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RegenwaldReport 02/2001

Die Deutsche Bank und die Pipeline

Proteste stoppen Deutsche Bank-Kredit für katastrophales Öl-Projekt. Einzigartige Regenwälder in Ecuador bedroht - Regierung ignoriert internationalen Proteststurm

Ist die Deutsche Bank vor der weltweiten Regenwaldbewegung in die Knie gegangen? Trotz einer noch verwirrenden Informationslage gibt es immerhin die Zusage des Geldinstituts, sich nicht an einem katastrophalen Erdölprojekt in Ecuador zu beteiligen. Vorausgegangen waren massive internationale Proteste gegen das Projekt. „Die Deutsche Bank wird keinen verbindlichen Vorschlag zur Finanzierung oder Beteiligung an dem Projekt unterbreiten!“ teilte Dierk Hartwig, Pressesprecher des Konzerns, schließlich Rettet den Regenwald mit. Die Regierung in Ecuador hat dagegen unbeeindruckt von den Protesten einem internationalen Firmenkonsortium soeben grünes Licht gegeben, die neue Erdölpipeline von der Amazonasregion des Landes bis zur Pazifikküste mitten durch das so genannte "Mindo-Schutzgebiet" zu bauen. Die Trasse wird durch einzigartige Regenwälder führen. Seit Wochen kursieren Meldungen, wonach das Geld für das Mammutprojekt teilweise aus Deutschland stammt. Neben der Hypovereinsbank und der Vereins- und Westbank wurde von südamerikanischen Umweltverbänden besonders die Deutsche Bank genannt, die mit einem millionenschweren Kredit bei dem Vorhaben dick im Geschäft sei. Mitte Mai ließ die Deutsche Bank in einer ersten Stellungnahme gegenüber Rettet den Regenwald noch ein Hintertürchen offen und teilte mit: „Eine größere Anzahl international tätiger Kreditinstitute, darunter auch die Deutsche Bank, wurden auf das Projekt Ecuador angesprochen. Unser Haus ist zum heutigen Zeitpunkt keine Verpflichtung eingegangen, sich an diesem Projekt zu beteiligen.“ Merkwürdig allerdings: Bereits am 4. April hatte die New Yorker Filiale in einer Pressemitteilung verkündet, sie habe gemeinsam mit der Citibank (USA) soeben einen 200 Millionen Dollar „standby"-Kredit“ für das Unternehmen Pecom Energia unterschrieben, das zur argentinischen Perez Companc gehört, dem größten privaten Energiekonzern in Lateinamerika. Weiter heißt es in der Pressemitteilung: Die ein Jahr gültige Einrichtung (des Kreditrahmens) sichere die Verpflichtungen von Perez Companc ab, die das Unternehmen als Teil des Konsortiums eingegangen ist, welches Ecuadors neue Pipeline baut. Auf die Pressemitteilung angesprochen, teilte die Deutsche Bank in Frankfurt mit, es handele sich nur um eine Absichtserklärung. Und um das Verwirrspiel perfekt zu machen, sickerten Informationen durch, die Deutsche Bank wolle vor einer finanziellen Beteiligung an dem Projekt eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung. Rettet den Regenwald wird weiter beobachten, ob sich der Konzern tatsächlich an sein Ausstiegsversprechen hält. Der Schock über den kürzlich havarierten Tanker JESSICA sitzt noch tief in Ecuador. Aus dem leckgeschlagenen Rumpf ergossen sich über 200.000 Gallonen (etwa 760.000 Liter) Öl in die Gewässer vor den Galapagos-Inseln. Die Kronjuwelen unter den ecuadorianischen Nationalparks entgingen nur knapp einer riesigen Umweltkatastrophe. Bei einigen Menschen sitzt der Schock offensichtlich nicht tief genug. Die ecuadorianische Regierung ließ sich von Warnungen vor irreparablen Umweltschäden nicht beeindrucken und genehmigte jetzt den Bau der neuen Erdölpipeline. Obwohl der Entwurf für eine alternative südliche Trasse existiert, die größtenteils neben einer bereits bestehenden Pipeline entlang führen würde, favorisieren die Vertragspartner eine nördliche Route. Diese wird durch elf Schutzgebiete führen, das „Mindo Nambillo Nebelwald-Reservat“ zerschneiden und weitere, ökologisch hochsensible Regenwälder bedrohen. Damit verstößt das Vorhaben ganz offensichtlich gegen ecuadorianische Umweltgesetze und treibt die vom Ökotourismus lebende lokale Bevölkerung in den wirtschaftlichen Ruin. Mitte April übergab das Konsortium eine von der Firma Entrix erstellte Umweltverträglichkeitsprüfung, die unter Experten sehr umstritten ist. Um die neue Pipeline zu füllen, muss Ecuador seine derzeitige Ölproduktion verdoppeln. Das wird zu einem Boom bei der Suche nach neuen Ölquellen führen und die letzten uralten Regenwälder und die Gebiete noch weitgehend isoliert lebenden indigener Völker bedrohen. Hunderte neue Bohrlöcher müssen in den Boden getrieben werden. Bedroht sind dadurch auch geschützte Gebiete wie der „Yasuni Nationalpark“, das „Cuyabeno Wildlife Reservat“ und die biologischen Reservate „Limoncocha“ und „Panacocha“. Gemeinsam fordern ecuadorianische und internationale Umweltgruppen einen Stopp für das Projekt und ein Moratorium für jegliche Ölförderung in der Amazonasregion des Landes. Obwohl die Bauarbeiten erst im August beginnen sollen, haben nach Beobachtungen örtlicher Naturschützer beteiligte Unternehmen bereits mit illegalen Rodungen versucht, Fakten zu schaffen. Grundstücksbesitzer nahe der geplanten Trasse seien massiv eingeschüchtert und illegale Siedlungen errichtet worden. Rettet den Regenwald beteiligt sich seit Mitte Mai an einer weltweiten Protestbewegung gegen die geplante nördliche Trassenführung. Mittlerweile haben eine Reihe internationaler Umweltorganisationen an die drei federführenden Geldgeber geschrieben und sie aufgefordert, von der Finanzierung des Projekts zurück zu treten. In Ecuador selbst haben Tausende Menschen gegen die geplante Pipeline demonstriert, darunter Wissenschaftler und Veranstalter von Ökotouren durch den Regenwald. Zusätzlich haben ecuadorianische Umweltgruppen Klage gegen die Rechtmäßigkeit des Projektes eingereicht. In den vergangenen zehn Jahren hat sich in dem betroffenen Gebiet ein blühender Ökotourismus entwickelt. Besucher aus aller Welt werden von der einzigartigen Landschaft angelockt und sichern der lokalen Bevölkerung ein bescheidenes, aber langfristiges Einkommen. In den kommenden 20 Jahren rechnet der aufstrebende Wirtschaftszweig mit etwa 600 Millionen Dollar Einnahmen. Die geplante Pipeline ist für den noch jungen Ökotourismus ein schwerer Rückschlag, weil er auf intakte Wälder angewiesen ist. Gerade in Ecuador ist die Gefahr von Ölunfällen besonders groß. An der bereits bestehenden großen Pipeline des Landes gab es in den vergangenen drei Jahren 14 große Leckagen. Die betroffene Bevölkerung und Umweltgruppen vor Ort bitten um weitere internationale Unterstützung gegen die ökonomisch, ökologisch und sicherheitstechnisch bedenklichere nördliche Route. Zusätzliche Informationen finden Sie auf unserer homepage www.regenwald.ORG