Kolumbien: Massaker an 27 Awa-Indianern im Regenwald

13.02.2009

Pressemitteilung Rettet den Regenwald e.V. Kolumbien: Massaker an 27 Awa-Indianern im Regenwald Der Verein Rettet den Regenwald protestiert auf schärfste gegen die Ermordung von 27 Indigenen Awá – darunter mehrere Frauen und drei Kinder – im Awá Reservat Tortugaña Telembi im Regenwald von Kolumbien. Seit dem 4. Februar liefern sich die Streitkräfte dort Gefechte mit bewaffneten Guerillakämpfern der FARC und ELN, nachdem das Regenwaldgebiet der Awá bereits seit sechs Monaten vom kolumbianischen Militär bombardiert wird. Zwei Awá-Dörfer sollen von bewaffneten Kämpfern überfallen, die Einwohner entführt und 17 von diesen grausam gefoltert und mit Hackmessern hingerichtet worden sein. Zehn weitere Awá sollen seit dem 9. Februar ermordet worden sein, die sich aufgrund der Gefechte und Massaker auf der Flucht befanden, berichtet Luis Evelis Andrade von der Nationalen Organisation der Indigenen Kolumbiens (ONIC). Allein in diesem Jahr seien bereits 44 Morde an Awá zu beklagen und auch in den Vorjahren war es wiederholt zu Massakern an den Awa gekommen. Das kolumbianische Militär und die Generalstaatsanwaltschaft haben für das Wochenende die Entsendung einer offiziellen Untersuchungskommission in das teilweise verminte und schwer zugängliche Bergregenwaldgebiet an der Grenze zu Ecuador angekündigt. Das Awá-Reservat Tortugaña Telembi liegt am Telembi-Fluss zwischen den Orten Ricaurte und Barbacoas im Verwaltungsgebiet Nariño im äußersten Südwesten des Landes. „Es ist völlig inakzeptabel, dass die Urwaldgebiete der Indigenen seit Jahren als Kriegsschauplatz der kolumbianischen Streitkräfte mit Guerillaorganisationen und Drogenhändlern missbraucht werden“, kritisiert Reinhard Behrend, Vereinsvorsitzender von Rettet den Regenwald. Dabei geht es auch um die Ausbeutung der Ressourcen der Regenwaldgebiete, die die Indigenen bis heute geschützt haben. Bei den Awá gibt es neben tropischen Edelhölzern auch Goldvorkommen und Land, dass für die Produktion von Palmöl in Plantagen umgewandelt werden soll. „Ich habe die Awá als sehr friedliebende Menschen kennengelernt, die sich Respekt und die Anerkennung ihrer angestammten Rechte als Ureinwohner sowie den Erhalt ihrer einzigartigen Kultur wünschen“, erklärt Menschenrechtsexpertin Guadalupe Rodríguez von Rettet den Regenwald. Noch am 31. Januar 2009 hatte sich Bundeskanzlerin Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe in Berlin erfreut über den Niedergang der Aktivitäten verschiedener Terrororganisationen in Kolumbien gezeigt. Dass es zu einer Befriedung des Landes noch ein sehr weiter Weg ist, zeigen auch die zahlreichen gewaltsamen Landkonflikte in Kolumbien, wie bei den indigenen Embera, die von einer riesigen Kupfermine bedroht sind (siehe http://www.regenwald.org). Rettet den Regenwald fordert die sofortige Einstellung sämtlicher Kampfhandlungen auf dem Territorium der Awá und aller Gewaltanwendungen gegen die Zivilbevölkerung Durchführung wirksamer Maßnahmen zum Schutz der Menschen umfassende Untersuchung über die Umstände und Autoren der Massaker einschließlich deren strafrechtliche Verfolgung Hilfe für die Angehörigen der Opfer und Unterstützung der Awá zur Sicherung ihres Überlebens als bedrohte indigene Minderheit Weitere Informationen: Reinhard Behrend, Rettet den Regenwald e.V., Tel.: 040- 410 38 04 info@regenwald.org http://www.regenwald.org Regenwaldschutzprojekt des Vereins mit den Awá in Ecuador Rettet den Regenwald unterstützt seit dem Jahr 2006 die 3.700 Awá in Ecuador, die direkt angrenzend an Kolumbien in einem 117.000 Hektar grossen Regenwaldterritorium leben und sich in der FCAE zusammengeschlossen haben. Auch in Ecuador ist deren Überleben als indigene Minderheit gefährdet: Sperrholzhersteller, Holzfäller, Palmölplantagenfirmen, Goldsucher und Landspekulanten haben es auf das Territorium der Awá und dessen reiche Ressourcen abgesehen. In 2007 hat der Verein die FCAE unter anderem bei einen Fußmarsch von 800 Awá aus dem Regenwald bis zum Präsidentenpalast in der Hauptstadt Quito zur Anerkennung des Territoriums der Awá unterstützt sowie beim Kauf eines direkt an das Territorium angrenzenden von Rodung bedrohten 1.423 Hektar grossen Regenwaldstücks.