf Prozent. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen schlagen seit langem Alarm gegen die Energie vom Acker. Denn Ethanol wird aus Nahrungsmitteln hergestellt, mit enormem Energieaufwand, Wasserverbrauch sowie dem Einsatz großer Mengen von Düngemitteln und Pestiziden.

In Deutschland wachsen bereits auf 240.000 Hektar Ackerfläche Weizen, Gerste und Zuckerrüben für die Erhanolproduktion. Doch die mit Abstand größten Ethanolproduzenten weltweit sind die USA und Brasilien. Da unsere heimischen Anbauflächen nicht ausreichen und die Produktionskosten bei uns hoch sind, wird Ethanol massenweise aus Brasilien importiert. Die Ethanol-Einfuhren der Europäischen Union aus Brasilien belaufen sich auf etwa 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

Die großen Ölkonzerne sind längst in die brasilianische Ethanolindustrie mit Milliardeninvestitionen eingestiegen: So beispielsweise BP bei der Firma Tropical Bioenergia (4 Milliarden Euro) und Shell beim Cosan-Konzern ( Joint Venture über 12 Milliarden US-Dollar). Denn die brasilianische Regierung1 plant, die Anbaufläche für Zuckerrohr von aktuell neun Millionen Hektar zu versiebenfachen. Auf 65 Millionen Hektar soll Zuckerrohr kultiviert werden - das entspricht der Fläche Deutschlands und Polens!

Bisher sind vom Ethanolboom in Brasilien vor allem der sehr bedrohte Atlantische Küstenregenwald (Mata Atlantica, etwa 6% der ursprünglichen Regenwaldfläche stehen noch) und die Cerrado-Savanne bedroht. Beides sind extrem artenreiche Ökosysteme (lesen Sie dazu die Artikel „Brasilien: Der Cerrado braucht Schutz" und „Brasiliens bittersüße Ethanolträume" im Regenwald Report 03/2009 Seite 4-11: http://www.regenwald.org/regenwaldreport/download/57/2009/rdr-report0903). Immer tiefer fressen sich die Plantagen in die Tropenwald- und Savannengebiete des Landes hinein. Indianer und Kleinbauern werden dafür von ihrem Land vertrieben und oftmals ermordet. In den Bundesstaaten Acre und Mato Grosso ist vom Zuckerrohr-Ethanolboom bereits direkt der Amazonasregenwald betroffen einschließlich der dort lebenden Indianer.

Angebaut wird das tropische Süßgras auf riesigen industriellen Monokulturen. Schon neun Millionen Hektar sind in dem südamerikanischen Land mit den grünen Zuckerrohrwüsten der Großgrundbesitzer, Investoren und multinationalen Konzerne belegt. Einen krasseren Kontrast zwischen der Artenvielfalt der brasilianischen Tropenwälder und Savannen und den Zuckerrohr-Monokulturen, von denen die Agroenergie stammt, gibt es nicht. Die Tropenwälder sind voller Leben, die Plantagen biologische Wüsten. Die Zuckerrohrschneider schuften als moderne Sklaven auf den Plantagen zu Hungerlöhnen. Bei mörderischer Hitze und Staub müssen sie 15 Tonnen Zuckerrohr und mehr am Tag ernten. Jedes Jahr werden von der brasilianischen Bundespolizei mehrere Tausend Zuckerrohrarbeiter aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit.

Die Schäden an Mensch, Natur und Klima, die durch den Anbau und Einsatz von Agrosprit angerichtet werden, übersteigen sogar die der Erdölindustrie. Neben Zuckerrohr breiten sich in Brasilien auf weiteren 24 Millionen Hektar Soja-Monokulturen aus, aus denen sogenannter Biodiesel hergestellt wird. Neu gezüchtete Varianten von Zuckerrohr und Soja einschließlich genetisch manipulierter Pflanzen machen selbst den Anbau im Amazonasregenwald möglich. Die grüne Lunge der Erde liegt im Sprühnebel von Pestiziden und ist das Versuchslabor der Genindustrie.

Weitere Informationen unter:

Rettet den Regenwald e.V.
Jupiterweg 15
22391 Hamburg
Tel. +49- 40 – 4103804
Fax:+49- 40 - 4500144
info@regenwald.org
www.regenwald.org

1 http://www.cnps.embrapa.br/zoneamento_cana_de_acucar/ZonCana.pdf