Toxisches Gold: Quecksilber verseucht den Regenwald

Drei Frauen sitzen mit einem Baby vor einem Holzhaus an einem Fluss im Regenwald

Am Caqueta-Fluss in Kolumbien dröhnen Bulldozer und Saugpumpen. Tausende illegale Arbeiter schürfen in den Flusssedimenten nach Gold – und verseuchen die Regenwaldgebiete mit Quecksilber. Das Schwermetall vergiftet Pflanzen, Tiere und die dort lebenden Indigenen – ihnen droht ein schleichender, qualvoller Tod.

Appell

An: Iván Duque Márquez, Präsident der Republik Kolumbien; Ricardo José Lozano Picón, Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung.

„Goldabbau im Regenwald unterbinden - mit Quecksilber verseuchte Flüsse reinigen“

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Der Abbau von Gold in den südamerikanischen Regenwäldern führt nicht nur zur Abholzung der sensiblen Ökosysteme, sondern auch zu deren Vergiftung. Goldschürfer trennen mit Quecksilber die aus den Flüssen gewaschenen Goldpartikel ab.

Das toxische Schwermetall verseucht dabei das Wasser und die Böden, die aufsteigenden Dämpfe auch die Luft. So leidet Kolumbien unter der dritthöchsten Quecksilberbelastung der Welt.

Pflanzen und Tiere nehmen es auf, und so gelangt es in die Nahrungskette. Fische, die wichtigste Eiweissquelle der Einwohner, sind hochgradig mit Quecksilber belastet.

Unser Körper nimmt Quecksilberverbindungen durch Einatmen über die Lungen, über die Haut und mit der Nahrung auf. Das Schwermetall reichert sich in Organen wie den Nieren an und schädigt das Nervensystem schwer. Kinder und ungeborene Kinder im Mutterleib reagieren besonders empfindlich auf Quecksilber und tragen leicht irreparable Gesundheitsschäden davon.

Besonders betroffen vom Goldabbau und seinen Folgen sind die Ureinwohner in den Regenwaldgebieten.

Die indigenen Völker wie die Murui und die Muinane, die entlang des Caquetá-Flusses in Kolumbien leben, stehen am Rande des physischen und kulturellen Aussterbens, so das kolumbianische Verfassungsgericht und die nationale Indigenenorganisation ONIC.

Bitte fordern Sie die kolumbianische Regierung auf, den Goldabbau in den Flüssen zu unterbinden und die betroffenen Flüsse mit den verfügbaren Technologien zur Entfernung von Quecksilber zu dekontaminieren.

Hinter­gründe

Weitere Informationen und Quellen:

https://igapo-project.jimdofree.com

https://www.facebook.com/IgapoProject

https://twitter.com/IgapoProject

https://www.instagram.com/igapoproject

Efectos de la minería en Colombia sobre la salud humana, Jesús Olivero Verbel:http://concienciaciudadana.org/efectos-de-la-mineria-en-colombia-sobre-la-salud-humana

El mercurio contamina silenciosamente al río Caquetá, Esteban Cabuya Parra:https://semanarural.com/web/articulo/rio-caqueta-y-la-contaminacion-con-mercurio-mineria-amazonia/625

Minería: Impactos sociales en la Amazonia:https://www.sinchi.org.co/mineria-impactos-sociales-en-la-amazonia

Mercury in the Global Environment: Patterns of Global Seafood Mercury Concentrations and their Relationship with Human Health Biodiversity Research Institute:http://www.briloon.org/uploads/Library/item/262/file/Mercury%20in%20the%20Global%20Environment.pdf

Tratamiento de bajo coste para aguas contaminadas por actividades de minería, investigación y propuesta de la Universidad Politécnica de Madrid:http://oa.upm.es/44286/1/INVE_MEM_2014_238768.pdf

Muerte lenta: el pueblo uitoto acorralado por el mercurio, José Guarnizo Álvarez:http://especiales.semana.com/mercurio-contaminacion/index.html

An­schreiben

An: Iván Duque Márquez, Präsident der Republik Kolumbien; Ricardo José Lozano Picón, Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Umweltminister,

wir sind zutiefst besorgt über den Grad der Quecksilberbelastung des Flusses Caquetá und über die Folgen dieser Verseuchung für mehrere indigene Völker, die an seinen Ufern leben und sich hauptsächlich von dem ernähren, was sie fischen. Einige von ihnen wurden bereits 2009 vom kolumbianischen Verfassungsgericht als von der physischen oder kulturellen Auslöschung bedroht eingestuft.

