Es eilt! Tesla will 154,5 Hektar Wald roden!

Tesla statt Wald Bis März will Tesla die ersten 91,5 Hektar Wald fällen (© RdR)
37.967 Teilnehmer

Ende der Aktion: 06.03.2020

Der Auto-Konzern Tesla will in Brandenburg für eine Fabrik so schnell wie möglich 154,5 Hektar Wald roden. Das Projekt reiht sich ein in Vorhaben, bei denen Natur und landwirtschaftliche Flächen für Siedlungen, Straße und Industrie planiert werden. Deutschlandweit sind das jeden Tag 58 Hektar. Dieser Flächenfrass muss ein Ende haben!

Appell

An: Management von Tesla und anderen Unternehmen

„Verzichten Sie auf die Zerstörung der Natur. Bauen Sie ausschließlich auf bereits existierenden Gewerbeflächen.“

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Tesla möchte so schnell wie möglich einen großen Teil des Waldgebietes roden – noch vor der Baugenehmigung. Der Konzern drückt in der Gemeinde Grünheide aufs Tempo, weil mit Beginn der Vegetationsperiode im März keine Bäume mehr gefällt werden dürfen.

Bis zum 5. März konnten Bürger Stellung nehmen, für den 18. März ist ein Erörterungstermin geplant – 2021 soll die Produktion beginnen.

Zunächst sollen 150.000 Elektroautos der Modelle 3 und Y vom Band der „Gigafactory“ rollen, nach vollem Ausbau der Fabrik schließlich 500.000. Im ersten Bauabschnitt investiert Tesla über eine Milliarde Euro, insgesamt sollen es vier Milliarden sein.

Doch so schnell wie es sich Tesla-Chef Elon Musk und seine Manager vorstellen, dürfte es nicht gehen. Bürgerbeteiligung ist mehr als Formsache – und vor Ort regt sich Widerstand. Viele Einwohner sehen durch die Fabrik die Wasserversorgung in Gefahr, machen sich Sorgen wegen Emissionen und kritisieren den zusätzlichen Verkehr (463 Lkw pro Tag und 2.828 Autos der Beschäftigten je Schicht).

Im Zentrum steht jedoch der Wald. Die 300 Hektar große Fläche liegt inmitten des Landschaftsschutzgebietes Müggelspree-Löcknitzer Wald- und Seengebiet und beherbergt womöglich Fledermäuse, Zauneidechsen und Wölfe. Obwohl das bisher nicht detailliert untersucht wurde, steht die Genehmigung unmittelbar bevor.

Statt den gepflanzten Kiefernforst für die Fabrik zu roden, sollte er ökologisch aufgewertet werden. Für die von Tesla versprochene Aufforstung gibt es in Brandenburg keine zusammenhängenden Gebiete.

Das Projekt reiht sich ein in zahlreiche Vorhaben, bei denen die Natur und landwirtschaftliche Flächen planiert werden. Deutschlandweit sind das jeden Tag weitere 58 Hektar.

Diese Vernichtung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere muss aufhören!

Hinter­gründe

In unmittelbarer Nähe des Tesla-Standorts liegen die Flora-Fauna-Habitate (FFH) Müggelspreeniederung und Spree. Ebenso befindet sich das Naturschutzgebiet Löcknitztal nur einige hundert Meter entfernt. Die Alte Poststraße, die durch das anvisierte Gelände verläuft, stellt einen Biotopverbund der durch die BAB 10 getrennten Wälder dar und bietet eine Wildpassage.

Über die Hälfte des Areals liegt im Wasserschutzgebiet. Die Wasserschutzzone III A und III B sollen den Schutz des Grundwassers vor weitreichenden Beeinträchtigungen gewährleisten.

Weitere Projekte in Grünheide

Das Tesla-Projekt in Grünheide ist nicht das einige, für das Wald zerstört wird. Für die Gaspipeline EUGAL wurden über viele Kilometer Waldrandstreifen geopfert, das Windeignungsgebiet zwischen Kienbaum und Hangelsberg mit 18 geplanten Anlagen beansprucht rund 370 Hektar Wald.

Daimler-Werk in Hamburg

Der Autokonzern Daimler will sein Werk im Süden Hamburgs ausweiten und dafür ein Niedermoor zerstören. Dabei ist es ein wertvoller CO2-Speicher und bietet mit weiteren Biotopen vielen geschützten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Selbst das Bezirksamt von Hamburg-Harburg lobt das Gebiet in Nachbarschaft zum bestehenden Daimlerwerk in höchsten Tönen und spricht von „ausgesprochen hohen ökologischen Wertigkeiten“, von „sehr wertvollen und umfangreichen Vorkommen besonders und streng geschützter Tier- und Pflanzenarten“ und von „wertvollen Niedermoorböden“. Durch den Daimler-Bau würden diese „vollständig zerstört“, schreibt das Amt.

