Retten wir die letzten Okapis im Kongo vor den Goldsuchern

verwendung Okapis (Okapia johnstoni) sehen aus wie kleine Giraffen, die Streifen wie Zebras haben (© meunierd/shutterstock.com)

Das Okapi Wildtierreservat ist Lebensraum einer beachtlichen Population bedrohter Okapis. Die Demokratischen Republik Kongo ist das einzige Land, in dem es diese Tierart noch gibt. Doch grassierender Goldbergbau im Unesco-Welterbegebiet – namentlich durch die chinesische Firma Kimia – bereitet größte Sorge.

Appell

An: den Präsident und Ministerpräsident der Demokratischen Republik Kongo

„Stoppen Sie illegalen Goldbergbau im Okapi Wildtierreservat“

Ganzes Anschreiben lesen

Lediglich 30.000 Okapis leben noch in freier Wildbahn – und ihr Habitat schrumpft unaufhaltsam. 5.000 der verbliebenen Tiere sind in der Okapi Wildlife Reserve daheim, wo man viele weitere bedrohte Arten wie etwa Schimpansen und 376 Vogelarten beobachten kann.

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der Länder mit der höchsten Artenvielfalt und trägt daher eine besondere Verantwortung, seine Wälder zu schützen, die im Kampf gegen die Klimakrise von essentieller Bedeutung sind.

Unglücklicherweise grassiert dort der illegale Abbau von Gold und zerstört Wälder, schädigt den natürlichen Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, verschmutzt Gewässer mit giftigen Stoffen wie Quecksilber und beeinträchtigt die Gesundheit der Einheimischen und indigener Völker. Die Tagebaue ziehen Menschen auf der Suche nach einem Lebensunterhalt an, wodurch die Jagd nach dem Fleisch wilder Tiere zunimmt.

Im Zentrum der derzeitigen Entwicklung steht die chinesische Firma Kimia Mining mit Sitz im Ort Bunia, die illegitime Genehmigungen vom Bergbauministerium erhalten hat und im halbindustriellen Stil innerhalb des Reservats arbeitet.

Einem Bericht der Vereinten Nationen zufolge sind hochrangige Offiziere der kongolesischen Armee FARDC in illegale Bergbauaktivitäten verstrickt. Weil auch Milizen am Rohstoffabbau verdienen, ist er eng mit Gewalt im Osten der Demokratischen Republik Kongo verknüpft.

Im Grunde wäre es einfach, die Natur zu schützen: der Bergbau verstößt gegen Umweltgesetze und das Bergbaugesetz, die umweltschädliche Aktivitäten verbieten. Artikel 53 der Verfassung spricht zudem jeder Person das Recht und die Pflicht zu, die Umwelt zu verteidigen.

Wir bitten daher Präsident Tshisekedi und die Regierung, die Gesetze anzuwenden und Bergbau im Okapi Wildtierreservat und anderen Schutzgebieten zu beenden.

Hinter­gründe

Die Okapi Wildlife Reserve ist nicht als einziges Schutzgebiet im Kongo von Bergbau und Rohstoffausbeutung bedroht: Im Virunga Nationalpark wird womöglich Gorillahabitat durch die Suche nach Erdöl zerstört; in der Itombwe Nature Reserve kann Goldgewinnung dazu führen.

Vier der fünf Welterbe-Gebiete der Demokratischen Republik Kongo stehen daher auf der Liste „Welterbe in Gefahr”, das fünfte wurde gerade erst von der Liste genommen, weil die Regierung nach internationalem Druck Pläne zur Erdölförderung Im Salonga Nationalpark aufgegeben hat.

Für den Schutz von Virunga und Itombwe setzen wir uns mit Petitionen ein: Bitte unterschreiben Sie „Kein Primaten-Blut für Öl" und „Gold bedroht Gorillas".

An­schreiben

An: den Präsident und Ministerpräsident der Demokratischen Republik Kongo

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die Okapi Wildlife Reserve ist einer der Naturschätze Ihres Landes und von der Unesco als Welterbe anerkannt. Unglücklicherweise wird das Schutzgebiet unter anderem wegen illegalem Bergbau auf der Liste „Welterbe in Gefahr” geführt.

Derzeit bereitet der grassierende Goldbergbau – namentlich von der chinesischen Firma Kimia Mining – im Okapi Wildtierreservat größte Sorge.

Jeglicher Bergbau verursacht nicht behebbare Schäden an Ökosystemen. Die Goldförderung im Okapi Wildtierreservat:

- zerstört tropische Wälder, die für den Kampf gegen die Klimakrise von entscheidender Bedeutung sind.
- schädigt den natürlichen Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten
- verschmutzt Gewässer mit giftigen Stoffen wie Quecksilber
- beeinträchtigt die Gesundheit der Einheimischen, insbesondere der indigener Völker Efe und Mbuti.

