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Aluminium: leichtes Metall - schwere Schäden

Ob Joghurt-Deckel, Getränke-Dose oder gar im Deo – Aluminium spielt in unserem Alltag eine größere Rolle, als wir meinen. Doch um Aluminium zu produzieren, wird immer wieder Regenwald vernichtet, denn 90 Prozent des Ausgangsstoffes Bauxit lagern im Tropengürtel.

Kaffee-Kapseln

Wird wegen Aluminium Regenwald vernichtet?

Das Ausgangsmaterial von Aluminium ist Bauxit. Dieses Erz wird meist großflächig im Tagebau gewonnen. Von den heute bekannten Bauxitreserven lagern etwa 90 Prozent im Tropengürtel. In den Hauptabbauländern – Guinea, Jamaika, Indian, Australien und Brasilien – wird für den Abbau auch Regenwald zerstört. Oft ist damit die Lebensgrundlage indigener Völker bedroht – wie im Fall der Niyamgiri-Berge in Orissa (Indien).

Brasiliens wichtigste Bauxitmine Porto Trombetas – sie liefert 70 Prozent der brasilianischen Gesamtproduktion – liegt beispielsweise mitten in unberührtem Amazonas Regenwald. Die Einleitungen in den nahe gelegenen See Lago Batata verschlammten diesen vor 20 Jahren so stark, dass das Ökosystem des Sees abstarb. Noch heute werden hier jährlich 100 Hektar Wald für die seit 1979 existierende Mine gerodet.  

Ist die Aluminiumproduktion giftig?

Die Weiterverarbeitung des Bauxits zu Aluminium ist ebenso umweltschädlich. Als Abfall bleibt dabei der giftige Rotschlamm zurück. Pro Tonne hergestellten Aluminiums entstehen zwischen einer und sechs Tonnen des gefährlichen Abfallprodukts. Da es kaum Möglichkeiten zur Weiterverarbeitung für Rotschlamm gibt, wird die toxische Substanz in großen Seen deponiert oder einfach in Flüsse geleitet. Für die betroffenen Ökosysteme hat das meist tödliche Folgen.

Die bei der folgenden Verhüttung entstehenden Gase (v.a. Fluoride) schädigen die Flora, Fauna und Anwohner der Fabriken. Sie führen zu Atemwegserkrankungen, Knochenschäden (Fluorose), Hautproblemen und vielen weiteren Gefahren für die Gesundheit.

Heizt die Aluminiumproduktion das Klima an?

Für die Aluminiumverhüttung sind große Energiemengen notwendig. Die Hersteller versuchen daher diesen Produktionsschritt in Länder mit geringen Stromkosten zu verlegen. Die notwendige Energie wird vor allem durch Wasser- oder Kohlekraftwerke gewonnen. Die Wasserkraftwerke führen meist zu weiterer großflächiger Zerstörung von Regenwald und Lebensräumen. Zusätzlich tragen sie durch das entstehende Methan zum Klimawandel bei. Das Gas wird bei der Zersetzung von Pflanzenresten unter Wasser gebildet. Dadurch ist beispielsweise der Strom aus dem brasilianischen Kraftwerk Balbina klimaschädlicher als der aus einem vergleichbaren Kohlekraftwerk. Weitere Klimagase wie fluorierte Kohlenwasserstoffe (6000 – 9000 mal klimaschädlicher als CO2) werden bei der Verhüttung frei.

Wie wird Aluminium gewonnen?

Aluminium ist mit 8 Prozent das dritthäufigste Element in der Erdkruste. Erstmals gefunden wurde es im Jahr 1808. Die wirtschaftliche Produktion wurde erst im Jahr 1886 mit der Erfindung Elektrolyse-Verfahren möglich.

