EEG Motor der Regenwaldzerstörung

21.01.2010

Blockheizkraftwerke verheizen die Hälfte des importierten Palmöls

Hamburg, 21. Januar. Die Palmölimporte nach Deutschland haben sich in den letzten 10 Jahren fast verdreifacht, und zwar von 415.512 Tonnen 1999 auf 1.127.537 Tonnen 2008. Motor dieser Entwicklung war der von der Bundesregierung forcierte Agrospritboom im Rahmen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Für die Produktion von Palmöl werden in den Anbauländern die Regenwälder gerodet und gewaltige Mengen klimaschädlicher Emissionen freigesetzt. Dies verstößt in eklatanter Weise den Zielen des EEG, die in § 1 definiert sind. Das ist ein Skandal.

Nach Rettet den Regenwald vorliegenden Zahlen entfielen in den letzten drei Jahren im Durchschnitt 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Palmöls auf Blockheizkraftwerke (BHKW). Für die Erzeugung angeblich umweltfreundlichen und klimaschonenden elektrischen Stroms und Heizwärme wurden 2007 555.000 Tonnen Palmöl in deutschen BHKW verfeuert. Bei einem Gesamtverbrauch von Palmöl von 971.838 Tonnen entsprach dies einem Anteil von sage und schreibe 57 Prozent. 2008 ging die Menge des in BHKW verheizten Palmöls auf 450.000 Tonnen zurück. Bei einem Gesamtverbrauch von Palmöl von 952.582 Tonnen entsprach dies 47 Prozent. Die Ursache für den Rückgang ist in dem infolge des Agrospritbooms rasant gestiegenen Palmölpreis zu sehen. Die Rohstoffkosten haben einen entscheidenden Einfluss auf den wirtschaftlichen Betrieb der Palmöl-Kraftwerke.

Während in den überwiegend von Privatpersonen in Wohngebäuden betriebenen Mini-BHKW (Leistung bis 10 kWel) fast ausschließlich Rapsöl eingesetzt wird, ist es bei allen größeren gewerblich betriebenen BHKW-Klassen ganz überwiegend importiertes Palmöl. Palmöl ist wesentlich billiger als Rapsöl. 2008 zahlten die BHKW-Betreiber durchschnittlich 641,30 Euro pro Tonne Palmöl gegenüber 934,80 Euro pro Tonne Rapsöl. Mit Rapsöl ist ein rentabler Betrieb meist nicht möglich.

Die üppige finanzielle Förderung im Rahmen des EEG hat in den Jahren 2006 und 2007 einen wahren Boom bei Bau und Inbetriebnahme von Pflanzenöl-BHKW ausgelöst. Die Zahl der Anlagen stieg sprunghaft von 200 im Jahr 2003 auf 1.801 im Jahr 2006 und 2.726 im Jahr 2007. Aufgrund der vorübergehend stark gestiegenen Rohstoffkosten (s.o.) ist die Zahl der 2008 neu errichteten Pflanzenöl-BHKW stark zurückgegangen. Vor allem viele der kleinen mit Rapsöl betriebenen Anlagen wurden vom Netz genommen oder auf Palmöl umgestellt. Die Zahl der BHKW nahm dadurch auf geschätzte 1.800 Anlagen ab. Nach diesem kurzzeitigen Preissprung haben sich die Palmölpreise wieder rasch halbiert.

Die Verbrennung von Palmöl in BHKW ist nur durch die massive finanzielle Förderung durch das EEG rentabel. Über die Grundvergütung (11,67 Cent), den Nachwachsende Rohstoffe-Bonus (NaWaRo-Bonus) (2,5 bis 6 Cent), den Kraftwärmekopplungs-Bonus (KWK-Bonus) (4 Cent) und den Technologie-Bonus (2 Cent) kann diese sich auf bis über 19 Cent pro erzeugter Kilowattstunde Strom und Wärme summieren. Die Subventionierung der Palmöl-BHKW liegt demnach im dreistelligen Millionenbereich pro Jahr. Finanziert wird dies über eine Umlage von aktuell 2 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde, die allen Stromkonsumenten auf ihrer monatlichen Rechnung erhoben wird.

Auch der Blick auf die Hauptimportländer von Palmöl fördert Ungeheuerliches zutage. 2008 sind dies bei den Direktimporten Indonesien mit 478.377 Tonnen, Kolumbien mit 123.573 Tonnen, Malaysia mit 98.852 Tonnen und Papua Neuguinea mit 73.138. Weitere 343.472 Tonnen wurden aus den EU-Ländern, vor allem den Niederlanden, importiert, die aber alle keine Anbauländer von Palmöl sind. Deutschland ist mit einem Anteil von 39 Prozent der größte Importeur von kolumbianischem Palmöl.

In allen vier Ländern hat die Palmölproduktion besonders katastrophale ökologische und soziale Folgen. Die Regenwälder und Torfmoorgebiete werden für die Anlage neuer Palmölplantagen gerodet und trockengelegt. Die Artenvielfalt wird vernichtet und das Weltklima durch die massive Freisetzung von Kohlenstoff geschädigt. Die in den Gebieten lebende Bevölkerung wird ihrer Lebensgrundlagen beraubt, vertrieben und im Extremfall wie in Kolumbien sogar tausendfach ermordet. Die Bundesregierung täuscht seit Jahren die Öffentlichkeit über die katastrophalen Auswirkungen ihrer Energiepolitik. Der Anteil der energetischen Nutzung von Palmöl wurde immer heruntergespielt und mit wenigen Prozent angegeben. Als Hauptkonsumenten von Palmöl nannte die Bundesregierung stets die Nahrungsmittel- und Chemieindustrie. Auf den Webseiten von Landwirtschafts- und Umweltministerium und von diesen finanzierten Projekte wie der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR) werden Fotos blühender Rapsfelder und Grafiken gezeigt, die die Rapsanbaufläche in Deutschland für die energetische Nutzung beziffern. Palmöl wird lediglich erwähnt, konkrete Angaben dazu sucht man aber vergebens. Damit wird gezielt der Eindruck erweckt, dass die eingesetze Biomasse von deutschen Äckern stamme.

Zusätzlich zur Verfeuerung in BHKW wird ein weiterer Teil des Palmöls dem an den Tankstellen für Fahrzeuge verkaufen Dieselkraftstoff beigemischt. Damit sollen die gesetzlich vorgeschriebenen Agrospritquoten im Verkehrssektor erfüllt werden.

Die Pressemeldung mit ausführlichen Tabellen und Statistiken als PDF.

Weitere Informationen: Reinhard Behrend, Vereinsvorsitzender, Tel. 040-410 38 04, info@regenwald.org www.regenwald.org