Amazonas-Regenwald: Landraub und Gewalt für biologisches, faires und nachhaltiges Palmöl

Luftaufnahme einer kleinen Ortschaft entlang einer schnurgeraden Piste, dahinter die in den Regenwald geschlagenen Ölpalm-Plantagen Der kleine Ort Gonçalves ist von den in den Regenwald geschlagenen Ölpalm-Plantagen von Agropalma umgeben (© Cicero Pedrosa Neto / Global Witness) Versammlung in Vila Goncalves Von Landraub und Gewalt der Palmölindustrie betroffene Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes Vila Gonçalves (© Karina Iliescu / Global Witness) Bildschirmfoto von der Webseite von Agropalma mit den Logos der verschiedenen der Firma erteilten „Siegeln“ Abb.: Bildschirmfoto von der Webseite von Agropalma mit den Logos der verschiedenen der Firma erteilten „Siegeln“ (© RdR-Screenshot)

Palmöl vom Agropalma aus Brasilien ist mit zehn verschiedenen Siegeln als biologisch, fair und nachhaltig zertifiziert. Internationale Lebensmittelkonzerne wie Ferrero, Kellogg's und Nestle kaufen das Palmöl. Doch viele Plantagenflächen stammen offenbar aus illegalem Landhandel. Die Einwohner beklagen Gewalt und Menschenrechtsverstöße.

Appell

An: Lebensmittelkonzerne, internationale Zertifizierer und Siegel-Vereine, brasilianische Behörden

„Etikettenschwindel beenden! Siegel-Vereine und Lebensmittelkonzerne müssen sicher stellen, dass zertifiziertes Palmöl nicht aus Landraub und Gewalt stammt“

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Agropalma, der größte Palmölproduzent in Brasilien, gilt als globales Vorbild in der Branche. Der brasilianische Konzern ist mit zehn internationalen Siegeln für biologischen, fairen und nachhaltigen Ölpalmanbau zertifiziert: Dazu gehören das Biolabel der EU (EU-Ökoverordnung), des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA Organic) und JAS aus Japan, das Fair Trade-Label IBD aus Brasilien sowie die Label Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) und Palm Oil Innovations Group (POIG).

Zu den Kunden des Palmöls von Agropalma gehören 20 internationale Palmölhändler und Lebensmittelhersteller, darunter Alnatura, Danone, Ferrero (Nutella), Kellogg's, Mars, Mondelez (Oreo)Nestlé, PepsiCo, Unilever (Langnese) und Upfield (Rama).

Die 39.000 Hektar zertifizierten Ölpalmplantagen, davon 4.000 Hektar Bio-Anbau, wurden laut Agropalma zwischen 1982 bis 2002 in den Amazonas-Regenwald im Bundesstaat Pará geschlagen. Daneben nennt der Konzern 64.000 Hektar „Schutzwald“ sein eigen, auf denen Agropalma angebliche Klimaschutzprojekte (REDD+) betreibt.

Doch ein großer Teil der Grundstücke von Agropalma stammt offenbar aus der unrechtmäßigen Aneignung von Landflächen im Staatsbesitz, von lokalen Gemeinden und von ansässigen Kleinbauern, berichtet Publica. Agropalma wird des Landraubs beschuldigt und 58 Tausend Hektar Land wurden von den Gerichten annulliert, betitelt die Zeitung Ver O Fato einen ausführlichen Hintergrundartikel über den Palmölkonzern.

Die Einwohner:innen beklagen zudem Gewalt, Blockaden der Wege und des Zugangs zu öffentlichen Orten wie Flüssen und Friedhöfen durch die Firma. Menschenrechtsorganisationen wie Global Witness beklagen schwere Menschenrechtsverletzungen, die brasilianische Rechtsanwaltskammer sehr schlechte Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Knebelverträge auf den Plantagen von Agropalma.

Hinter­gründe

Landraub und Gewalt gegen die Bevölkerung

Die Ölpalm-Plantagen und Landflächen von Agropalma überschneiden sich mit dem angestammten Land der Gemeinden Balsa, Turiaçu, Vila do Gonçalves und Vila dos Palmares do Vale Acará im Bundesstaat Pará. Die in der Vereinigung ARQVA (Associação dos Remanescentes de Quilombos da Comunidade da Balsa, Turiaçu, Gonçalves e Vila Palmares do Vale do Acará) zusammengeschlossenen und mehrheitlich von Afrobrasilianern (Quilombolas) bewohnten Dörfer werfen Agropalma vor, das Land gewaltsam und mit unrechtmässigen Landtiteln sowie Betrug sich angeeignet zu haben1.

