Verbraucherschützer in Italien: Gebt Kindern keine Produkte mit Palmöl

Ein Baby wehrt mit sorgenvollem Blick eine ihm hingehaltene Trinkflasche ab Verbraucherschützer gegen Palmöl (© Chalabala/iStock)

01.07.2016

Die italienische Verbraucherschutzorganisation Altroconsumo hat 12 verschiedene Produkte, die von Kindern verzehrt werden – Babymilch, Kekse, Kindersnacks und Kartoffelchips – auf ihren Gehalt an organschädigenden und krebsauslösenden Lebensmittelschadstoffen (3-MCPD und Glycidol) testen lassen.

In den untersuchten Markenprodukten wurden die gefährlichen Fettsäureester in zum Teil sehr hohen Konzentrationen gefunden, berichtet Altroconsumo in dem Artikel „Unverdauliche Snacks“ in der Juli-Ausgabe ihrer Zeitschrift. Die Schadstoffe sind insbesondere in raffiniertem Palmöl und vielen daraus hergestellten Nahrungsmitteln enthalten. Zu diesem Ergebnis kam auch die EU-Lebensmittelbehörde EFSA in einer im Mai 2016 veröffentlichten Studie.

Die Verbraucherschützer aus Mailand empfehlen, Kindern keine Produkte zu geben, die Palmöl enthalten.

Besonders betroffen ist Babymilch. In den drei untersuchten Markenprodukten, darunter von Nestle und Humana, waren zwischen acht und 11 Mikrogramm 3-MCPD pro Portion nachweisbar.

Ein fünf Monate altes Baby mit sieben Kilogramm Gewicht, das im Laufe des Tages fünf Portionen Babymilch trinkt (insgesamt 1.050 Milliliter), nimmt 53 Mikrogramm des Schadstoffes 3-MCPD auf, so Altroconsumo. Dieser Wert überschreitet um ein Zehnfaches den von der EU-Lebensmittelbehörde EFSA festgelegten Sicherheitswert von 5,6 Mikrogramm 3-MCPD pro Tag für ein fünf Monate altes Kind mit sieben Kilogramm Gewicht.

Auch die getesteten Kindersnacks und Kartoffelchips wiesen in einer üblichen Portion bis zu 23 Mikrogramm des Schadstoffs 3-MCPD auf. Kinder der Altersklassen 8 Jahre (EFSA Sicherheitswert 23,6 Mikrogramm) und 14 Jahre (EFSA Sicherheitswert 45,4 Mikrogramm) kommen mit einer bis zwei Portionen dieser Produkte bereits an den von der EFSA festgelegten Grenzwert pro Tag. In vielen der geprüften Produkte wurde außerdem das krebserregende Glycidol nachgewiesen.

Da Palmöl in unserer täglichen Ernährung allgegenwärtig ist und etwa die Hälfte der im Supermarkt verkauften Fertigprodukte Palmöl enthalten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Kinder weitere Lebensmittel essen, die ebenfalls die genannten Fettschadstoffe enthalten.

Altroconsumo hat sich mit mehreren Schreiben an die EU-Kommission, darunter den EU-Gesundheitskommissar, sowie die italienische Gesundheitsministerin und die 400.000 Mitglieder der Organisation gewandt. Altroconsumo fordert von den Politikern, dringende Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Bürger zu ergreifen. Sie hat zudem eine Petition zur Regulierung von Palmöl in Lebensmitteln gestartet.