Heute leiden viele Murui-, Muinane- und Andoke-Gemeinschaften an verschiedenen akuten Krankheiten, die in vielen Fällen unheilbar und manchmal sogar tödlich sind. In diesen Gruppen gibt es einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz von Kindern, die mit schweren Missbildungen und geistigen Behinderungen zur Welt kommen.

Darüber hinaus entwickeln viele ältere Menschen bisher unbekannte Erkrankungen des Nervensystems, der Verdauungsorgane und der Haut. Der vorzeitige Tod älterer Menschen ist nicht nur eine Tragödie für ihre Familien, sondern auch für ihre Kultur, deren Garanten sie sind.

Kolumbien iverfügt über die weltweit dritthöchste Quecksilberbelastung. Untersuchungen der Universidad de los Andes, der Universidad de la Amazonía und der Omacha-Stiftung zeigen, dass die Fische im Fluss Caquetá einen Quecksilbergehalt enthalten, der bis zu 4,5-mal höher ist als die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, so dass sie nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind.

Diese Gemeinschaften leben in Gebieten, die weit von den Gesundheitsdiensten entfernt sind. Sie sind daher noch anfälliger für die Krankheiten, unter denen sie leiden.

Wir fordern Sie auf, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die im kolumbianischen Territorium lebenden Ureinwohner zu schützen und die Kontamination ihrer Umwelt zu stoppen.

Wir bitten Sie, die notwendigen personellen, materiellen und finanziellen Ressourcen einzusetzen, um die Goldminenaktivitäten zu bekämpfen, die täglich dazu führen, dass große Mengen Quecksilber in den Fluss und die Böden gelangen.

Wir bitten Sie, Maßnahmen zur Dekontamination des Flusses mit bestehenden Technologien durchzuführen, um die weltweit einzigartige Natur zu schützen.

Als Anrainerstaat des Amazonasbeckens liegt es in ihrer Verantwortung, zum Schutz dieses Ökosystems beizutragen, von dem nicht nur die Gesundheit seiner Bewohner, sondern die des gesamten Planeten abhängt.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Gold

Ausgangslage – Schmutziges Gold

Goldvorkommen gibt es fast überall auf der Erde. Besonders massiv ist der Abbau auf der der Insel Niolam im Nordosten Papua-Neuguineas, wo täglich ca. 75 Kilo Gold gefördert werden. Im Ländervergleich wird in China das meiste Gold abgebaut: 2016 waren es 455 Tonnen des Edelmetalls, was etwa 13 Prozent der weltweiten Goldproduktion entspricht.

Im Jahr 2016 wurde das kostbare Metall zu 47,4 Prozent zu Schmuck verarbeitet; 7,5 Prozent des jährlich geförderten Goldes wurden in der Elektronikindustrie für Handys oder Laptops verwendet. Den Rest halten Zentralbanken oder Privatanleger als Reserve und zu Spekulationszwecken. Die US-amerikanische Zentralbank besitzt mit 8133,5 Tonnen mit Abstand den größten Goldbestand. Die Deutsche Bundesbank kommt mit 3377,9 Tonnen an zweiter Stelle.

Gold kann als körnerartige Goldseifen (Nuggets), die mechanisch vom Bodensubstrat getrennt werden, vorkommen. Weitaus häufiger findet sich das Edelmetall jedoch in feinsten Spuren in der Gitterstruktur der Gesteinsminerale. Um den Goldstaub herauszulösen und zu binden, müssen die Schürfer zu Zyanid und Quecksilber greifen.

Im großindustriellen Goldabbau wird das äußerst umweltschädliche Zyanid-Lauge-Verfahren angewandt. Um eine Tonne Gold zu fördern, müssen durchschnittlich 150 Tonnen Zyanid eingesetzt werden. Bereits wenige Milliliter davon sind tödlich für den Menschen.

Das Quecksilber-Verfahren kommt häufig bei Kleinschürfern zur Anwendung. Die goldhaltigen Erze werden zunächst stundenlang im Wasser gesiebt, bis der Goldstaub im Bodensatz konzentriert ist. Dieser goldhaltige Gesteinsschlamm wird dann mit Quecksilber gemischt, das mit dem Gold eine flüssige Legierung (Amalgam) eingeht. Diese Legierung wird erhitzt, das toxische Schwermetall verdampft und übrig bleibt reines Gold. Schutzanzüge gegen das Nervengift oder Rückgewinnungsvorrichtungen für das verdampfende Quecksilber sucht man beim Goldabbau durch Kleinschürfer oft vergeblich. Lukrative Geschäfte mit dem Edelmetall machen vor allem Kapitalgeber, Transportunternehmen und Chemikalienhändler. Menschen und Natur leiden unter dem Goldabbau.

