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Regenwald Report 02/2011

Jubiläum von Rettet den Regenwald - 25 Jahre für den Regenwald

Rettet den Regenwald wird am 5. Juni 25 Jahre alt. Es ist uns zwar nicht gelungen, die Abholzung der Tropenwälder endgültig zu stoppen. Aber wir können auf Erfolge blicken und ziehen daraus die Kraft, um weiterhin für die Bewahrung unserer Naturschätze zu kämpfen. Jetzt brauchen wir noch einmal alle Energie, um uns zu empören und zu handeln. Damit der artenreichste Lebensraum unserer Erde erhalten bleibt.

 

Die gehen nicht wieder weg. Das war den Managern von Coca Cola in Hamburg klar. 30 Umweltschützer haben es sich in der Empfangshalle der Abfüllstation in Hamburg Stellingen bequem gemacht. Schlafsäcke ausgebreitet, Thermoskannen ausgepackt. Es ist der 27. Februar 1987 – die erste direkte Aktion für den Regenwald in Deutschland. Es geht um Plantagen, die Coca Cola rücksichtslos in den geschützten Wald von Belize holzen will, um Apfelsinen für Fanta & Co anzupflanzen. Wir, Umweltschützer von Robin Wood, Urgewald und Vegetarierbund, werden nicht wieder gehen, bevor Coca Cola nicht auch aus dem Wald verschwindet. Hektische Telefonate mit Amerika folgen, Coca Cola ist extrem beunruhigt. Außer den entschlossenen Umweltcampern hat die Firma auch noch den Fernsehfilmer Bernhard Grzimek am Hals, der die Aktion moralisch unterstützt. Das Ergebnis ist ein großer Triumph. Nach einigen Stunden gibt der Weltkonzern nach. Aus für die Plantage, voller Sieg für die Waldschützer.

Dies war die erste große Aktion unseres Vereins, zahlreiche sollten folgen – und viele hatten Erfolg. Die Macht von Konsumenten, Wählern und verantwortungsbewussten Bürgern kann Regenwälder retten. Davon war Reinhard Behrend überzeugt, als er vor 25 Jahren das Regenwälder Zentrum gründete.

Vorbild war das australische Rainforest Information Centre. „Die Australier haben Protestaktionen gemacht wie wir früher in Brokdorf. Sie haben sich an Bäume gekettet, den Bulldozern entgegengestellt, sich sogar bis zum Hals eingegraben.“ Die australischen Regenwälder stehen heute unter Schutz.

Den Anstoß zum Handeln gaben bedrohte Orang-Utans und Berggorillas. Reinhard Behrend bereiste Ende der 70er-Jahre Sumatra und den Kongo und sah damals die Katastrophe heraufziehen: Für unseren Bedarf an Möbeln und Sperrholz fielen Baumriesen, Tag für Tag. „Ich musste unbedingt etwas tun“, sagt der Hamburger Soziologe.

Was vom Regenwald übrig blieb : Reinhard
Behrend prüft in Kamerun, woher das zertifi-
zierte Holz kommt

Am Gründungstag im Juni 1986 erschien auch die erste Ausgabe des Regenwald Reports, damals noch als „Regenwälder Zeitung“ – auf der Maschine getippt. Damals haben wir unter anderem berichtet, dass Palmöl-Plantagen in Ecuador den Regenwald im Amazonas vernichten und durch Tropenholzimporte die Urwälder in Afrika und Asien zerstört werden.

Informationen zu sammeln über die Regenwaldzerstörung und die Verantwortlichen öffentlich beim Namen zu nennen. Das sind weltweit Konzerne, Regierungen und Banken.

„Wir geben den Regenwald-Bewohnern in unserer konsumgesteuerten Welt eine Stimme“, sagt Behrend. „Es sind schließlich deutsche Firmen und europäische
Steuergelder, die den Regenwald kaputt machen. Dagegen hilft Bäumepflanzen
allein leider nicht – sondern vor allem ein Aufschrei bei uns.“

In Deutschland hat die Kampagnenarbeit von Rettet den Regenwald zahlreiche Städte und Gemeinden zum Tropenholzverzicht bewegt. Durch unsere hartnäckigen Protestaktionen, an denen sich jeweils mehr als 15.000 Menschen beteiligen, geraten Konzerne wie Ikea, Henkel und die Lufthansa in Erklärungsnot, wie ihr angeblich nachhaltiges Palmöl gewonnen wird. Und inzwischen weiß wohl jeder Politiker, dass für unseren „Biokraftstoff“ und unsere „Bioenergie“ Regenwälder gerodet und Menschen von ihrem Land vertrieben werden und hungern.

