Keine Mega-Plantagen im Wald der Mahuze!

Männer mit Kopfschmuck bei einem Fest in Papua Die Mahuze wehren sich gegen Plantagen (© Richard Mahuze)

Für die Mahuze in Indonesien ist der Wald Quelle ihres Lebens und ihres Glaubens. Sie verteidigen ihren Wald gegen Plantagenkonzerne. Bitte unterschreibt ihre Forderung: Keine Mega-Plantagen-Projekte. Den Wald und die Rechte der Menschen schützen.

Appell

An: den Präsidenten der Republik Indonesien

„Keine Mega-Agrar-Projekte in Merauke und Papua. Den Wald und die Rechte der Menschen schützen.“

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In Merauke in der Provinz Papua sollen in den nächsten drei Jahren auf 1,2 Millionen Hektar Land Reisplantagen wachsen, bewirtschaftet mit modernster Technik der Agrarindustrie. „Merauke muss zur Reiskammer werden. Nicht nur für Indonesien, sondern für die ganze Welt“, sagte Präsident Widodo und schwärmte: „Hier haben wir Millionen von Hektar zur Verfügung!“ Mittelfristig, so der Präsident, seien sogar 4,6 Millionen Hektar Reisplantagen denkbar.

Was er nicht sagte: Damit würde ganz Merauke in Reisfeldern versinken. Das wäre das Aus für dieses einzigartige Ökosystem aus Regen- und Trockenwäldern, Sumpfgebieten, Savannen und Mangroven. Und das Ende der traditionellen Kultur und Lebensweise der rund 70.000 indigenen Malind, die weit verstreut die Wälder bewohnen, Sagopalmen anbauen und kleine Felder bestellen.

„Wir leben vom Wald und vom Sago und nicht vom Reis“, sagt ein Dorfältester. „Unser Land abgeben, heißt Selbstmord begehen. Ohne Land sollten wir keine Kinder und Enkel haben, denn sie können nirgendwo leben.“

Die Familien der Malind sind aus gutem Grund durch die neuen Pläne alarmiert: In Merauke entsteht schon seit 2010 das Mega-Agrar-Projekt MIFEE, Merauke Integrated Food and Energy Estate. Mehr als eine Million Hektar – ein Viertel des Distrikts – gelangte innerhalb von nur vier bis fünf Jahren in die Hand von Agrar-Konzernen, die dort Ölpalmen, Zuckerrohr und Eukalyptus pflanzen.

Präsident Joko Widodo hat vor der Wahl versprochen, die Wälder zu schützen und die Indigenenrechte zu achten. Bitten Sie ihn, sein Versprechen zu halten und Papuas einzigartige Naturlandschaften zu bewahren.

Hinter­gründe

FILM: The Mahuzes

Die Mahuze: Leben und Widerstand gegen Palmöl (Langfassung)

Die Mahuze: Trailer

Die Mahuze, ein Clan im Südosten Papuas, wehren sich gegen Landraub und Vernichtung ihrer Wälder durch die Agroindustrie. Bis vor wenigen Jahren gab es im Distrikt Merauke kaum Plantagen, doch heute schlagen dutzende Konzerne den Wald kahl und legen industrielle Plantagen mit Ölpalmen, Reis und Zuckerrohr an.

Für die Mahuze bringt diese Entwicklung gravierende Umwälzungen. Ihre Lebensweise, basierend auf Sago, Jagd und Sammeln der Waldfrüchte, nähert sich dem Ende. Wie gehen die Mahuze mit dem Ansturm auf ihren Wald um? Was bedeutet dies alles für den Wald Papuas?

Der Film des indonesischen Teams Ekspedisi Biru geht diesen Fragen nach. Großartige Aufnahmen zeigen die faszinierende Natur, die Zerstörung, die Konflikte aufgrund des massiven Palmölkonsums und den Alltag der Mahuze.

Warum, so fragt Ekspedisi Biru, forciert die indonesische Regierung das wahnwitzige MIFEE-Projekte (Merauke Integrated Food and Energy Estate), obwohl die Gefahren für Regenwald, Klima und indigene Bevölkerung längst allen bewusst sind? Merauke soll die Reiskammer Indonesiens werden und der Welt Palmöl für Biosprit liefern. Diese Vorstellung erinnert schmerzhaft an koloniale Praktiken, als Java und Sumatra Zucker, Kaffee und Kautschuk für den Weltmarkt produzieren mussten, während die Bevölkerung an Hunger starb.

