Unterstützungsaktion Bolivien: Gegen Straße im Regenwald

Konferenz indigener Menschen in Bolivien Die Indigenen wollen keine Landstraße durch den Regenwald
21.730 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

In Bolivien hat der Bau einer Landstraße quer durch den Regenwald-Nationalpark und das Indianerschutzgebiet TIPNIS begonnen. Über die Verkehrsader soll das Amazonasgebiet mit den Häfen am Pazifik für den Rohstoff-Export verbunden werden. Die Indigenen wollen das Projekt mit einem Marsch zum Regierungssitz in La Paz verhindern. Sie bitten um internationale Unterstützung.

Appell

Der bolivianische Präsident Evo Morales und sein damaliger Amtskollege Lula da Silva haben 2009 den Bau der Landstraße beschlossen. Deren Trasse verläuft quer durch das Indianerschutzgebiet und den Nationalpark Territorio Indígena Parque Nacional Isiboro Sécure (TIPNIS). Das Gebiet liegt östlich von La Paz am Rande des Amazonasregenwaldes.

Im vergangenen Jahr konnten die Indianer einen Aufschub um ein Jahr erreichen. Auch Rettet den Regenwald hatte sich an der Aktion beteiligt. Doch nun wurde das erste Drittel der Straße genehmigt, und vor ein paar Wochen haben erste Bauarbeiten begonnen. Die Straße wird den Wald und das Gebiet der indigenen Bevölkerung „TIPNIS“ zerstören.

Ein Protestmarsch der Indigenen wird am 15. August 2011 in Richtung La Paz aufbrechen. Gleich drei Völker wehren sich gegen jede Trasse, die ihr Territorium, ihr „großes Haus“ wie sie es nennen, durchschneiden würde. Außerdem erklären sie, dass ihnen dieser Widerstand aufgezwungen wurde.

Weitere Informationen

Die indigenen Völker rufen alle nationalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen auf, sich mit ihnen zu solidarisieren. Bitte unterstützen Sie die Menschen in Bolivien und schreiben Sie an den bolivianischen Präsidenten Morales. Wir werden die Unterschriften in Kürze dem bolivianischen Botschafter in Berlin übergeben.

Update: Hunderte Indianer sind zum Protestmarsch nach La Paz gestartet. Hier ein Fernsehbericht (leider nur auf Englisch).

Update: Freitag, den 19.08. überreichten wir die Unterschriftenliste in der bolivianischen Botschaft in Berlin.

Die Unterstützung des Protestes durch Rettet den Regenwald wird in der bolivianischen Presse erwähnt.

Der "Marsch auf La Paz" begann wie geplant am 15.08. Die Tagesschau berichtete.

Hinter­gründe

TIPNIS ist ein ursprünglicher, artenreicher Wald. Er liegt zwischen den tropischen Andenbergen und dem Amazonastiefland. Neben einer unschätzbaren biologischen Vielfalt ist das Gebiet auch die Heimat der indigenen Völker Moxos, Yuracaré und Chimanes. Diese haben viele Jahre dafür kämpfen müssen, damit ihre Landrechte 1990 endlich von der Regierung anerkannt wurden. Doch deren Botschaften und Beschlüsse gegen den Bau der neuen Verbindungsstraße wurden von der Regierung niemals angehört.

Wissenschaftliche Studien beweisen, wie in Folge von Straßenbau rasch ganze Regenwaldgebiete geplündert und gerodet werden. Das zeigen auch Satellitenaufnahmen aus dem Amazonasgebiet sehr deutlich. Die neue Landstraße zwischen Villa Tunari und San Ignacio de Moxos soll zudem nicht nur dazu benutzt werden, um die reiche Natur des bolivianischen Amazonasgebietes auszubeuten. Sie soll auch die benachbarten brasilianischen Bundesstaaten Rondonia und Mato Grosso mit Häfen an der chilenischen Pazifikküste verbinden. Brasilien exportiert Soja, Aluminium, Holz, Eisen und Zellulose.

Die Baukosten werden mit 415 Millionen Dollar angegeben. Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES vergibt dazu einen Kredit über 332 Millionen Dollar. Der Rest soll aus dem Etat der bolivianischen Provinzen Beni und Cochabamba kommen. Entsprechend erhielt ein brasilianisches Unternehmen den Vertrag für den Bau der Straße.

Das Projekt ist Teil der „Initiative für die Regionale Integration Südamerikanischer Infrastruktur“ (IIRSA). Diese sieht auf dem ganzen Kontinent den Bau von Landstraßen, Flughäfen, Wasserkraftwerken, Kanäle und Energie- und Kommunikationsindustrie vor. Allein die brasilianische Regierung plant mehr als 60 Megaprojekte im brasilianischen Amazonasgebiet und finanziert sechs weitere im Amazonasgebiet von Peru, alle mithilfe ihrer Staatsbank.

An­schreiben

An
Herrn Evo Morales, Präsident von Bolivien
c/o Botschaft von Bolivien
Wichmannstraße 6
D-10787 Berlin
Tel.: +49 (30) 263915-0; Fax: +49 (30) 263915-15
correo@presidencia.gob.bo

Sehr geehrter Herr Präsident Evo Morales,

ich bin sehr besorgt über den Bau der Landstraße zwischen Villa Tunari und San Ignacio de Moxos. Diese wird das Gebiet des Territorio Indígena Parque Nacional Isiboro Sécure (TIPNIS) durchschneiden und die Lebensgrundlagen der Menschen zerstören.

Die Menschen des TIPNIS haben mitgeteilt, dass die Rechte der indigenen Völker, die Bewahrung der Biodiversität und der Natur sowie internationale Verträge und Übereinkünfte durch Ihre Regierung missachtet werden.

Ich unterstütze deshalb die Kampagne zur Verteidigung des TIPNIS und solidarisiere mich mit dem Marsch der Indigenen zum Regierungssitz in La Paz, um gegen die Straße zu protestieren.

Zusammen mit den indigenen Völkern bitte ich die sofortige Einstellung des Straßenbaus. Ich ersuche Sie, die Gesetze einzuhalten, die TIPNIS schützen und bitte um dringende Maßnahmen, um die Invasion illegaler Kokaplantagen innerhalb des Gebietes zu unterbinden.

Die von den Indigenen in der 29. Versammlung am 18. Mai beschlossene Resolution muss eingehalten werden. Diese „weist einstimmig und unverhandelbar den Plan zum Bau der Straße zurück”.

Bitte beenden Sie auch die Umweltevaluierung des TIPNIS, die von der „Nationalen Behörde für geschützte Gebiete“ über die Köpfe der Indigenen hinweg betrieben wird.

Bitte nehmen Sie sich der legitimen Anliegen der Indigenen an und suchen Sie nach einer alternativen Trassenführung außerhalb des TIPNIS.

Herr Präsident, bitte helfen Sie, Mutter Erde zu retten. Sie haben die Macht und die Sensibilität, das zu tun. Tragen Sie nicht dazu bei, dass heutige und zukünftige Generationen von Bolivianern die traurige „Nachricht” verbreiten müssen, dass für brasilianische Interessen und maßlose Gier einmalige Tier- und Pflanzenarten für immer ausgelöscht wurden.

Hochachtungsvoll

Freundliche Grüße