"Agropalma respektiert weder die Entscheidungen der Justiz noch die des Justizministeriums", erklärt der Quilombola-Führer Joaquim dos Santos Pimenta. Er bezieht sich auf Entscheidungen des Gerichtshofs des Bundesstaates Pará, der 2018 die Registrierung zweier Farmen von Agropalma blockiert hatte2: "Die Flächen der Farmen Roda de Fogo und Castanheira wurden auf der Grundlage falscher Dokumente verkauft, die von einem nicht existierenden Notariat und von nicht qualifizierten Personen ausgestellt wurden", begründete das Gericht die Entscheidung. Nachdem Agropalma Berufung eingelegt hatte, bestätigte der Gerichtshof des Bundesstaates Pará auch in zweiter Instanz die Löschung der Eintragung der beiden Betriebe3.

Der Wissenschaftler Elielson Pereira da Silva der Bundesuniversität Pará (UFPA), der die sozio-ökologische Entwicklung der Gemeinschaften inmitten der Ölpalmen-Monokulturen seit 2019 erforscht, erklärt: "Wir haben eine Reihe von Verstößen festgestellt seit den 1980er Jahren, als die Quilombolas aus ihrem Gebiet vertrieben wurden. Das von diesen Familien beanspruchte Territorium ist auf diesen gefälschten Grundbucheinträgen mit Landflächen von Agropalma überlagert", so der Forscher4.

Die Bevölkerung wirft Agropalma außerdem vor, mit bewaffneten Sicherheitspersonal den Zugang zu öffentlichen Flächen wie den Ufern des Acará-Flusses, der sich in zahllosen Schleifen durch den Regenwald windet, aber auch den Zugang zu Grundstücken wie Friedhöfen zu blockieren. Für die Ernährung der Menschen spielt der Fischfang im Fluss ein wichtige Rolle. Zudem versperre die Firma mit Toren, mitten auf den Pisten abgeladenen Bauschuttcontainern und ausgehobenen tiefen Gräben die angestammten Wegerechte. 

Agropalma-Gruppe

Die Agropalma-Gruppe ist Teil der brasilianischen Banken-Guppe Alfa, der auch Tourismus- und Baufirmen gehören. Nach Berichten von Valor Económico soll Agropalma zusammen mit weiteren Unternehmen der Alfa-Gruppe verkauft werden5.

Der nach eigenen Angaben „größte nachhaltige Palmölproduzent Amerikas“ hat die Ölpalmplantagen zwischen 1982 bis 2002 in den Regenwald geschlagen6. Auf 4.015 Hektar produziert Agropalma zertifiziertes Bio-Palmöl und auf 36.000 Hektar konventionelles Palmöl. Daneben nennt der Konzern 3.200 Hektar mit Wegen, Straßen und Fabriken sowie 64.000 Hektar „Schutzwald“ sein eigen, womit die von Agropalma kontrollierte Landfläche gut 107.000 Hektar beträgt.

Neben den Ölpalmplantagen verfügt Agropalma über sechs Palmölmühlen, zwei Palmölraffinerien und ein Exportterminal. Laut Agropalma gegen ca. 95 % der Exporte nach Europa und 5 % in die USA7.

Kunden von Agropalma

Zu den Kunden des Palmöls von Agropalma gehören 20 internationale Agrarmultis, Ölmühlenbetreiber und Lebensmittelkonzerne, darunter:

  1. AAK8

  2. ADM9

  3. Alnatura10

  4. Bunge11

  5. Cargill12

  6. Danone13

  7. Ferrero14

  8. General Mills15

  9. Hershey16

  10. Kellogg Company17

  11. Mars18

  12. Mondelez19

  13. Nestle20

  14. Olenex 21

  15. PepsiCo22

  16. Pz Cussons23

  17. Unilever24

  18. Upfield25

Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Global Witness hat die Unternehmen schriftlich aufgefordert, Stellung zu den Vorwürfen gegen Agropalma zu beziehen. Einige der Firmen haben geantwortet, doch die Angaben sind sehr allgemein über die Unternehmenspolitik gehalten, verweisen auf die Siegel, gehen nicht auf die Vorwürfe gegen Agropalma ein und lassen auch keine konkreten Schritte erkennen, das Palmöl auszuschließen26.

