zurück zur Übersicht

Getrieben von der Nachfrage

Indonesien: Die Exportpolitik der indonesischen Regierung hat keine Rücksicht auf Wälder und eigene Bevölkerung genommen. Ein britischer Regierungsbericht dokumentiert „unerträglichen Druck" auf die Wälder des Inselstaates.

„Aus Plantagenholz" steht auf den Möbeln im Hambuger Einrichtungshaus. „Wenn Sie diese Möbel kaufen, helfen Sie den Menschen in Indonesien", erklärt ein freundlicher Verkäufer. Schon für 90 DM kann man einen wunderschönen Teakholzstuhl bekommen und ein gutes Gewissen dazu. Tatsächlich gibt es in Indonesien seit Jahrzehnten einige grosse Teakplantagen. Ob das Holz aber aus diesen Plantagen kommt, ist für den Verbraucher nicht zu kontrollieren. Mit seinem Möbelkauf heizt der Kunde auf jeden Fall die Nachfrage nach Tropenholz und damit die Waldkatastrophe in Indonesien an. Ein Bericht des britischen Department for International Development (DFID) sieht die Ursache für die Zerstörung der indonesischen Wälder in dem „riesigen Ungleichgewicht" zwischen dem gesetzlich erlaubten Holzeinschlag in den Wäldern und der Nachfrage der Wirtschaft nach Holz. Die Nachfrage beträgt 84,1 Millionen Kubikmeter Holz. Legal produziert werden in Indonesien nur 29,5 Millionen Kubikmeter. Der Rest wird durch illegalen Raubbau in den Wälder des Landes, etwa 32 Millionen Kubikmeter, und durch Einfuhr aus Übersee, etwa 22 Millionen Kubikmeter, gedeckt. Indonesische Firmen plündern inzwischen Wälder in Südamerika, Afrika und in den asiatischen Nachbarländern. Überall im Land wurden Papier- und Sperrholzfabriken aufgebaut. 51,5 Millionen Kubikmeter Holz, davon 20 Millionen für die Papierproduktion, beträgt der Verbrauch dieser meist für den Export arbeitenden Fabriken. Völlig unberücksichtigt blieb bei den Planungen der indonesischen Regierung der Holzbedarf der 200 Millionen Indonesier im eigenen Land. Die 35 Millionen Kubikmeter Holz für Häuser und Möbel kommen somit zwangsläufig aus illegal abgeholzten Wäldern. Die einheimische Nachfrage und der Holzhunger der Exportindustrie führen zu einer gigantischen Korruption und Gesetzlosigkeit. Die Sägewerke für den Einschnitt der illegal gerodeten Bäume werden meist mit dem Geld lokaler Geschäftsleute errichtet. Das illegal gefällte Holz wird in der Regel weit unter Wert verkauft. Für Merantiholz zahlen lokale Sägewerke umgerechnet 55 - 82 DM pro Kubikmeter. Der Weltmarktpreis liegt bei etwa 200 DM. „Was sie für die Ernte erhalten, ist einfach lächerlich", schreiben die britischen Experten. Illegale Holzfäller genießen die Unterstützung von korrupten Militärs, Polizei und Regierungsbeamten einschliesslich der regionalen Forstbehörden. Die tiefe Verstrickung des Staatsapparates in den gesetzeswidrigen Holzhandel bedeutet, dass Gerichte und andere öffentliche Stellen nicht für den Kampf gegen den illegalen Holzeinschlag genutzt werden können. Solange nicht in den höchsten Regierungkreisen und bei ranghohen Militärs der ernsthafte Wille besteht, gegen die Korruption vorzugehen, wird sich an den gegenwärtigen Zuständen nichts ändern. „Bis jetzt gibt es noch keine Anzeichen für einen solchen politischen Willen", schreiben die Autoren der Studie. Für Umweltorganisationen sind die vom DFID zusammengetragen Fakten nichts Neues. Die grosse Bedeutung des DFID-Berichts liegt darin, dass jetzt eine Regierung die Ursachen der Waldzerstörung so schonungslos und offiziell darstellt. Bisher haben Regierungen immer auf Holzzertifikate und Projekte zur schonenden Nutzung hingewiesen, die die Waldwirtschaft in den Tropen verbessern sollen. Das reicht jetzt nicht mehr. Mit dem Bericht des DFID ist es offiziell geworden: „Getrieben von der Nachfrage, dem Export, den zu grossen und zahlreichen Sägewerken, Sperrholz- und Papierfabriken werden die Regenwälder vernichtet." Was ist zu tun? Das grosse Ungleichgewicht zwischen Holznachfrage und der legalen Holzernte muß beseitigt werden. Weltbank und Entwicklungshilfe müssen Indonesien dabei unterstützen, die zu grossen und zu vielen Sägewerke zu reduzieren und alternative Arbeitsplätze zu schaffen. Nur dann kann die Korruption in Indonesien bekämpft werden. Dabei muss ganz an der Spitze angesetzt werden. Indonesische Umweltschützer setzen ihre Hoffnung auf die neue Regierung, die im Januar 2000 an die Macht kommen soll, und auf eine internationale Kampagne gegen den Raubbau. In Europa kann jedenfalls niemand mehr behaupten, dass die Verbraucher Indonesien helfen, wenn sie den Indonesiern das dringend für's eigenen Häuschen benötigte Holz vor der Nase wegkaufen. (Der englischsprachige Bericht ist bei Rettet den Regenwald per e-mail oder Post zu erhalten)