Immer mehr Morde an Umweltschützern: Global Witness

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31.07.2020

212 Menschen, die die Umwelt und Landrechte verteidigen, sind im Jahre 2019 ermordet worden, so viele wie nie zuvor. Bergbau und Agrarindustrie sind die gefährlichsten Bereiche, berichtet die Organisation Global Witness.

Menschen, die sich gegen Landraub und Umweltzerstörung wehren, leben gefährlich: Mindestens 212 von ihnen wurden im Jahr 2019 ermordet, so viele wie nie zuvor, teilt die Organisation Global Witness in einer Presseerklärung vom 29. Juli 2020 mit.

Der Jahresbericht von Global Witness Defending Tomorrow: The climate crisis and threats against climate and environmental defenders beleuchtet die wichtige Rolle, die Umweltaktivisten beim Klimaschutz spielen, wenn sie sich gegen Industrien wehren, die besonders viel Kohlenstoff ausstoßen und die Umwelt zerstören.

Gerade angesichts der Einschränkungen und Überwachungen während der COVID-19 Pandemie ist der Schutz der Aktivisten wichtiger denn je. Seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens 2015 werden durchschnittlich vier Umweltschützer pro Woche ermordet. Zahllose weitere werden mit Drohungen, Verhaftungen, Gerichtsverfahren, Gefängnisstrafen oder sogar dem Tode zum Schweigen gebracht.

Die gefährlichsten Länder sind Kolumbien (64 Morde) und die Philippinen (43 Morde im Jahre 2019, nach 30 Morden im Jahre 2018). In der Amazonasregion gab es 33 Morde im Jahr 2019, davon 90% in Brasilien. Die tatsächliche Zahl der Ermordeten ist wahrscheinlich höher, da der Zusammenhang mit dem Umweltschutz und Landrechten oft nicht untersucht und dokumentiert wird.

Ein Beispiel ist der Mord an Datu Kaylo Bontolan, der sich in den Philippinen gegen illegalen Bergbau wehrte. Datu Kaylo Bontolan ist einer von vielen Indigenen, die sich für ihr Selbstbestimmungsrecht und den Schutz ihres angestammten Landes vor der Ausbeutung der Naturressourcen einsetzen.

Global betrachtet ist der Widerstand gegen Bergbau am gefährlichsten. Allein 50 Umweltverteidiger starben, weil sie sich gegen Minenprojekte wehrten. In Asien dagegen stehen 80% der Angriffe in Zusammenhang mit dem Widerstand gegen Agrarprojekte.

Auch in Rumänien nahmen Bedrohungen und Angriffe zu. Liviu Pop starb, als er versuchte, einen der letzten noch bestehenden europäischen Urwälder zu schützen. Die Wälder sind für den Schutz des Klimas von enormer Bedeutung. In Rumänien und anderen Ländern holzen organisierte kriminelle Banden die Urwälder ab.

Der Bericht betrachtet auch die spezifischen Bedrohungen, denen Frauen ausgesetzt sind. 10% der Ermordeten sind weiblich, viele andere sind Einschüchterungen und sexualisierter Gewalt ausgesetzt. So wehrt sich zum Beispiel Angelica Ortiz, eine Wayuu-Frau aus La Guajira in Kolumbien, gegen Cerrejón, die größte Kohlemine in Lateinamerika. Es geht ihr um die Wasserrechte für die indigenen Gemeinschaften, die in einer der ärmsten Regionen von Kolumbien leben.

Agrarindustrie, Bergbau und Öl- und Gasförderung stoßen die meisten klimaschädlichen Emissionen aus, und sie sind wesentlich verantwortlich für den Verlust unserer Wälder. Sie beuten die Naturressourcen aus, korrumpieren Politik und Wirtschaft und attackieren die Menschen, die sich dagegen wehren.

Die meisten Menschenrechtsverletzungen und schlimmsten Umweltverbrechen geschehen in Zusammenhang mit diesen Industrien, so Global Witness. Wenn wir eine echte Erholung unseres Planeten wollen, auf dem die Menschen sicher und gesund leben, müssen wir die Wurzeln der Angriffe gegen Umweltverteidiger anpacken und von ihnen lernen, wie sie die Umwelt schützen und den Klimakollaps verhindern, sagt Rachel Cox, Campaignerin von Global Witness.

Indigene Gemeinschaften werden immer wieder für ihren Einsatz für ihre Rechte und ihr Land attackiert. Und das, obwohl Forschungen zeigen, dass diese Gemeinschaften ihre Wälder bewahren, die 33 mal mehr Kohlenstoff speichern als wir weltweit an Treibhausgasemissionen ausstoßen.

Indigene Gemeinschaften haben auch Erfolge zu verzeichnen. Sie gewinnen Prozesse, erhalten ihre Landrechte zurück und verhindern Umweltzerstörung.

Der Bericht von Global Witness über die Rolle von Umweltschützern und Indigenen, die ihre Landrechte gegen zerstörerische Industrien verteidigen sowie die Bedrohungen und Morde an ihnen findet sich hier: Defending Tomorrow: The climate crisis and threats against climate and environmental defenders

Die Presseerklärung zu den weltweit ermordeten 212 Umwelt- und Landverteidigern lesen Sie hier: Global Witness Presseerklärung vom 29. Juli 2020.