 

Zu den Siegeln von Agropalma:

Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl – Roundtable for Sustainable Palmoil (RSPO)

Dem RSPO-Label gehören weltweit etwa 5.000 Unternehmen und NGOs an, die – so der Anspruch, „den nachhaltigen und sozial verantwortlichen Palmölanbau fördern“ wollen. Aktuell beträgt die unter RSPO zertifizierte Ölpalm-Plantagenfläche 3,5 Mio. ha (2022).

Bei Agropalma sind laut RSPO 107.506 Hektar - also 100 % der Landflächen - seit 2011 unter dem Standard als nachhaltig und sozial verträglich zertifiziert27. Wegen der Landkonflikte bei Agropalma wurde bereits 2015 bei RSPO Beschwerde eingereicht. Ende 2020 wurde sie von RSPO mit der Begründung abgewiesen, dass der Landstreit Sache der brasilianischen Gerichte sei 28 29 30. Agropalma hatte seinerseits die Beschwerden als „absurde Klagen“ abgewiesen31.

Anfang Dezember 2022 haben Hundert Organisationen aus aller Welt - darunter Rettet den Regenwald - in einem offenen Schreiben das Greenwashing mit zertifiziertem Palmöl durch RSPO verurteilt und aufgefordert, dies zu beenden32.

Palmöl Innovationsgruppe - Palm Oil Innovations Group (POIG)

Agropalma ist auch Gründungsmitglied in der zusammen mit Greenpeace und dem WWF 2013 gegründeten Palm Oil Innovations Group (POIG). POIG wurde von den Organisationen zusammen mit einigen Palmölfirmen und deren Kunden geschaffen, weil ihnen die Standards und Performance von RSPO nicht ausreichten.

Aktuell gehören zu POIG drei Palmöl-Produzenten (Agropalma, Daabon, Musim Mas), vier Palmöl-Konsumenten (Danone, Ferrero, L´Oreal, Stephenson) und acht NROs. Greenpeace ist inzwischen ausgetreten.

POIG hat den Anspruch, die weltweit strengsten Anforderungen an den Anbau und die Produktion von Palmöl zu stellen. „POIG konzentriert sich auf die drei Themenbereiche Umweltverantwortung, Partnerschaften mit Gemeinden, einschließlich Arbeitnehmerrechte, sowie Unternehmens- und Produktintegrität“ steht auf der Webseite der Gruppe zu lesen33.

Die Zertifizierung unter RSPO und POIG erfolgt durch akkreditierte Zertifizierer mit jährlichen Audits und Feldbesuchen. Im letzten Zertifizierungsbericht von POIG vom 31.1.2022 glänzt Agropalma mit keinerlei Beanstandungen34:

Die Analyse der Unterlagen und die Befragung von Managern, Koordinatoren, Arbeitnehmern, Gewerkschafts- und Gemeinschaftsvertretern von Agropalma ergaben keine Verstöße“, so das Ergebnis des Berichts. Und: „Die Flächen von Agropalma und Bauern sind privat. Es gibt keine Nutzung von Gemeinschaftsflächen für Palmenplantagen“, steht in dem Bericht gleich neun Mal zu lesen.

Auf der Punktekarte der Palmölproduzenten von Greenpeace rangiert Agropalma an 1. Stelle der bewerteten Unternehmen35. Auch bei der Bewertung SPOTT der Zoologischen Gesellschaft von London hat Agropalma mit 86 Prozentpunkten eine hervorragende Note, darunter 92 Prozentpunkte für die Einhaltung der „Gemeinde-, Land- und Arbeitsrechte“36.