Trotzdem treibt die rot-grüne Bezirksversammlung die Pläne voran. Um die Vernichtung zu rechtfertigen, verweisen die Verantwortlichen auf 55 Hektar „Ausgleichsflächen“, die geschaffen würden. Etwa in den Naturschutzgebieten Moorgürtel und Neuländer Moorwiesen oder südlich des Neuländer Baggersees, wo man zu trockene Moorflächen vernässen könne. Fotovoltaik-Anlagen, Fassaden- und Dachbegrünung und Bahnanschluss würden den Industriebau zudem umweltfreundlich machen.

Das Grundstück gehört der städtischen Hamburg Invest Entwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG (HIE). Die wird das Grundstück dem Projektentwickler PGH - Planungsgesellschaft Holzbau mbH per Erbbaurecht verpachten. (Mit Holz als Baustoff hat die Gesellschaft freilich nichts zu tun.) Die Daimler AG wird das Logistikzentrum namens „Plant Consolidation Center (PCC) schließlich von der PGH mieten. Eine Nutzung für andere Zwecke soll ausgeschlossen werden.

Vertreter der Stadt Hamburg verweisen auf rund 360 neue Arbeitsplätze und wollen „den Industriestandort Hamburg in seinen Kompetenzen im Fahrzeugbau stärken“. Gemeint sind Komponenten für Elektroautos. Laut Daimler ist die Lage des Logistikzentrums so nahe an der A7 und der Eisenbahnstrecke ideal, weil das Transportwege vermeide.

Das Daimler-Projekt ist nicht das einzige Großvorhaben in dem Gebiet. In unmittelbarer Nachbarschaft ist die Trasse der neuen Autobahn A 26-Ost geplant, die die A 7 mit der A 1 verbinden soll. Das Planfeststellungsverfahren läuft bereits.

Thema Flächenverbrauch

Deutschlandweit werden jeden Tag weitere 58 Hektar Boden für neue Siedlungen, Gewerbe und Verkehr geopfert. Die Bundesregierung hat zwar das Ziel, dass bis zum Jahr 2030 weniger als 30 Hektar pro Tag beansprucht werden. 2050 soll der Flächenverbrauch ganz aufhören. Davon ist Deutschland allerdings noch weit entfernt.

Der Begriff Flächenverbrauch wird allgemein verwendet, obwohl Flächen nicht im Wortsinn „verbraucht“, sondern anders genutzt werden als zuvor. Dabei geht es um die Umwandlung von Natur, Forst, Weiden und Äckern in Flächen für Siedlungen, Gewerbe und Verkehr.

Flächenverbrauch ist zudem nicht gleichzusetzen mit Versiegelung, die Böden undurchlässig für Niederschläge macht und die natürlichen Bodenfunktionen zerstört. Siedlungs- und Verkehrsflächen umfassen auch unbebaute und nicht versiegelte Böden, zum Beispiel Erholungsflächen wie Stadtparks, Sportplätze, Skaterbahnen und Golfplätze. Der Grad der Versiegelung und damit der unwiederbringlichen Zerstörung von Boden ist jedoch insbesondere bei Gewerbe- und Logistikflächen sehr hoch.

Informationen zum Flächenverbrauch finden Sie hier:

https://www.bmu.de/themen/nachhaltigkeit-internationales/nachhaltige-entwicklung/strategie-und-umsetzung/reduzierung-des-flaechenverbrauchs/

https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/flaechensparen-boeden-landschaften-erhalten#textpart-1

https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Flaechennutzung/Publikationen/Downloads-Flaechennutzung/bodenflaechennutzung-2030510177004.pdf?

https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Raumentwicklung/Flaechenpolitik/flaechenpolitik_node.html

An­schreiben

An: Management von Tesla und anderen Unternehmen

Sehr geehrter Elon Musk,
sehr geehrte Damen und Herren

in Deutschland werden jeden Tag weitere 58 Hektar Natur und landwirtschaftliche Flächen für Siedlungen, Straße und Industrie planiert. Dieser Flächenverbrauch zerstört den Lebensraum von Pflanzen und Tieren und trägt so zum existenzbedrohenden Artensterben bei. Zudem gehen durch den Bodenverlust Kohlenstoffspeicher verloren, die beim Kampf gegen die Klimakatastrophe wichtig sind.

Wir fordern Sie daher auf, Ihrer Verantwortung gerecht zu werden und für Ihre Bauprojekte keine neuen Flächen zu versiegeln. Bitte bauen Sie ausschließlich auf bereits existierenden Gewerbeflächen.

Verzichten Sie auf die weitere Zerstörung der Natur.

Mit freundlichen Grüßen