Europäische Wissenschaftsakademie warnt vor industrialisierter Bioenergie

Drax Power Station Das Biomassekraftwerk von Drax Energy in Großbritannien verbrennt 13,6 Mio. Tonnen Holzpellets por Jahr (© Harkey Lodger - CC BY-SA 3.0)

12.09.2019

Die Europäische Wissenschaftsakademie fordert die Europäischen Union (EU) zum Handeln auf: Wälder zur Erzeugung von Bioenergie abzuholzen, schadet den Wäldern und dem Klima. Die über die Erneuerbare Energien Richtlinie geförderte massenhafte Holzverbrennung in Kraftwerken ist nicht kohlenstoffneutral, sie forciert die Klimaerwärmung.

Wälder zu roden und das Holz der Bäume zu Pellets zu verarbeiten, um diese in großen Kohlekraftwerken zur Stromerzeugung zu verfeuern, schadet sowohl den Wälder als auch dem Klima, warnt der europäische Zusammenschluss nationaler Wissenschaftsakademien „European Academies Science Advisory Council (EASAC).

Im Bereich der Bioenergie bestünden zwischen der Wissenschaft und der EU-Klimaschutzpolitik gravierende Diskrepanzen. Die Akademie kritisiert die EU und ihre Mitgliedsländer, weil sie mit ihrer Bioenergiepolitik den industrialisierten Holzeinschlag in Wäldern fördert, um Millionen Tonnen Holzpellets zu erzeugen, die zudem über Tausende von Kilometern transportiert werden.

Trotz zahlloser wissenschaftlicher Warnungen fördert auch die vergangenes Jahr reformierte Erneuerbare Energien Richtlinie der Europäischen Union (EU) die Biomasse-Verbrennung weiterhin als „erneuerbare Energie“ und stuft dies sogar als „Kohlenstoff-neutral“ und „Emissions-frei“ ein, so die Wissenschaftler in der zugrundeliegenden Studie.

Das Konzept der "Klimaneutralität" sei jedoch eine grobe Falschdarstellung der CO2-Bilanz der Atmosphäre“, so die Wissenschaftler. Es ignoriere, dass die Photosyntheseprozesse sehr langsam über mehrere Jahrzehnte bis Jahrhunderte ablaufen, bis die abgeholzten Bäume durch neue nachgewachsene Baume ersetzt werden.

Wenn die Bioenergie verbrannt wird, wird auf einen Schlag der darin enthaltene Kohlenstoff freigesetzt. Kohle in Kraftwerken durch Holzpellets zu ersetzen, führt so zu einer Zunahme der CO2-Emissionen pro erzeugter Kilowattstunde (KWh) Elektrizität und damit zu einer Verschärfung des Klimawandels.

Holzpellets haben mit 9,6–12,2 GJ pro Kubikmeter einen niedrigeren Energiegehalt als Kohle mit 18,4–23,8 GJ/m3. Hinzukommt der hohe Energieaufwand für den Holzeinschlag, den Transport sowie die Trocknung des Holzes und dessen Verarbeitung zu Pellets. Es entstünde eine große zeitliche Lücke, bis der freigesetzte Kohlenstoff wieder von nachwachsenden Bäumen gebunden wird.

In den vergangenen Jahren hat die Produktion von Holzpellets aus forstlicher Biomasse stetig zugenommen und könnte nach Schätzungen der Industrie dieses Jahr weltweit 24 Millionen Tonnen erreichen, wofür etwa 50 Million Kubikmeter Holz notwendig seien. Der größte Teil diese Industriepellets ginge in Kraftwerke zur Stromerzeugung.

Fast 440 Millionen Kubikmeter (m3) Holz und Holzreste als Brennmaterial machen den Großteil der erneuerbaren Energie in der EU aus.

Anteil der Bioenergie bei den erneuerbaren Energien in der EU (2016)

Anteil der Bioenergie bei den erneuerbaren Energien in der EU im Jahr 2016

Der European Academies Science Advisory Council (EASAC) ist ein seit 2001 bestehender Zusammenschluss nationaler Wissenschaftsakademienvon Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie von Norwegen und der Schweiz. Die Ziele der Organisation liegen in der unabhängigen wissenschaftlichen Politikberatung in den Bereichen Energie, Umwelt und Biowissenschaften. Das Sekretariat des EASAC ist bei der deutschen nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle angesiedelt.

- Pressemitteilung vom 11. Sept. 2019: EASAC's Environmental Experts call for international action to restrict climate-damaging forest bioenergy schemeshttps://easac.eu/press-releases/details/easac-s-environmental-experts-call-for-international-action-to-restrict-climate-damaging-forest-bioe/

- Studie vom 22. Aug. 2019: Serious mismatches continue between science and policy in forest bioenergyhttps://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/gcbb.12643