Bio Suisse

Neben den oben aufgeführten zehn Labeln war die Palmölraffinerie Cia Refinadora da Amazonia von Agropalma bis Mitte 2022 auch mit dem Schweizer Biolabel Bio Suisse zertifiziert37. Die Schweizer Kleinbauernvereinigung Uniterre38 hat sich bei Bio Suisse 2021 über die Zertifizierung beschwert. Im Frühjahr 2022 ist die Zertifizierung ausgelaufen und wurde nicht wie in den Jahren davor erneuert. Laurent Vonwiller von Uniterre sieht das als Ergebnis des Dialogs mit Bio Suisse an, der nun Früchte trage, steht in der Zeitschrift Kultur und Politik 3-22 des Bioforum Schweiz zu lesen39. Dagegen schreibt Bio Suisse an Rettet den Regenwald, dass "der Dialog zwischen Uniterre und Bio Suisse auf diese Entscheidung keinerlei Auswirkung habe".

Laut Vonwiller "fehle Bio Suisse der Mut zu erkennen, dass sie jahrelang eine Firma unterstützt hat, welche auf industrieller Landwirtschaft basiert und im grossen Stil (und mit Unterstützung von RSPO!) die Fälschung von Eigentumstiteln und Land Grabbing praktiziert hat. Auch fehlt ein Zeichen der Solidarität mit den vertriebenen Gemeinschaften, die zurzeit für die Rückgewinnung des von Agropalma gestohlenen Landes kämpfen".

Fußnoten

1 E joio e o trigo (2022). No Pará, quilombolas são encurralados por seguranças armados e encapuzados de fornecedora da Nestlé: https://ojoioeotrigo.com.br/2022/02/Quilombolas-encurralados-por-segurancas-armados-e-encapuzados-da-agropalma-fornecedora-de-oleo-de-palma-para-nestle/

2 Ministério Público del Estado de Pará (2018). Justiça determina bloqueio de matrículas de fazendas da Agropalma https://www2.mppa.mp.br/noticias/justica-determina-bloqueio-de-matriculas-de-fazendas-da-agropalma.htm

3 TRIBUNAL DE JUSTIÇA DO ESTADO DO PARÁ (2021). APELACÃO 0803639-54.2018.8.14.0015: http://177.125.100.71/pje/6537838

4 Pública (2022). Com inércia do governo, empresas do dendê avançam sobre terras públicas da Amazônia: https://apublica.org/2022/08/com-inercia-do-governo-empresas-do-dende-avancam-sobre-terras-publicas-da-amazonia/

5 Valor Económico (2022). Herdeiras de Aloysio Faria colocam Alfa e mais duas empresas à venda:https://valor.globo.com/financas/noticia/2022/09/16/herdeiras-de-aloysio-faria-colocam-alfa-e-mais-duas-empresas-a-venda.ghtml

9 ADM (2022). List of supplying mills: https://www.adm.com/globalassets/sustainability/sustainability-reports/2022-reports/adm-mainz-2021-q1---q4.pdf

10 Allnatura (2022). Unser Beitrag für Mensch und Erde. Nachhaltigkeitsbericht 2021/22, Seite 28: https://kiosk.alnatura.de/alnatura-nachhaltigkeitsbericht-2021-2022/66811371

Allnatura (2022) Häufige Fragen: Palmöl: https://www.alnatura.de/de-de/magazin/palmoel-faq/

12 Cargill (2022). Cargill Global Mill List - Quarter 2, 2022: https://www.cargill.com/doc/1432132443976/cargill-palm-mill-list.pdf

21 Olenex Edible Oils GmbH – Brake (2021). Traceability Summary – Supplies July 2020 – June 2021: https://olenex.com/wp-content/uploads/2021/10/Europe_Q32020-Q22021_Brake_211021.pdf

23 PZ Cussons (2021). PZ Cussons Palm Oil Mill List – July 2021: https://www.pzcussons.com/wp-content/uploads/2021/10/PZC-Palm-Oil-Mill-List-July-2021.pdf

25 Upfield (2021). Palm Oil Mill List for Publification: https://upfield.com/wp-content/uploads/2021/10/Mill-list-for-publication-20211008.pdf

26 Business and Human Rights Ressource Center (2022). Brazil: 20 international brands named by Global Witness as major buyers of palm oil from producers linked to alleged human rights violations: https://www.business-humanrights.org/en/latest-news/brazil-20-brands-are-named-by-global-witness-as-major-buyers-of-palm-oil-from-producers-whose-activities-the-ngo-links-to-hr-violations/

