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Der Wald ist ihr Leben

Kamerun: Umweltschützer in Afrika sorgen sich um die sozialen Auswirkungen der Waldvernichtung. Sie arbeiten unter schwierigen Bedingungen.

„Für mich sind die Menschen in den Dörfern wichtig", sagt Dr. Samuel Nguiffo, Rechtsanwalt von Beruf. Als Jurist schrieb er eine Analyse des Forstgesetzes von Kamerun. Das Gesetz von 1994 gibt der Bevölkerung auf dem Land das Recht, einen Teil des Waldes als Kommunalwald selber zu nutzen. Doch tatsächlich haben die Waldbewohner nichts von der Ausbeutung des Waldes. Ausländische Holzgesellschaften sägen die Bäume um, und die Menschen stehen vor dem Nichts. Samuel will das mit seiner Umweltorganisation Center for Environment and Development (CED) ändern. Zusammen mit einigen Mitarbeitern hilft er den Bewohnern in den Dörfern, ihr Rechte durchzusetzen. Viele Schwierigkeiten und Gefahren türmen sich auf: Bürgermeister werden von den Holzfällern bestochen und Umweltschützer durch mysteriöse Überfälle eingeschüchtert. Eine der wichtigsten Waffen des CED ist die französischsprachige Zeitschrift „Bubinga", benannt nach einem einheimischen Baum. Zahlreiche Umweltthemen werden aufgegriffen. Immer wieder kritisiert die Zeitschrift zum Beispiel eine geplante Pipeline von Exxon, die Umwelt und Dorfbewohner bedroht. Unter der Überschrift „Die Zahlen des Niedergangs" berichtet die Augustausgabe von Bubinga, dass bereits über die Hälfte des Regenwaldes in Kamerun abgeholzt wurde - über 22 Millionen Hektar. Die Hälfte des Holzexports wird von französischen Konzernen beherrscht. „Die Kameruner sind so etwas wie „unerwünschte Personen" in ihren eigenen Wäldern, schreiben die Autoren von Bubinga. Besonders empörend: Mindestens 150 Tausend Kubikmeter Holz werden ohne jede Kontrolle exportiert, schätzt die Provinzverwaltung. „Die Zollbehörden arbeiten bis 15.30 Uhr am Nachmittag. Aber nach Feierabend geht der Holzexport bis 22.00 Uhr abends weiter". Aus wertvollen Holzarten wie Iroko und Azobe wird dann oft wertloses Bibolo gemacht. „Wem nützt die Ausbeutung des Waldes?", fragen die Umweltschützer. Ganz sicher nicht den Dorfbewohnern im Wald. Ihnen werden die wertvollen Moabibäume geraubt, die „Butterbäume" des Waldes, aus deren Samen Sie hochwertiges Öl pressen. Auch die Sapeli-Bäume, von deren Raupen die Pygmäen leben, fallen der Säge zum Opfer. „Der Wald ist ihr Leben", sagt Samuel Nguiffo. Die Holzkonzerne versprechen Entschädigung, doch kaum ein Pfennig kommt im Dorf an. Immer wieder greifen empörte Dorfbewohner zur Selbsthilfe und blockieren Strassen. „Eine Verbesserung der Situation ist schwierig, da die meisten Holzfirmen sehr mächtig sind", sagt Samuel. Dabei ist er als Gesprächspartner für Umweltgruppen und internationale Organisationen sehr begehrt. Am 1. November ist er beispielsweise zusammen mit führenden Holzhändlern und Experten beim Weltbankpräsidenten James Wolfensohn zur Beratung eingeladen. „Die meisten Entwicklungsorganisationen", sagt Samuel, „wissen zwar, dass es ein Problem mit der Forstwirtschaft in Kamerun gibt, aber sie wissen nicht, wie gravierend es ist. Eine Dezentralisierung der Verantwortung für die Forstwirtschaft wäre schon eine guter Schritt", meint Samuel. Es bleibt nur zu hoffen, dass Samuel tatsächlich zum Treffen mit Wolfensohn fahren kann. Tatsächlich wurde eine Reise plötzlich verhindert. Kurz vor seinem Abflug Ende September zur Jahrestagung der Weltbank in den USA, überfielen ihn zwei Männer in seinem Büro, raubten seinen Pass, aber liessen die meisten Wertgegenstände unbeachtet. Samuel konnte das Land nicht verlassen. Die Polizei ermittelt noch, aber die Regierung von Kamerun erklärte schon einmal vorsorglich, dass sie mit dem Überfall nichts zu tun habe. Die französischsprachige Zeitschrift Bubinga kann beim CED abonniert werden: CED, Boite Postale 3430 Yaounde, Kamerun Tel.: 00237-223857 Fax: 00237-223859 E-Mail: samuel.nguiffo@camnet.cm