Der Druck auf unsere Volksvertreter ist offensichtlich noch nicht hoch genug. Deshalb brauchen wir weiterhin ihre Unterstützung.

„Tropische Regenwälder sind für mich der faszinierendste Lebensraum der Erde“, sagt Reinhard Behrend. „Etwa 5,4 Millionen Quadratkilometer gibt es noch. Wir haben also keine Zeit zu verlieren.“

Die Organisation: Klein, Vielseitig, Schlagkräftig, Präsent

Rettet den Regenwald-Mitarbeiter im Einsatz: Das Team ist vernetzt mit Partnern in 20 Ländern auf allen Kontinenten, verarbeitet und verbreitet Informationen über Menschenrechtsverletzungen und Naturzerstörung. Wir organisieren Veranstaltungen und Infostände, diskutieren mit Politikern, überreichen Unterschriftenlisten.
Wir halten Vorträge in Schulen, beantworten Fragen von Lesern, Unterstützern, Medienpartnern. Wir geben Radio- und TV-Interviews, betreiben Öffentlichkeitsarbeit. Und wir besuchen unsere Partner, um uns vor Ort ein Bild von ihrer Arbeit zu machen.

 

Die Partner im Regenwald : Mutig, Informativ, Konsequent

„Das Sammeln, Austauschen und Veröffentlichen von Informationen sind unsere stärksten Waffen“, sagt Nordin von Save our Borneo. Weil die Menschen oft abgelegen und schwer erreichbar in den Wäldern leben, zum Teil nicht lesen und schreiben können. Deshalb haben Holz-, Palmöl- und Bergbaukonzerne so leichtes Spiel. Mit GPS, Videos und Fotos sammeln die Regenwald-Kämpfer Daten und Beweise von Abholzungen. Sie zeigen die Verbrechen an und informieren Politiker und Medien. Mit Broschüren, Filmen, Workshops klären sie die Bevölkerung auf.

 

Die größte Herausforderung: Erfolgreich beendet

In Ecuador ist es den Bauern und Umweltschützern bis heute gelungen, ihren Nebelwald im Intag vor Ausbeutung und Zerstörung zu bewahren. Mit viel Mut, Zusammenhalt und internationaler Unterstützung konnten die Menschen innerhalb von mehr als zehn Jahren zwei Mal eine geplante Kupfermine verhindern. Brennpunkt der Konflikte waren die mit Spenden von Rettet den Regenwald erworbenen Sperrgrundstücke. Die Menschen haben die 3.000 Hektar Gemeindewald mitten in der Bergbaukonzession erbittert verteidigt. Jahrelange Gewalt und kriminelle Machenschaften sind allesamt am Ende gescheitert. Die Bauern betreiben heute Ökotourismus und Ökokaffee-Anbau.

 

Das Magazin: Reportagen, Hintergründe, Aktionen

Der Regenwald Report erscheint 4- bis 5-mal im Jahr mit Berichten und Meldungen aus den Ländern unserer Partner sowie Informationen über Gesetze und Pläne der deutschen und EU-Politiker. Der Regenwald Report enthält auch Protestaktionen mit Unterschriften-Listen und Postkarten. Außerdem einen Shop mit Büchern, Videos, Broschüren, Aufklebern, T-Shirts zum Thema Regenwald. Die ersten Ausgaben erschienen unter dem Namen Regenwälder Zeitung.

 

Die Webseite: Aktionen und konkrete Hilfe

Seit 1999 sind wir online, seitdem ist die Internetseite ständig gewachsen – und inzwischen fünfsprachig (deutsch, englisch, französisch, spanisch, portugiesisch).

Sie können dort an Protestaktionen teilnehmen, Spenden überweisen, Videos anschauen, die Ausgaben des Regenwald Reports herunterladen. Auch Unterschriften-Listen gibt es als Download. Sie finden aktuelle und Erfolgs- Meldungen, Fragen und Antworten zu Palmöl, Gold und Tropenholz. Außerdem:
Veranstaltungstermine und Online-Shop.