27 Roundtable for Sustainable Palm Oil (2022). Agropalma - Annual Communication of Progress 2021:https://document.rspo.org/2021/Agropalma_Group_ACOP2021.pdf

28 RSPO-Beschwerdegremium (2015). Schreiben an das RSPO-Sekretariat vom 13. Aug. 2015https://ap8.salesforce.com/sfc/p/#90000000YoJi/a/90000000PY7i/icaUzhunFy61oOa_qRh2Bga9.oEOd4Mdcr.RYtH8hqE

29 RSPO-Beschwerdegremium (2015). Schreiben an das RSPO-Sekretariat vom 31. Aug. 2015:https://ap8.salesforce.com/sfc/p/#90000000YoJi/a/90000000PY7Y/pUXAzZPqGlWKrkzJlY1R8IlM90.PY8Vf1maBxNd9IuU

30 RSPO-Beschwerdegremium (2020). Re: Final decision by the Complaints Panel on the Complaint against Agropalma Group (Membership No.:1-0003-04-000-00):https://rspo.my.salesforce.com/sfc/p/#90000000YoJi/a/0o000000i0eK/nnWdyQPdKuzo1VB_MAj2Uy4TQQym.VPVmMdBP.T73gc

31 RSPO-Beschwerdegremium (2015). Agropalma's official response to false accusations against its behalf:https://ap8.salesforce.com/sfc/p/#90000000YoJi/a/90000000PY7d/_nolTXvKwUaonrszqIXL_CbPJDXzI6NMTicNUsDd6xE

32 GRAIN (2022). Roundtable on Sustainable Palm Oil: 19 years is enough: https://grain.org/en/article/6925-roundtable-on-sustainable-palm-oil-19-years-is-enough

33 Palm Oil Innovations Group (ohne Datum). ABOUT POIG: http://poig.org

34 Palm Oil Innovation Group (2022). Palm Oil Innovation Group Verification Report For Agropalma Group In Tailândia, Acará and Tomé-Açú/Pará, Brazil: http://poig.org/wp-content/uploads/2022/04/Agropalma-POIG-Verification-Report-2021-Final-Public.pdf

36 The Zoological Society of London/SPOTT (2022). Agropalma Group: https://www.spott.org/palm-oil/agropalma-group/date/november-2020/

37 International Certification Bio Suisse AG (2021). CERTIFICATE Agropalma Group / Cia Refinadora da Amazonia: https://agropalma.com.br/wp-content/uploads/2022/01/biosuisse.pdf

39 Bioforum Schweiz (2022) in Kultur und Politik 3-22. Dialog über Palmöl trägt erste Früchte – mehr Veränderung nötig! Ist Bio-Suisse-Palmöl nachhaltiger als konventionelles Palmöl?

An­schreiben

An: Lebensmittelkonzerne, internationale Zertifizierer und Siegel-Vereine, brasilianische Behörden

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir fordern Sie auf, dem brasilianischen Palmölkonzern Agropalma unverzüglich die erteilten Zertifizierungen zu entziehen und den Kauf von Palmöl von Agropalma einzustellen.

Reformieren Sie die Standards der Siegel, die Kontrolle und den Ablauf der Zertifizierungen, damit der Betrug und Schwindel mit zertifiziertem Palmöl enden.

Sorgen Sie dafür, dass die Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gegen die lokale Bevölkerung durch Agropalma unverzüglich eingestellt und die Wegerechte und der Zugang zu öffentlichen Landflächen uneingeschränkt wieder hergestellt sowie die Menschen entschädigt werden.

Die brasilianischen Behörden fordern wir auf, die Menschenrechte der Bevölkerung zu garantieren und durchzusetzen, die rechtliche Situation der Landflächen von Agropalma endgültig zu klären und die unrechtmäßig erworbenen oder geraubten Landflächen an die ursprünglichen Besitzer:innen zurückzugeben.

Mit freundlichem Gruß

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar Land aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten die Regenwälder, Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass Palmöl inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

Was kaum einer weiß: Mittlerweile gehen in der EU 61 % des Palmöls in die Energieerzeugung51 % (4,3 Millionen Tonnen) für die Produktion von Biodiesel sowie 10 % (0,8 Millionen Tonnen) in Kraftwerke für die Strom- und Wärmeerzeugung.

