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Zu: Blutige Diamanten: Interview und Informationen

Interview mit De Beers mit Tim Weekes, Sprecher von De Beers Corporate Communications, London

RdR: Teilen Sie die Einschätzung von Global Witness, dass illegal durch Rebellen gewonnene und gehandelte Diamanten die Bürgerkriege in Angola, Sierra Leone, Liberia und der DRC verlängert haben und Friedensvereinbarungen dadurch gebrochen wurden? Tim Weekes: Wir stimmen absolut mit Global Witness überein, dass von Rebellen abgebaute und gehandelte Diamanten in den genannten Ländern eine Rolle bei der Finanzierung der Konflikte gespielt haben. Der Bruch von Friedensvereinbarungen ist allerdings ein komplexes Thema, bei dem in jedem einzelnen Land viele Faktoren mitwirken. RdR: Warum hat Be Beers im März 2000 eine neue Diamantenpolitik verabschiedet, die erklärtermaßen garantieren soll, dass von Ihrem Unternehmen gehandelte Diamanten keine „Konfliktdiamanten" sind? Tim Weekes: Diese Maßnahme wurde in Form einer Garantie gegenüber unseren Kunden ergriffen, die sicher stellt, dass von uns verkaufte Ware nicht aus Konfliktgebieten stammt. Das ist nicht unbedingt eine neue Politik, weil wir schon im Oktober 1999 ein komplettes Embargo gegen Waren aus Angola verhängt und uns strikt an die entsprechende UN-Resolution 1173 gehalten haben, seit sie im Juni 1998 in Kraft getreten ist. RdR: Können Sie heute ein praktikables Zertifizierungssystem vorweisen, mit dem garantiert wird, dass keine Konfliktdiamanten mehr verkauft werden Tim Weekes: Ja, wir legen seit Februar diesen Jahres unseren Produkten eine Garantie bei, in der es heißt: „Keine Diamanten aus dieser Lieferung wurden erworben unter Bruch der UN-Resolution 1173. Die von De Beers und assoziierten Unternehmen erworbenen und gehandelten Diamantenlieferungen enthalten keine Diamanten, die aus irgendeiner Region Afrikas stammen, in der bewaffnete Einheiten gegen eine gewählte und international anerkannte Regierung kämpfen". Bei sämtlichen Lieferungen, egal ob aus eigenen Mi oder von anderen Produzenten etwa aus Russland Kanada, können wir genau Rechenschaft abgeben über die Quelle. RdR: Können Sie bestätigen, dass das Unternehmen Decker Diamonds zwischen 1993 und 1997 UNITA- Diamanten aus Angola auch an De Beers geliefert hat? Tim Weekes: Mit vielen anderen Unternehmen habe wir von Anfang bis Mitte der 90er Jahre Rohdiamanten aus Angola bezogen. Das geschah in einer Situation, a der Friedens- und Versöhnungsprozess in Angola lief und die Aussicht auf Frieden bestand. Auch wenn wir niemals direkt bei der UNITA oder ihren Repräsentanten gekauft haben, ist es logisch anzunehmen, dass eir bestimmter Teil der Diamanten in dieser Zeit aus von der UNITA gehaltenen Gebiete stammte. Damals gab es aber keine Anzeichen dafür, dass der Friedenskurs aufhören würde, weder von der UN, noch von Regierungen oder NGOs. UN-Truppen waren damals sogar mit der Beobachtung von Diamantenabbau durch die UNITA beauftragt. RdR: Hat De Beers jemals Diamanten aus Liberia, Sierra Leone, der ZAR oder der DRC direkt oder indirekt gekauft? Tim Weekes: In Sierra Leone und Liberia haben wir seit über 15 Jahren kein Einkaufsbüro mehr. Den Einkauf in der DRC haben wir im Oktober 1999 beendet - es gab auch einen Vertrag vor Ort, mit der Produktion aus der staatlichen Miba-Mine handeln zu dürfen. Der Vertrag lief von 1985 bis 1997. In der ZAR hatten wir niemals ein Einkaufsbüro. Seit Ende 1999 haben wir in Afrika überhaupt keine Einkaufs-Niederlassungen mehr. RdR: De Beers betreibt in Afrika 20 eigene Diamantenminen. In welchen Ländern genau liegen diese? Tim Weekes: Die Diamantenminen betreiben wir in Südafrika, Botswana, Namibia und Tansania.

Infos im Internet

Die Angaben über den Anteil von Blutdiamanten an der weltweiten Diamantenproduktion schwanken. De BeersSprecher Andrew Lamont schätzt, dass nur etwa drei Prozent aller Rohdiamanten aus den Konfliktgebieten Afrikas stammen. Die britische und die amerikanische Regierung glauben, er liege viel höher. Auch Christine Gordon, eine unabhängige Diamantenexpertin aus London, hält die Zahlen von De Beers für untertrieben. Zumindest bis Mitte der 90er Jahre sei 10 bis 15 Prozent der weltweiten Nachfrage aus den Konfliktgebieten Afrikas gedeckt worden. Inzwischen ist immerhin Bewegung in die Diskussion über das Thema gekommen. De Beers hat auf seiner kanadischen homepage eine Reihe von Absichtserklärungen, Pressemitteilungen und Selbstverpflichtungen veröffentlicht (www.debeers.ca). Die in London sitzende NGO Global Witness publiziert regelmäßig aktuelle Informationen über das Internet. Dort kann auch die im Juni dieses Jahres veröffentlichte Studie „Conflict Diamonds" herunter geladen werden (www.globalwitness.org). Informationen vor allem zur Situation in den zentralafrikanischen Nationalparks verbreitet der Berggorilla und Regenwald Direkthilfe e.V. über das Internet (www.berggorilla.com).