EU-Agrarpolitik: Dramatisches Vogelsterben

Lerche Der Lebensraum der Feldlerche sind naturnah bewirtschafte Felder, Wiesen und Weiden - keine EU Agrarwüsten

05.05.2017

In der intensiven, industrialisierten Landwirtschaft in Deutschland und der EU finden die Vögel immer weniger Lebensraum und Nahrung. Unter dem Diktat der EU-Agrarpolitik, die vor allem Größe und maximale wirtschaftliche Effizienz fördert, bleiben die Natur und Artenvielfalt auf der Strecke.

Die Bestände typischer Vögel der offenen Felder und Wiesen haben in den letzten Jahrzehnten immer schneller abgenommen. Auf einen Verlust von 300 Millionen Brutpaaren werden die Rückgänge in der Agrarlandschaft der Europäischen Union zwischen 1980 und 2010 veranschlagt, bestätigt die Bundesregierung auf Anfrage der Grünen im Bundestag.

So hat in Deutschland die Zahl der Rebhühner zwischen 1990 und 2015 um 84 Prozent abgenommen, der Bestand der Kiebitze um 80 Prozent (zwischen 1990 und 2013 ), die Zahl der Braunkehlchen ist um 63 Prozent zurückgegangen, die der Uferschnepfen um 61 Prozent und die der Feldlerchen um 35 Prozent.

Die Gründe dafür sind eindeutig: Die industrialisierte Landwirtschaft in der EU lässt selbst den früher fast überall anzutreffenden Vogelarten der Agrarlandschaft kaum Raum und Nahrung zum Überleben. Immer größere und einseitigere Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden und die Überdüngung lassen die Lebensräume verarmen und die Artenvielfalt schwinden.

Verantwortlich dafür ist vor allem die gemeinsame Agrarpolitik in der EU. Sie belastet zudem Wasser, Böden und Klima enorm. Auch der von Bundesregierung und EU forcierte Boom bei den Bioenergien hat den Trend weiter beschleunigt. Auf über zwei Millionen Hektar spriessen allein in Deutschland Raps für Biodiesel und Mais für Biogas.

Die Antwort der Bundesregierung ist eine ökologische Bankrotterklärung. Vögel sind gute Indikatoren für den Zustand der Umwelt. Und um die steht es sehr schlecht in Deutschland und der EU. Oder um es im Beamtendeutsch der Bundesregierung zu sagen: Der aktuelle Indikatorwert liegt noch weit vom Zielbereich entfernt.

Von 39 aufgeführten Vogelarten verzeichnen 21 Arten eine moderate Abnahme und vier Arten eine starke Abnahme der Bestandszahlen. Lediglich bei 6 Arten haben die Bestände zugenommen, bei weiteren sechs Arten sind sie stabil, bei zwei Arten ist die Datenlage unsicher.

Rettet den Regenwald fordert eine grundlegende Reform der Agrarpolitik von Bundesregierung und EU. Anstatt kurzfristige Profite und maximale Effizienz der Produktion zu fördern, muss die Landwirtschaft an langfristigen Kriterien wie dem Erhalt der Lebensräume und Artenvielfalt ausgerichtet werden.

Nabu: Alarmierender Vogelschwund in Deutschland und Europa: https://www.nabu.de/news/2017/05/22397.html

Die Zeit: Immer weniger Vögel in Europa: http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2017-05/voegel-bestand-landwirtschaft-gifte-kiebitz-braunkehlchen-uferschnepfe-feldlerche

Der Spiegel: Immer weniger Vögel in Deutschland: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/voegel-zahl-in-deutschland-und-europa-geht-stark-zurueck-a-1146021.html

FAZ: Die Zahl der Vögel geht stark zurück: http://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/zahl-der-voegel-geht-dramatisch-zurueck-14999553.html

Studie Tracking Progress Toward EU Biodiversity Strategy Targets: EU Policy Effects in Preserving its Common Farmland Birds: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/conl.12292/full