Schadstoffe im Palmöl: Reportagen im Schweizer Fernsehen

Kleinkind greift nach Babyflasche mit Milch

31.10.2016

Das Schweizer Fernsehen hat Babymilch von Markenherstellern wie Nestlé, Hipp, Bimbosan und Milupa sowie bekannte Süßigkeiten - darunter Nutella von Ferrero - auf Schadstoffe prüfen lassen, die häufig in hohen Konzentrationen in Produkten mit raffiniertem Palmöl vorkommen. Gefunden wurden das krebserregende und erbgutschädigende Lebensmittelgift Glycidol sowie 3-MCPD.

Die Schweizer Fernsehsender SRF und RTS haben auf die Warnungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vor sogenannten Lebensmittelkontaminanten mit zwei ausführlichern Fernsehbeiträgen reagiert.

Die Sender haben dazu Proben von vier Babymilch-Produkten der Markenhersteller Nestlé, Hipp, Bimbosan und Milupa (Danone) in einem Lebensmittellabor untersuchen lassen. Dabei wurden die gesundheitsschädlichen Fettschadstoffe Glycidol und 3-MCPD gefunden. Die Gifte entstehen vor allem bei der industriellen Verarbeitung von Palmöl und sind daher in zum Teil sehr hohen Konzentrationen in Produkten nachweisbar, die Palmöl enthalten.

Der in den Produkten von Milupa (Aptamil), Bimbosan und Hipp nachgewiesene Fettschadstoff 3-MCPD überstieg dabei um das 2 bis 3,4-fache die von der EU empfohlene maximale Tagesdosis. Die EU hat 3-MCPD als „möglicherweise krebserregend" eingestuft.

Besonders beunruhigend ist das in Aptamil von Milupa (gehört zum franz. Danone-Konzern), Bimbosan und Nestlé (Beba) nachgewiesene Glycidol. Die EU hat Glycidol als krebserregend und erbgutschädigend einstuft. Jede Dosis davon kann Krebs auslösen. Es sollte daher überhaupt nicht in Lebensmitteln vorkommen, ganz besonders nicht in Babymilch.

Marco Binaglia, Sprecher der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erklärt dazu im Schweizer Fernsehen: „Bei Babys, die nicht gestillt werden, ist die Situation besonders besorgniserregend. Wir gehen davon aus, dass diese ganz kleinen Kinder wohl mehr als die tolerierbare Menge an 3-MCPD aufnehmen. Für Gylcidol gibt es keine erlaubte Maximaldosis. Denn jede Dosis könnte schon ein Risiko sein und Krebs auslösen."

Auch zwölf bekannte Süßigkeiten, Kekse und Snacks - darunter Nutella-Brotausstrich von Ferrero, Oreo-Kekse von Mondelez, Prinzenrolle-Doppelkekse von Griesson - De Beukelaer sowie Tuc-Kekse von Lu - wurden geprüft. In elf Produkten wurde Glycidol nachgewiesen, in Keksen der Marke Oreo von Mondelez zusätzlich auch 3-MCPD. Bisquitkekse der Marke Kägi enthielten keine der beiden Schadstoffe.

Nachfolgend die Webseiten der Sendungen. Die Fernsehreportagen sind darin als Internetvideos eingebettet. Außerdem finden sich auf den Seiten viele weitere Hintergrundinformationen:

Die 17-minütige SRF-Bericht "Schadstoffe im Schopen: Wie sicher ist Babynahrung" der Sendung Kassensturz vom 11. Okt. 2016

SRF-Artikel und Interview "Neue Schadstoffe in Babymilch"

5-minütiger SRF-Radiobeitrag "Krebserregende Palmöl auch in Süssigkeiten" der Sendung Espresso vom 13. Oktober 2016

Der 42-minütige RTS-Fernsehreportage "Huile de palme et santé: nouvelles inquiétudes" der Sendung A Bon Entendeur des franz. Schweizer Fernsehens RTS vom 11. Okt. 2016