Ohne Regenwaldschutz ist die nächste Pandemie programmiert

Rodung für eine geplante Straßen durch den Regenwald in Nigeria Straßen in zuvor schwer zugängliche Wälder sind häufig Beginn großflächiger Zerstörung (© Rettet den Regenwald / Mathias Rittgerott)

14.04.2020

Die Covid-19-Pandemie wurde vom Menschen verursacht. Weil wir die Natur plündern und Wälder abholzen, können sich tödliche Krankheitserreger einfacher und schneller ausbreiten. Experten warnen, die nächste Pandemie könnte Millionen Todesopfer fordern. Um das abzuwenden, müssen wir die Natur konsequent bewahren und den Artenschwund stoppen.

Es besteht kaum ein Zweifel, woher COVID-19 stammt. Der Wildtiermarkt „Huanan Seafood Market“ in Wuhan, wo Tiere wie Zibetkatzen und Pangoline gehandelt wurden, war Ursprungsort der Viruserkrankung. Nirgends können Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten, die in Wildtieren zirkulieren, Menschen einfacher infizieren als auf solchen Märkten. Umweltschützer und Mediziner fordern daher die Schließung von Wildtiermärkten weltweit, die Bekämpfung des Bushmeat-Konsums und des illegalen Wildtierhandels.

Zahlreiche für Menschen tödliche Krankheiten wie Sars, Mers, Aids und Ebola stammen ursprünglich von Tieren. Das trifft auf 60 Prozent alle Infektionskrankheiten zu, 70 Prozent dieser so genannten Zoonosen stammen von Wildtieren.

Wissenschaftler warnen, dass zukünftige Pandemien Millionen Todesopfer fordern könnten. So könnten während einer Pandemie mit einem Coronavirus allein in Deutschland innerhalb von drei Jahren 7,5 Millionen Menschen sterben, schreiben Experten in einer „Risikoanalyse“ für die Bundesregierung. Das Szenario erinnert an die derzeitige Krise, allerdings wird darin angenommen, dass zehn Prozent der Patienten sterben. Derzeit liegt die Sterblichkeit in Deutschland bei 2,5 Prozent (Stand 14.4.). Außerdem wurden jetzt weitreichendere Gegenmaßnahme ergriffen als in der Risikoanalyse.

Der Ausbruch von Infektionskrankheiten kann komplexe Ursachen über Wildtiermärkte hinaus haben: Die Zerstörung der Natur. Weil Menschen Wälder roden, das Klima ruinieren und ein einzigartiges Artensterben verursachen, können sich Erreger stärker ausbreiten als jemals zuvor und verheerende Seuchen auslösen.

In intakten Ökosystemen verhindert die Vielzahl von Tierarten die Ausbreitung von Viren. Gibt es weniger Spezies, steigt die Gefahr, dass sich Erreger ausbreiten. Gelingt es ihnen, Menschen zu befallen, kann das die Geburtsstunde der nächsten Epidemie oder gar Pandemie sein.

Das Vordringen der Menschen in abgelegene Wälder führt auch dazu, dass Spezies zusammengedrängt werden, die sich in heiler Natur niemals begegnen würden. Manche Arten profitieren davon, wenn etwa ihre natürlichen Feinde verschwinden.

Eine wichtige Rolle spielt zudem, dass sich die Lebensräume von Menschen und Wildtieren zunehmend überschneiden. Verlieren Fledermäuse ihren Lebensraum in den Wäldern, finden sie womöglich in Obstgärten der Dörfer neue Nischen. Lassen sie angefressene Früchte oder Exkremente fallen, können sich Haustiere oder Menschen infizieren. Erst recht, wenn die Tiere gejagt und gegessen werden.

Um das Risiko zukünftiger Pandemien zu reduzieren, müssen wir die Natur konsequent bewahren und den Artenschwund stoppen. Viele Politiker etwa in Europa und den USA haben das erkannt. Nun müssen Taten folgen. Die Gefahr besteht, dass Konzerne etwa der Automobil- oder Erdöl-Industrie die Pandemie ausnutzen, um Umweltauflagen zu verhindern und Subventionen einzustreichen.