Papua und Merauke

Neuguinea ist die zweitgrößte Insel der Welt. Der Osten gehört dem unabhängigen Staat Papua-Neuguinea, der westliche Teil steht seit 1962 unter indonesischer Kontrolle. Dieser indonesische Teil besteht aus den zwei Provinzen West-Papua und Papua.

Der Distrikt Merauke im Südosten Papuas ist mit 4,5 Mio Hektar der größte Distrikt des Staates Indonesien. Die Bevölkerungszahl beträgt etwa 300.000 Menschen, was einer Bevölkerungsdichte von 0,7 auf 1 km2 entspricht. Die Angaben, wie viele indigene Papua dort leben, variieren von 50.000 bis 80.000, d.h. auf einen indigenen Papua kommen ca. vier Nicht-Papua. Das Verhältnis von Einheimischen zu Zugezogenen ist daher entsprechend ungünstig.

In Merauke leben mehrere Unterethnien der Malind, meist von Sago aus dem Mark der Sagopalme, ihren Gärten, den Früchten der Wälder und von der Jagd.

Die größten Probleme sind, ähnlich anderen Distrikten Papuas, eine fast völlig fehlende Infrastruktur, mangelhaftes Schulwesen und ein nur sporadischer Gesundheitsdienst.

Alle Wirtschafts- und Dienstleistungsbereiche werden von Zugezogenen dominiert. Merauke war Zielgebiet des Transmigrationsprogrammes; insbesondere sind dicht an der Grenze zu Papua-Neuguinea Dörfer für Umsiedler von Java und anderen Inseln gebaut worden. Dazu kommt eine starke Militärpräsenz. Die wirtschaftliche Ausbeutung und die Dominanz des Militärs drängen die indigenen Papua an den Rand.

Palmöl in Papua

Palmöl spielte bis vor wenigen Jahren keine Rolle in Papua. Es gab zwar einige kleinere Plantagen, doch die Produktivität und damit die wirtschaftliche Bedeutung waren gering. Erst mit der Erneuerbaren-Energie-Politik der Industriestaaten ist Papua ins Visier der Agro-Industrie geraten.

Auf den Palmölboom reagierend, sprach Jakarta 2006 davon, in Indonesien bis 2025 zwanzig Millionen Hektar neue Ölpalmplantagen erschließen zu wollen. Die Hälfte davon entsteht in Kalimantan/Borneo (10 Millionen Hektar), sieben Millionen Hektar in den beiden zu Indonesien gehörenden Papua-Provinzen. Laut Landwirtschaftsministerium sind und werden in gleicher Dimension Jatrophaplantagen (Brechnuss) für die Produktion von Agrokraftstoffen sowie Tapioka-, Sagopalmen- und Zuckerrohrplantagen für die Produktion von Agroalkohol angelegt, u.a. in Papua.

Besonderes Augenmerk haben Agrar-Konzerne auf das weite Fluss-Schwemmland Meraukes. „Der EU-Markt bestimmt, und hier werden die Plantagen angelegt“, sagte der ehemalige Distriktchef von Merauke, John Gluba Gebze. Seit Anfang 2007 explodiert hier der Palmölboom. Der Distrikt vergab großzügig Genehmigungen in Meraukes Wäldern.

Der Plan, Merauke zum Agrarschwerpunkt zu machen nahm 2009 mit dem Merauke Integrated Food and Energy Estate (MIFEE) Gestalt an. Damit beginnt der Ansturm auf die Wälder.

MIFEE – Merauke Integrated Food and Energy Estate

2010 wurde MIFEE offiziell eröffnet, ein Mega-Agrar-Projekt, das Palmöl für den Energiesektor und Reis für den Lebensmittelsektor produzieren soll. MIFEE ist das wichtigste und größte Wirtschaftsprojekt Indonesiens. Dutzende von indonesischen und asiatischen Konzernen sind beteiligt. Die Landnahme geschieht im Allgemeinen unter militärischem Schutz oder mittels Betrug und anderer unsauberer Methoden. Widerstand wird hart begegnet. Mehr als ein Viertel des Distrikts ist bereits in der Hand von Konzernen.