Deutschland importiert 1,4 Millionen Tonnen Palmöl und Palmkernöl: 44% der Palmölimporte (618.749 t) wurden für energetische Zwecke eingesetzt, davon 445.319 t (72 %) Palmöl für die Produktion von Biodiesel sowie 173.430 t (28 %) für die Strom- und Wärmeerzeugung.

Die fehlgeleitete erneuerbare Energien Politik von Deutschland und der EU ist damit eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung. Die 2009 von der EU beschlossene Erneuerbare Energien Richtlinie schreibt die Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel vor.

Immer wieder forderten Umweltschützer, Menschenrechtler, Wissenschaftler und zuletzt auch die EU-Parlamentarier, Palmöl für Biosprit und Kraftwerke ab 2021 auszuschließen – vergeblich. Am 14. Juni 2018 haben die EU-Mitgliedsländer beschlossen, das tropische Pflanzenöl als „Bioenergie“ weiterhin bis 2030 zuzulassen.

Die Alternativen: Bitte lesen Sie die Inhaltsangaben auf den Verpackungen und lassen Sie palmölhaltige Produkte im Laden stehen. An der Zapfsäule haben Sie keine Wahlmöglichkeit, hier sind das Fahrrad und der öffentliche Transport die Lösung.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

Ölpalmen gedeihen nur in den feucht-warmen Tropen nahe den Äquator. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Der in der Urwaldvegetation und den Böden gespeicherte Kohlenstoff wird dabei freigesetzt. Riesige Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.

Die Reportage Asimetris

Die Reportage Asimetris zeigt, warum die Menschen zu den Verlierern des Palmölbooms gehören. Sie können den Film in unserem Shop kaufen.

Fußnoten

EU-Ökoverordnung

Europäische Kommission (ohne Datum). Was soll mit dem Bio-Logo erreicht werden? https://agriculture.ec.europa.eu/farming/organic-farming/organic-logo_de


USDA OrganicIBD (2021). Certificate of Organic Operation. Operator certified to USDA – National Organic Program: https://agropalma.com.br/wp-content/uploads/2022/01/usda.pdf


JASCERES GmbH (2021). Certificate of Compliance with Organic JAS: https://agropalma.com.br/wp-content/uploads/2022/01/jas.pdf



RSPORoundtable for Sustainable Palm Oil (2022). RSPO Annual Communication of Progress 2021:https://document.rspo.org/2021/Agropalma_Group_ACOP2021.pdf


POIGPalm Oil Innovation Group (2022). Palm Oil Innovation Group Verification Report For Agropalma Group In Tailândia, Acará and Tomé-Açú/Pará, Brazil: http://poig.org/wp-content/uploads/2022/04/Agropalma-POIG-Verification-Report-2021-Final-Public.pdf


PublicaPublica (2022). Com inércia do governo, empresas do dendê avançam sobre terras públicas da Amazônia: https://apublica.org/2022/08/com-inercia-do-governo-empresas-do-dende-avancam-sobre-terras-publicas-da-amazonia/


Ver O FatoVer O Fato (2022). BOMBA – Acusada de grilagem e com 58 mil hectares cancelados pela justiça, Agropalma está à venda: https://ver-o-fato.com.br/bomba-acusada-de-grilagem-e-com-58-mil-hectares-cancelados-pela-justica-agropalma-esta-a-venda/


Global WitnessGlobal Witness 2022. Brazil’s biggest palm oil producers Agropalma and Brasil Biofuels accused of serious human rights violations against communities in the Pará region: https://www.globalwitness.org/en/press-releases/brazils-biggest-palm-oil-producers-agropalma-and-brasil-biofuels-human-rights-violations-para-region/

Global Witness 2022: Major international brands sourcing from Brazilian palm plantations linked to violence, torture and land fraud in the Amazon:https://www.globalwitness.org/en/campaigns/environmental-activists/amazon-palm/


brasilianische RechtsanwaltskammerOrdem dos Advogados do Brasil Seccional Pará (2015). Comissão da OAB/PA denuncia reais condições de trabalho em fazendas de cultivo de dendê no Pará: https://www.oabpa.org.br/noticias/comissao-da-oabpa-denuncia-reais-condicoes-de-trabalho-em-fazendas-de-cultivo-de-dende-no-para

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