Bergbau im Okapi Wildtierreservat und anderen Schutzgebieten verstößt gegen Umweltgesetze und das Bergbaugesetz: In Schutzgebieten dürfen weder Bergbau- oder Abbaurechte erteilt werden noch Zonen für den kleinbetrieblichen Bergbau ausgewiesen werden. Alle bereits in diesen Gebieten erteilten Genehmigungen sind null und nichtig.

Die Demokratische Republik Kongo hat sich dazu verpflichtet, mehr als 15 Prozent ihres Territoriums in Schutzgebiete zu verwandeln und hat bis heute diesen Wert nicht erreicht. Eine Zerstörung des Okapi Wildtierreservats wäre ein besorgniserregender Schritt in die falsche Richtung. Sie würde zudem die Selbstverpflichtung Ihres Landes im Kampf gegen die Klimakrise und zum Schutz der Biodiversität in Frage stellen.

Wir unterstützen 211 kongolesische Umweltschutzorganisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft, die am 5. August ein Statement zum Schutz der Okapi Wildlife Reserve veröffentlicht haben, und bitten Sie:

- Widerrufen sie die Genehmigung für die chinesische Firma Kimia Mining und beenden Sie die Erteilung von Bergbaugenehmigungen in bestehenden Schutzgebieten und Gebieten, die für den Naturschutz vorgesehen sind.

- Verhindern Sie umgehend jegliche Bergbauaktivitäten im Okapi Wildtierreservat.

- Koordinieren Sie die partizipatorische Demarkierung der Grenzen von Schutzgebieten.

- Beschlagnahmen Sie das Gold dieser Mafia, die den nationalen Reichtum und das Erbe der Demokratischen Republik Kongo plündert.

Es wäre traurig zu beobachten, dass der Salonga Nationalpark von der Liste „Naturerbe in Gefahr“ genommen wird, während die kongolesische Justiz gleichzeitig eine weitere außergewöhnliche Stätte in Gefahr bringt.

Mit freundlichen Grüßen

In cc an:
den Generaldirektor der Nationalparkbehörde ICCN in Kinshasa
die diplomatische Vertretung der Volksrepublik China
das Büro von Interpol in Kinshasa

5-Minuten-Info zum Thema: Gold

Ausgangslage – Schmutziges Gold

Goldvorkommen gibt es fast überall auf der Erde. Besonders massiv ist der Abbau auf der der Insel Niolam im Nordosten Papua-Neuguineas, wo täglich ca. 75 Kilo Gold gefördert werden. Im Ländervergleich wird in China das meiste Gold abgebaut: 2016 waren es 455 Tonnen des Edelmetalls, was etwa 13 Prozent der weltweiten Goldproduktion entspricht.

Im Jahr 2016 wurde das kostbare Metall zu 47,4 Prozent zu Schmuck verarbeitet; 7,5 Prozent des jährlich geförderten Goldes wurden in der Elektronikindustrie für Handys oder Laptops verwendet. Den Rest halten Zentralbanken oder Privatanleger als Reserve und zu Spekulationszwecken. Die US-amerikanische Zentralbank besitzt mit 8133,5 Tonnen mit Abstand den größten Goldbestand. Die Deutsche Bundesbank kommt mit 3377,9 Tonnen an zweiter Stelle.

Gold kann als körnerartige Goldseifen (Nuggets), die mechanisch vom Bodensubstrat getrennt werden, vorkommen. Weitaus häufiger findet sich das Edelmetall jedoch in feinsten Spuren in der Gitterstruktur der Gesteinsminerale. Um den Goldstaub herauszulösen und zu binden, müssen die Schürfer zu Zyanid und Quecksilber greifen.

Im großindustriellen Goldabbau wird das äußerst umweltschädliche Zyanid-Lauge-Verfahren angewandt. Um eine Tonne Gold zu fördern, müssen durchschnittlich 150 Tonnen Zyanid eingesetzt werden. Bereits wenige Milliliter davon sind tödlich für den Menschen.

Das Quecksilber-Verfahren kommt häufig bei Kleinschürfern zur Anwendung. Die goldhaltigen Erze werden zunächst stundenlang im Wasser gesiebt, bis der Goldstaub im Bodensatz konzentriert ist. Dieser goldhaltige Gesteinsschlamm wird dann mit Quecksilber gemischt, das mit dem Gold eine flüssige Legierung (Amalgam) eingeht. Diese Legierung wird erhitzt, das toxische Schwermetall verdampft und übrig bleibt reines Gold. Schutzanzüge gegen das Nervengift oder Rückgewinnungsvorrichtungen für das verdampfende Quecksilber sucht man beim Goldabbau durch Kleinschürfer oft vergeblich. Lukrative Geschäfte mit dem Edelmetall machen vor allem Kapitalgeber, Transportunternehmen und Chemikalienhändler. Menschen und Natur leiden unter dem Goldabbau.