MIFEE bedroht nicht nur den Wald und die anderen Ökosysteme, es bedroht massiv die Existenz der Indigenen. Sie haben keine Chance gegen Landraub, sie werden marginalisiert und diskriminiert. Es gibt Widerstand gegen die Landnahme, gegen die kriminellen Methoden der großen asiatischen Konzerne, es gibt Proteste gegen den Kahlschlag der wunderbaren Wälder, doch bisher wurde der Widerstand meist niedergeschlagen, oft durch das überall präsente Militär.

Die Frage beunruhigt, warum der indonesische Präsident seine Wahlversprechen zum Schutz der Wälder und zur Stärkung der Indigenenrechte so dramatisch bricht.

Widodos Nahrungsprogramm oder Merauke als Reiskammer

Die indonesische Regierung will in Merauke innerhalb von nur drei Jahren 1,2 Mio Hektar industrielle Reisplantagen errichten. Sie setzt dabei auf mechanisierte Agroindustrie, nicht auf die Förderung von Kleinbauern.

Die Investitionen sollen sowohl vom Staatshaushalt als auch von der Privatwirtschaft kommen. Durchführen wird das Projekt das Staatsunternehmen Pupuk Indonesia Holding mit einer eigens neu geschaffenen Firma PT Pangan. PT Pangan bekommt 750.000 Hektar, das Landwirtschaftsministerium soll 250.000 Hektar bearbeiten, und die restlichen 200.000 Hektar sollen Privatunternehmen bekommen.

Das Megareisprojekt gehört zum MIFEE Programm (2010-2030). Im Rahmen von MIFEE, auf dem Papier ein Großprojekt für Nahrung und Energie, sind bisher hauptsächlich Energie liefernde Pflanzen (Ölpalmen und Zuckerrohr) angebaut worden.

Das Nahrungsprogramm hat politisch hohe Priorität. Der meiste Reis wird heute auf Java und Bali angebaut, auf fruchtbaren vulkanischen Böden. Dort lebt die Mehrzahl der Bevölkerung. Doch Übernutzung, Landnutzungsänderungen, Degradierung der Böden und Bevölkerungswachstum führen dazu, dass Indonesien das Grundnahrungsmittel Reis importieren muss.

In Merauke will man 30% der nationalen Reisproduktion (2014: 70 Mio Tonnen) erreichen. Durch die Mechanisierung soll die Produktivität verdoppeln werdem, von 4 Tonnen pro Hektar auf 8 Tonnen, insgesamt 24 Mio Tonnen pro Jahr.

Mittelfristig sollen die Plantagen auf 4,6 Mio Hektar ausgedehnt werden – das ist ein Fläche größer als der gesamte Distrikt. Aktuell sind inzwischen im Rahmen des MIFEE-Projektes 266.274 ha Ölpalmplantagen und 579.563 ha Zuckerrohrplantagen für den Energiesektor (Agrokraftstoffe) und 593.942 ha Holzplantagen für die Papierindustrie errichtet worden. Auf 69.883 ha landwirtschaftlichen Flächen werden Reis, Süßkartoffeln, Erdnüsse u.a. angebaut. Der Rest, fast 3 Mio ha, ist nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen vor Ort noch Wald.

Die Frage ist, wo die Mega-Reisplantagen von zunächst 1,2 Millionen Hektar entstehen sollen. Da die existierenden Ölpalm- und Zuckerrohrplantagen wohl kaum umgewandelt werden, ist der Wald Meraukes in höchster Gefahr. Und damit auch die Existenzgrundlage der indigenen Malind. Ihre Kultur als Sammler und Jäger steht vor dem Ende.

MIFEE und das Merauke-Reisprojekt stehen in krassem Widerspruch zur Aussage Joko Widodos, etwas gegen Waldzerstörung, Walddegradierung und Menschenrechtsverletzungen zu tun.

Ökologie von Merauke

Der Distrikt ist geprägt von unterschiedlichen Ökosystemen: Typischer Regenwald ist im Norden Meraukes zu finden, Feucht- und Sumpfgebiete, Küstenökosysteme mit Mangroven im Süden, Savannen sowie Trockenwälder im Osten.

