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Erfolg: Indianer retten ihren Naturschatz

Bolivien

Kein Weg war den Menschen zu steil: Ihre Heimat liegt zwischen 180 und 3.000 MeterKein Weg war den Menschen zu steil: Ihre Heimat liegt zwischen 180 und 3.000 Meter

Ihre Heimat gehört zu den magischen Orten im Amazonasgebiet. Denn der Nationalpark Isiboro Sécure ist einer der artenreichsten Lebensräume in Bolivien. Der Grund für die noch kaum erforschte Vielfalt ist die besondere Lage: Zwischen den Anden und dem Tiefland des Amazonas konnte sich eine Fülle von Tieren und Pflanzen Lebensräume erobern. Drei indigene Völker haben dort bis heute überlebt – sie nutzen die Waldfrüchte und kennen die Bedeutung jeder Medizinpflanze. Doch plötzlich war alles in Gefahr: Die Regierung plante eine Landstraße mitten durch den Regenwald. Die Verkehrsader wäre der Anfang vom Ende gewesen, das Einfallstor für Siedler, Holzfäller, Goldsucher und Landspekulanten, sagen die Einwohner. Dabei genießt das Regenwaldgebiet doppelten Schutzstatus – als Indianerterritorium und als Nationalpark Isiboro Sécure, abgekürzt TIPNIS. Die Menschen wollten die Zerstörung ihrer Heimat nicht kampflos hinnehmen – und machten sich auf den 660 Kilometer langen Weg zum Präsidentenpalast in La Paz. Rund 2.000 Indianer waren mehr als zwei Monate unterwegs. Der Marsch begann friedlich, doch dann eskalierte der Konflikt.

Die Polizei versuchte, die Familien aufzuhalten. Mit einer Prügelattacke sollte der Protest ausgelöscht werden. Zwei Minister traten zurück, die Straße drohte das Land zu spalten. Am Ende lenkte Präsident Evo Morales ein und blockierte das Bauprojekt. Später ging er zum Indianercamp vor dem Regierungssitz. Mit Handschlag und Umarmungen begrüßte er die Marschierer. „Die Regierung versteht euer Anliegen, deswegen habe ich dem Parlament empfohlen, dass die Straße nicht durch den TIPNIS führt“, erklärte Morales unter Applaus. Wenige Tage später lehnte auch das Parlament den Bau der Landstraße ab.

Rettet den Regenwald hat die Menschen bei diesem großen Erfolg unterstützt – mit zwei Protestaktionen auf der Webseite und der Übergabe von 20.000 Unterschriften an den bolivianischen Botschafter in Berlin bei einem persönlichen Gespräch. „Herzlichen Glückwunsch – danke für die Unterstützung unserer Kampagne für den TIPNIS”, schreibt uns Pablo Rojas aus Cochabamba. Mitten auf ihre Webseite haben die Aktivisten das Foto von unserer Unterschriftenübergabe in Berlin gestellt.