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RegenwaldReport 03/2001

Im Namen des Öls: Vergiftetes Land, verschuldeter Staat

Ecuadors 30jährige Erfahrung mit Ölexporten ist ein einziger Alptraum – außer für die Gläubigerbanken

Bunt schillernde Ölseen, berstende Rohre, zerstörte Wälder, tote und kranke Menschen und ein Schwindel erregendes Schuldenloch – das Ölbusiness hat in Ecuador eine nicht zu übersehende Spur hinterlassen. Nur die WestLB weiß von alledem offenbar nichts. Vor rund 30 Jahren hat Texaco die bisher einzige Pipeline durch Ecuador gebaut. Ihr Name: SOTE. Mit dem Einstieg ins Ölgeschäft begann für das Land ein fast beispielloser ökologischer, sozialer und auch wirtschaftlicher Niedergang. Nach einer von der Umweltorganisation Accion Ecologica veröffentlichten Statistik kamen bisher entlang der SOTEPipeline 30 Menschen zu Tode, Dutzende von Menschen werden vermisst oder wurden verletzt. Allein in den vergangenen drei Jahren gab es 14 größere Leckagen. Seit 1970 traten etwa 74 Millionen Liter Öl unkontrolliert aus und führten zu irreparablen Umwelt- und Gesundheitsschäden. Im Juni diesen Jahres wurden bei einem Erdrutsch in Papallacta an der SOTEPipeline 36 Menschen verschüttet, und das aus der gebrochenen Leitung ausströmende Öl ergoss sich in einen wenige Meter entfernten Fluss. Die Planung und Durchführung der Umweltverträglichkeitsstudie (UVP) sowie die Entscheidung für das WestLB-Projekt auf politischer und administrativer Ebene waren von Desinformation, Korruption und gravierenden Mängeln gekennzeichnet (Interview auf Seite 8). Anfang 2001 wurde die Pipeline zunächst ohne UVP genehmigt, ein Verstoss gegen nationale Umweltgesetze. Danach hatte die Firma Emtrix gerade zwei Monate Zeit, für eine 500 Kilometer lange Route eine UVP zu erstellen. Planung und Bau der Pipeline entsprechen weder nationalen ecuadorianischen noch internationalen Umweltstandards und verstoßen gegen zahlreiche nationale Gesetze. Miguel Aleman, Geschäftsführer der Firma Emtrix, hat in einem Interview erklärt, Brüche der Pipeline seien aufgrund der sehr instabilen geologischseismischen Verhältnisse entlang der geplanten Pipelinetrasse unvermeidbar – wie schon bei der bereits existierenden SOTE. Seit den frühen 70er Jahren wurden etwa 1,5 Milliarden Barrel Öl aus dem ecuadorianischen Amazonas geholt. Bohrschlämme, Öl- und Chemikalienrückstände werden häufig direkt in Flüsse und Bäche geleitet, aus der die örtliche Bevölkerung ihr Trinkwasser bezieht. Oder die giftigen Rückstände werden in Lagunen zwischengelagert, ohne sie fachgerecht zu sichern, wodurch es ebenfalls zu großen Umweltverseuchungen kommt. Heute gibt es in Ecuador mindestens 350 Ölaltlasten, die Böden, Wasser und Luft vergiften. Zusätzlich wird die Umwelt von Emissionen aus Raffinerien belastet. Als Folge leiden Tausende Menschen an umweltbedingten Krankheiten, darunter Krebs, Hautausschlägen und Atemwegserkrankungen. 30.000 von Umweltund Gesundheitsschäden betroffene Personen klagen seit 1993 gegen die Ölfirma Texaco in einem internationalen Gerichtsprozess und fordern zur „Behebung“ der von der Firma verursachten Schäden 1,5 Milliarden US-Dollar und als Entschädigung eine noch unbekannte Summe. Der Vorwurf: Der Ölkonzern habe ihre Flüsse, Regenwälder und Ländereien zerstört und Zehntausende einem erhöhten Krebsrisiko ausgesetzt. Ein Jahr später schlossen sich peruanische Indianer mit einer ähnlichen Klage an. Sechsmal wurde bereits von US-amerikanischen Gerichten der Texaco-Versuch abgelehnt, eine Klage in den USA für nicht zulässig zu erklären. Die WestLB verteidigt ihr geplantes Projekt mit den Worten, es sei „wirtschaftlich wichtig für das arme Land.“ Ein Blick auf die ökonomischen Daten entlarvt die WestLBBegründung als zynisches Argument. An der Ausbeutung der Ölvorkommen seit Beginn der 70er Jahre haben allenfalls ein paar internationale Konzerne und Banken bestens verdient – die soziale Situation der Bevölkerung hat sich dramatisch verschlimmert. Die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen hat sich von 1970 bis 1998 verdoppelt! Die Auslandsverschuldung des Landes ist von 217 Millionen auf 16,4 Milliarden US-Dollar (1998) gestiegen und ist heute die höchste pro Kopf in Lateinamerika. Von den 2,4 Milliarden Dollar, die im Jahr 2000 durch Öl verdient wurden, sind ungefähr 100 Millionen im Land geblieben. Der Rest ging für Schulden drauf. Experten kennen den Hauptgrund für Ecuadors horrende Auslandsschulden: Mit dem Einstieg ins Ölgeschäft stieg die internationale Kreditwürdigkeit des Landes, Millionen schwere Darlehen flossen problemlos. Doch unsinnige Investitionen und Korruption ließen viele Gelder in dunklen Kanälen versickern. Nach Untersuchungen von Transparency International, das die weltweite Korruption analysiert, gehört Ecuador zu den 13 korruptesten Ländern der Erde von 91 untersuchten. Bei der für das neue Projekt angestrebten Ölfördermenge und unter Berücksichtigung der bekannten Ölvorkommen im Land werden sich die Reserven in etwa 20 Jahren erschöpft haben. Ecuador wird dann vom Ölexporteur zum -importeur. Mit ihren Plänen ist die WestLB dafür verantwortlich, dass zur Begleichung von Auslandsschulden einmalige Naturschätze und das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung zerstört sowie die natürlichen Ressourcen des Landes für immer ausgebeutet werden – zum Wohle der Gläubigerbanken.