Auswirkungen –Toxische Wüsten statt artenreicher Regenwälder

Durch Zyanid und Quecksilber werden Böden und das Grundwasser auf ewig verseucht. Selbst wenn Goldminen stillgelegt werden, gibt zyanidbehandeltes Gestein viele Jahrzehnte später giftige Schwefelsäuren ab.

Der industrielle Goldabbau benötigt zudem Unmengen an Wasser. Durchschnittlich sind es 140.000 Liter Wasser pro Stunde,was dem Jahreswasserverbrauch eines Drei-Personen-Haushalts in Deutschland entspricht. Das kontaminierte Wasser wird in Auffangbecken, die mit Dichtungsfolie ausgelegt werden, gesammelt und anschließend teilweise wiederaufbereitet. Starke Regenfälle, die die Dämme zum Überlaufen oder Bersten bringen, oder kleinste Löcher in der Folie stellen große Umweltgefahren dar. Immer wieder ereignen sich solche Dammbrüche. Im Jahr 2000 in Rumänien verseuchten schwermetallhaltige Schlämme die Theiss, den größten Zufluss der Donau. Jegliches Leben in den Gewässern wurde ausgerottet. Die Giftbelastung war bis in die mehrere hundert Kilometer entfernte Donau nachzuvollziehen.

Im Regenwald kommt die Abholzung der Urwaldriesen für den Goldabbau hinzu. Bagger wühlen die Erde um und hinterlassen Mondlandschaften. Um nur 0,24 Gramm Gold zu erhalten, entstehen 1000 Kilo Sondermüll und Abraum. Ein einzelner Goldring produziert demnach 20 Tonnen lebensgefährlichen Giftmüll.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt, dass Kinderarbeit in der Goldgewinnung weit verbreitet ist. Kinder können in enge Schächte klettern und waschen mit bloßen Händen die goldhaltigen Erze in Quecksilberlaugen.

Die Lösung – Vier Goldene Regeln zum Schutz von Mensch und Natur

Wurde auch mein Goldschmuck unter diesen menschenunwürdigen und umweltverpestenden Bedingungen hergestellt? Den verschlungenen Goldpfad nachzuverfolgen, ist aufgrund der Vielzahl der Akteure äußerst schwierig. Die Goldraffinerien, die mehrheitlich in der Schweiz sitzen und zusammen 70 Prozent der Weltproduktion ausmachen, geben an, den Rohstoff von zertifizierten Händlern zu beziehen. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass viele Verkäufer Scheingeschäfte mit falschen Adressen führen (Filmtipp: „Dreckiges Gold - Die glänzenden Geschäfte mit dem edlen Metall“).

Auch wir tragen für die Auswirkungen Verantwortung: Was kann jeder einzelne also tun?

1. Konsum überdenken: Braucht man jedes Jahr ein neues Smartphone? Nutzen Sie Elektronikgeräte wie Handys und Laptops möglichst lange. Wenn die Funktionen versagen, können Sie das Gerät aussortieren – aber dann bitte in einer Recyclingstelle abgeben. Wussten Sie, dass laut einer UNO-Berechnung in nur 49 Handys soviel Gold enthalten ist wie in einer Tonne Golderz?

2. Schmuck umarbeiten: Goldschmuck, der aus der Mode gekommen ist oder einfach nicht mehr gefällt, lässt sich problemlos umarbeiten. Der Regenwald wird es danken.

4. Gold taugt nicht als Investition: Ist Gold wirklich ein sicherer Anker in Finanzkrisen? Experten raten davon ab. Und außerdem: Eine ethische und verantwortungsvolle Finanzanlage ist Gold nicht.

5. Wissen in die Welt transportieren: Machen Sie auf die umweltschädlichen Giftstoffe beim Tagebau, den Raubbau an der Natur und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam, indem Sie unseren kostenlosen Regenwald Report mit fundierten Artikeln zu Regenwaldthemen beim Friseur oder Arzt auslegen. Gerne senden wir Ihnen hierfür ausreichend Exemplare zu. Auch mit Ihrer Unterschrift zur Petition „Nationalpark erhalten – Goldmine stoppen“ setzten Sie ein Zeichen und unterstützen unsere Arbeit.

Fußnoten

Okapi Wildlife Reserve.Hier finden Sie Informationen, warum das Okapi Wildschutzgebiet 1996 von der Unesco zum Welterbe erklärt wurde:

http://whc.unesco.org/en/list/718

Und hier, warum das Reservat bereits 1997 auf die Liste „Welterbe in Gefahr" gesetzt wurde:

http://whc.unesco.org/en/soc/3845/


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