Auswirkungen –Toxische Wüsten statt artenreicher Regenwälder

Durch Zyanid und Quecksilber werden Böden und das Grundwasser auf ewig verseucht. Selbst wenn Goldminen stillgelegt werden, gibt zyanidbehandeltes Gestein viele Jahrzehnte später giftige Schwefelsäuren ab.

Der industrielle Goldabbau benötigt zudem Unmengen an Wasser. Durchschnittlich sind es 140.000 Liter Wasser pro Stunde,was dem Jahreswasserverbrauch eines Drei-Personen-Haushalts in Deutschland entspricht. Das kontaminierte Wasser wird in Auffangbecken, die mit Dichtungsfolie ausgelegt werden, gesammelt und anschließend teilweise wiederaufbereitet. Starke Regenfälle, die die Dämme zum Überlaufen oder Bersten bringen, oder kleinste Löcher in der Folie stellen große Umweltgefahren dar. Immer wieder ereignen sich solche Dammbrüche. Im Jahr 2000 in Rumänien verseuchten schwermetallhaltige Schlämme die Theiss, den größten Zufluss der Donau. Jegliches Leben in den Gewässern wurde ausgerottet. Die Giftbelastung war bis in die mehrere hundert Kilometer entfernte Donau nachzuvollziehen.

Im Regenwald kommt die Abholzung der Urwaldriesen für den Goldabbau hinzu. Bagger wühlen die Erde um und hinterlassen Mondlandschaften. Um nur 0,24 Gramm Gold zu erhalten, entstehen 1000 Kilo Sondermüll und Abraum. Ein einzelner Goldring produziert demnach 20 Tonnen lebensgefährlichen Giftmüll.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt, dass Kinderarbeit in der Goldgewinnung weit verbreitet ist. Kinder können in enge Schächte klettern und waschen mit bloßen Händen die goldhaltigen Erze in Quecksilberlaugen.

Die Lösung – Vier Goldene Regeln zum Schutz von Mensch und Natur

Wurde auch mein Goldschmuck unter diesen menschenunwürdigen und umweltverpestenden Bedingungen hergestellt? Den verschlungenen Goldpfad nachzuverfolgen, ist aufgrund der Vielzahl der Akteure äußerst schwierig. Die Goldraffinerien, die mehrheitlich in der Schweiz sitzen und zusammen 70 Prozent der Weltproduktion ausmachen, geben an, den Rohstoff von zertifizierten Händlern zu beziehen. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass viele Verkäufer Scheingeschäfte mit falschen Adressen führen (Filmtipp: „Dreckiges Gold - Die glänzenden Geschäfte mit dem edlen Metall“).

Auch wir tragen für die Auswirkungen Verantwortung: Was kann jeder einzelne also tun?

1. Konsum überdenken: Braucht man jedes Jahr ein neues Smartphone? Nutzen Sie Elektronikgeräte wie Handys und Laptops möglichst lange. Wenn die Funktionen versagen, können Sie das Gerät aussortieren – aber dann bitte in einer Recyclingstelle abgeben. Wussten Sie, dass laut einer UNO-Berechnung in nur 49 Handys soviel Gold enthalten ist wie in einer Tonne Golderz?

2. Schmuck umarbeiten: Goldschmuck, der aus der Mode gekommen ist oder einfach nicht mehr gefällt, lässt sich problemlos umarbeiten. Der Regenwald wird es danken.

4. Gold taugt nicht als Investition: Ist Gold wirklich ein sicherer Anker in Finanzkrisen? Experten raten davon ab. Und außerdem: Eine ethische und verantwortungsvolle Finanzanlage ist Gold nicht.

5. Wissen in die Welt transportieren: Machen Sie auf die umweltschädlichen Giftstoffe beim Tagebau, den Raubbau an der Natur und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam, indem Sie unseren kostenlosen Regenwald Report mit fundierten Artikeln zu Regenwaldthemen beim Friseur oder Arzt auslegen. Gerne senden wir Ihnen hierfür ausreichend Exemplare zu. Auch mit Ihrer Unterschrift zur Petition „Nationalpark erhalten – Goldmine stoppen“ setzten Sie ein Zeichen und unterstützen unsere Arbeit.

Diese Petition ist in folgenden Sprachen verfügbar:

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