Energiewende verschlingt massenhaft Rohstoffe

Illegale Goldsucher im Regenwald von Liberia Goldabbau im Regenwald (© WCF)

27.04.2018

Für den Bau von Windrädern und Solaranlagen werden riesige Mengen Rohstoffe und Energie benötigt. Woher die Rohstoffe kommen, wissen die Hersteller und Betreiber in der Regel nicht genau. Das hat MISEREOR mit einer Befragung herausgefunden und mahnt an, dass die Bedingungen in den Abbauländern berücksichtigt werden müssen.

Der Bau von Windenergieanlagen an Land und im Meer, Solaranlagen auf Dächern, Biogas- und Holzkraftwerken verschlingt massenhaft Rohstoffe: Beton, Stahl, Kupfer, aber auch Mangan, Selen, Molybdän und Niob sowie seltene Metalle und Erden. Bis zu 200 Tonnen Metalle sind in einer einzigen Windkraftanlage verbaut plus große Mengen an Beton für die Fundamente.

Über 90 Millionen Tonnen Metalle importiert Deutschland laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jährlich zur Produktion von Maschinen, elektrischer Ausrüstung oder Automobilen. Hinzu kommen riesige Mengen Rohstoffe, die in bereits weiter verarbeiteten und Vorprodukten enthalten sind, die aus dem Ausland eingeführt werden.

Wo kommen all diese Rohstoffe her, und vor allem, unter welchen Bedingungen werden sie abgebaut? Wie sehen die Folgen für die Umwelt und die Menschen aus?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine neue Studie von MISEREOR. Viele der Rohstoffe kommen aus dem globalen Süden: Stahl beispielsweise oft aus Brasilien, Kupfer aus Chile und Peru, seltene Erden aus China, Mangan aus Gabun oder Südafrika. Deren Abbau und Verarbeitung verursachen nicht nur einen enormen ökologischen Fußabdruck, auch viele Menschen sind davon negativ betroffen.

Die katholische Organisation wendet sich mit ihrer Studie nicht gegen die sogenannten erneuerbaren Energien. Aber sie fordert Politik und Wirtschaft dazu auf, sicherzustellen, dass unsere „saubere“ Energie nicht zur Naturzerstörung in den Abbaugebieten der Rohstoffe und zu schweren Menschenrechtsverletzungen führt. Dort fressen sich allzuoft internationale Bergbauunternehmen in die Urwälder, die Bergrücken der Anden und in das Land der lokalen Einwohner.

MISEREOR fordert daher dringend dazu auf, unseren hohen Verbrauch an Energie und Rohstoffen zu senken.

Auch der Energeiaufwand ist ein Problem

Der Abbau, Transport und die Verarbeitung der aus aller Welt beschafften Rohstoffe sowie der Bau der Anlagen ist zudem mit einem enormen Energieaufwand verbunden. Windparks werden meist in Abstand zu den Siedlungen auf landwirtschaftlichen Flächen, Bergrücken oder sogar im Meer errichtet. Damit die Anlagen Schwingungen und Stürmen standhalten, müssen sie entsprechend stabil gebaut und fest verankert werden. Es werden neue Trassen für Stromleitungen und Transformatoren benötigt.

Die meisten der Anlagen benötigen daher mehrere Jahre, bis die von ihnen erzeugte Energie den Energieeinsatz zu deren Bau wieder wettmacht. Viele der Anlagen werden aber dann schon wieder abgebaut und durch modernere Anlagen ersetzt, weil der technische Fortschritt und vor allem die auf maximale Rentabilität ausgelegte Wirtschaftsweise dies begünstigt.

Das mag sich ökonomisch rechnen, zumal Bau und Betrieb durch jährliche Milliardensubventionen der Stromkunden über die EEG-Umlage finanziert werden. Aber umweltfreundlich ist das nicht. Und ob dadurch tatsächlich klimaschädliche Emissionen eingespart werden können, ist ebenso fraglich.

Deshalb fordert Rettet den Regenwald, den Bau solcher Anlagen kritisch zu prüfen - damit Umweltschutz und Menschenrechte Vorrang vor den kurzfristigen Profitinteressen der Konzerne haben.