Im Südosten Meraukes nimmt der Nationalpark Wasur (mit einer Größe von 413.810 Hektar) etwa ein Zehntel der Gesamtfläche des Distrikts ein. Er hat große Bedeutung als Vogel-Migrationsgebiet. Bekannt ist der Nationalpark durch die riesigen Termiten-Hügel. Ein weiteres Schutzgebiet liegt auf der Insel Kimaam.

Merauke ist ökologisch nicht mehr intakt. Ausgedehnte Konzessionen sind seit Jahren an Holz- und Zellstoffunternehmen vergeben. Wegen intensiven illegalen Holzeinschlags ist das wertvolle Agarwood (Gaharu) fast nicht mehr vorhanden. Illegaler Abbau von Sand verändert die Küsten. Einheimische berichten, dass die illegale Jagd dazu führt, dass Hirsche nur noch selten zu beobachten sind. An allen illegalen Aktivitäten scheint das Militär beteiligt zu sein.

Leider werden Savannen und Trockengebiete häufig als „ökologisch degradierte“ Flächen betrachtet. Andererseits verführen die Feuchtgebiete zu der Annahme, Merauke verfüge über genügend Wasser. Das Gegenteil ist der Fall; Merauke ist wegen beschränkter Süßwasserquellen und der langen Trockenzeiten vollständig von Fluss- und Regenwasser abhängig. Wegen des hohen Wasserbedarfs der Ölpalmen und des Nassreisanbaus wäre die schon jetzt kritische Trinkwasserversorgung gefährdet.

An­schreiben

An: den Präsidenten der Republik Indonesien

Herr Präsident,

Sie haben versprochen, die Wälder zu schützen und die Indigenenrechte zu achten. Doch die Megaprojekte MIFEE und die agroindustrielle Merauke-Reiskammer gefährden die noch intakten Wälder Papuas und die indigenen Malind.

Seit 2010 wurden für das MIFEE-Projekt bereits mehr als eine Million Hektar mit Ölpalmen, Zuckerrohr und Eukalyptus bepflanzt. Der Wald verschwindet, und mit dem Wald verlieren die Indigenen ihr Land. Sie werden an den Rand gedrängt und diskriminiert, und ihre pure Existenz ist bedroht.

Jetzt planen Sie, innerhalb der nächsten drei Jahre auf weiteren 1,2 Millionen Hektar riesige Industrieplantagen zu errichten. Doch davon profitieren nur wenige Konzerne, nicht aber kleinbäuerliche Landwirtschaft und indigene Kulturen. Opfern Sie nicht die bedeutenden Wälder Papuas und die vielfältigen Ökosysteme Meraukes. Halten Sie sich an Ihr Wort und schützen Sie die indigenen Malind im Süden Papuas.

Herr Präsident, lassen Sie die Nahrungssouveränität nicht in die Hände von Großkonzernen fallen. Fördern Sie Kleinbauern, setzen Sie sich für die Rechte der Menschen ein, insbesondere der Indigenen. Bewahren Sie Papuas artenreiche Natur.

Mit freundlichen Grüßen

News und Updates

News | 11.10.2016

Merauke-Petition übergeben

Eine breite Rodungsfläche grenzt an den Regenwald

Die 170.000 Unterschriften gegen Megaplantagen in Merauke und zur Rettung der Wälder Papuas haben den indonesischen Präsidenten erreicht. Franky Samperante von unserer Partnerorganisation PUSAKA und Pastor Felix übergaben die Petition Ende September 2016 im Mitarbeiterbüro Joko Widodos.

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News | 11.08.2016

Film über den Widerstand der Mahuze

Die Mahuze, ein Clan im Südosten Papuas, wehren sich gegen Landraub und Vernichtung ihrer Wälder durch die Agroindustrie. Bis 2005 gab es im Distrikt Merauke kaum Plantagen, zehn Jahre später schlagen dutzende Konzerne den Wald kahl und legen industrielle Plantagen mit Ölpalmen, Reis und Zuckerrohr an.

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News | 14.10.2015

Indigene und Aktivisten vereinen sich

In Merauke formiert sich der Widerstand gegen die Vernichtung von 1,2 Millionen Hektar Wald und gegen Landraub. Aktivisten und Indigene schließen sich dort zu einer Koalition zusammen.

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