Papua: Rassismus und Ausbeutung der Natur sind zwei Seiten einer Medaille

Eine breite Rodungsfläche grenzt an den Regenwald Straßen ebnen den Weg zu den Naturressourcen. Papuas Wälder und die Menschen bleiben auf der Strecke. (© Richard Mahuze)

29.08.2019

Bei Unruhen wegen rassistischer Beschimpfungen wurden in der indonesischen Provinz Papua sechs Menschen getötet. Die Wut über Rassismus und Naturzerstörung wächst, denn auch Papuas Wälder fallen Geschäften zum Opfer.

Sechs Menschen wurden bei Unruhen in der indonesischen Provinz Papua getötet, wie Suara Papua und Aljazeera berichten. Ausgebrochen sind die Unruhen, nachdem Studenten aus Papua auf der Hauptinsel Java von Polizisten rassistisch beleidigt worden sind.

Die Wut über rassistisch motivierte Unterdrückung entlädt sich in Papua an vielen Orten. Militär schreitet ein, Internet und Mobilfunknetz wurden blockiert. Unser örtlicher Partner berichtet, dass Schüsse zu hören waren und Menschen am Boden lagen. Die Todesfälle sind noch nicht bestätigt.

Papua, der Westteil der Insel Neuguinea (nach Grönland die größte Insel der Welt) gehört seit einem umstrittenen Referendum zu Indonesien. (Der Ostteil der Insel ist der souveräne Staat Papua-Neuguinea.) Die Papuaner sind Melanesier und unterscheiden sich ethnisch und kulturell von den vorwiegend malaiisch geprägten Indonesiern.

Die indonesische Besetzung Papuas in den 1960er Jahren hängt eng mit der Ausbeutung der Naturressourcen zusammen. Hier betreibt der Konzern Freeport McMoran die größte Gold- und Kupfermine der Welt. Für diese werden ganze Berge ausgehöhlt, Flussläufe mit Abraum zugeschüttet und Menschen vertrieben.

Zur „Sicherung“ der Investitionen ist überall Militär präsent, bis in die letzten Dörfer. Im Rahmen von Umsiedlungsprogrammen sind zigtausende verarmte Familien nach Papua eingewandert, sodass die Einheimischen längst zur Minderheit geworden sind.

Papua ist seit zwei Jahrzehnten die „letzte Front“ der Holzmafia. Nur hier gibt es noch ausgedehnte Urwälder mit Baumriesen wie Merbau, die den Holzhunger der Welt befriedigen. Täglich verlassen Schiffe – legal und illegal – die Küsten in Richtung Norden, nach China.

In Papua, wo es vor 10 Jahren kaum Palmölplantagen gab, wurden mittlerweile schon mehrere Millionen Hektar mit Ölpalmen bepflanzt. Die Ausbeutung der Ressourcen bedeutet für die indigenen Gemeinschaften den Verlust ihrer Existenz.

So addiert sich der Schock über die rassistische Behandlung seitens der indonesischen Sicherheitskräfte zum Trauma über den Verlust der Wälder.

Aktuelle Beispiele:

- Für das Landwirtschaftsprojekt MIFEE-Projekt (Merauke Integrated Food and Energy Estate) im Distrikt Merauke sind schon mehr als 1.000.000 Hektar Wald gerodet worden. Die Natur ist zerstört, die Einheimischen wurden betrogen und ihrer Lebensgrundlage beraubt.

- Eine weitere neue Palmölplantage entsteht gerade bei Nabire an der Nordküste, fast 30.000 Hektar groß, zum Teil in Primär- und Torfwald.

- Zahlreiche andere Palmölfirmen haben Primärwald vernichtet, darunter sind Plantagen der Salim Group und von Pacific Interlink, die das angebliche "Nachhaltigkeitssiegel" RSPO tragen.

- In den vergangenen Monaten sind fast 2.000 Kilometer Straßen gebaut worden, gegen den Protest der Papuaner. Dafür wurden Primärwälder abgeholzt und so Wilderern und Holzfällern der Zugang ins Landesinnere erleichtert.

- Im Rahmen des „Entwicklungsplans“ werden auch Straßen bis in den Lorentz-Nationalpark im Distrikt Nduga gebaut, was dem Freeport-Konzern den Zugriff auf weitere Gold- und Kupfervorkommen ermöglicht – aber eine furchtbare Gefahr für den Lorentz-Nationalpark ist.

- Parallel zum Straßenbau ist Militär im Distrikt Nduga einmarschiert. Zigtausende Einheimische sind in die Wälder geflohen. Laut Menschenrechtsgruppen sollen 182 Menschen an Hunger, Kälte und Krankheiten gestorben sein. Bewaffnete Unabhängigkeitskämpfer haben in Nduga sechs Arbeiter getötet.