Von wirtschaftlicher Bedeutung für die Herstellung ist nur das Ausgangsmaterial Bauxit. Darin liegt Aluminium mit einem Anteil von bis zu 60 Prozent vor. Das geförderte Erz wird in Druckbehältern bei 150 bis 200°C mit Natronlauge erhitzt (Bayer-Verfahren). Dabei geht Aluminium in Form von Aluminat hervor. Die eisenreichen Rückstände (Rotschlamm) werden abgefiltert. Dieser basische Rotschlamm muss als Abfallprodukt deponiert werden. Das Aluminiumoxid wird geschmolzen und im Elektrolyse-Verfahren unter Einsatz von großen Mengen elektrischer Energie zu metallischem Aluminium reduziert. Die Herstellung von einer Million Tonnen Aluminiumoxid verbraucht dabei so viel Energie wie eine halbe Million Haushalte in einem Jahr.

Welche Folgen hat der zurückbleibende Rotschlamm für die Umwelt?

Der Rotschlamm besteht aus feinen Partikeln (Eisenverbindungen sorgen für die rote Farbe) und der bei der Produktion eingesetzen Natronlauge. Dazu kommen je nach Ursprung des verwendeten Bauxits noch eine Vielzahl an Schwermetallen.  

Wird der Schlamm schlecht deponiert oder wie in einigen Ländern gar einfach in nahe gelegene Flüsse geleitet, sind es vor allem die Schwermetalle und ätzende Natronlauge, die die gravierendsten Folgen haben. Die feinen Partikel verschlammen Flüsse und Seen in der Umgebung. Die dadurch verstopften Poren und Hohlräume führen zum schnellen Tod von Tieren und Pflanzen. Schlecht abgedichtete Deponien belasten das Grundwasser mit Schwermetallen. Sie werden so zu einer langfristigen Gefahr für die Gesundheit der in der Umgebung lebenden Menschen.  

Zu einem schweren Umglück mit Rotschlamm kam es im Oktober 2010 in Ungarn. Der Damm einer Deponie brach und bis zu eine Million Kubikmeter Schlamm überschwemmten die Umgebung. Dabei wurden mehrere Dörfer von der Schlammwelle überflutet, zehn Personen starben, 150 wurden verletzt und viele Häuser zerstört. Der Schlamm floss weiter über einen Nebenfluss in die Donau und rief dabei gravierende Schäden an Flora und Fauna der betroffenen Gewässer hervor.

Was hat der Belo Monte Staudamm mit meinem Pausenbrot zu tun?  

Der Belo Monte Staudamm im Norden Brasiliens ist ein gigantisches Kraftwerksprojekt am Fluss Xingu. Dafür entsteht durch das aufgestaute Wasser ein See mit Fläche von 600 Quadratkilometer – etwa die Größe des Bodensees. Wegen des Kraftwerks droht 20.000 bis 40.000 Menschen die Vertreibung. Die Lebensgrundlage von 18 verschiedenen ethnischen Gruppen, die am und vom Fluss leben, könnte zerstört werden. Vor allem die in der Region lebenden unkontaktierten Indigenen sind bedroht. Denn mit dem Bau geht eine massive Zuwanderung einher, wodurch Krankheiten eingeschleppt werden. Sie können für die Betroffenen den schnellen Tod bedeuten, da sie keine Antikörper gegen die Viren besitzen.

Mit einer Leistung von 11 Gigawatt soll es das drittgrößte Kraftwerk der Welt sein. Die Energie ist zum überwiegenden Teil für die energieintensive Exportindustrie Brasiliens bestimmt. Insbesondere die Hersteller von Aluminium im Norden des Landes werden den „günstigen“ und „klimafreundlichen“ Strom aus dem Wasserkraftwerk nutzen. Die Aluminium-Folie um Ihr Pausenbrot hat also Auswirkungen bis tief hinein in den Regenwald des Amazonas. Deshalb sollte das Brot möglichst in einer Brotbox transportiert werden, die man viele Male wiederverwenden kann.  

In welchen Alltagsprodukten steckt noch Aluminium?  

Neben der offensichtlichen Folie ist Aluminium auch noch in vielen weiteren Produkten des Alltags versteckt. Der Rohstoff findet sich in Verpackungen von Kaugummis, Schokoriegeln, Kaffee, Tetra-Packs, Yoghurt-Deckeln, Zahnpasta- und Senf-Tuben, Deodorant- und Getränkedosen und sogar den Deckeln von Glasflaschen.  

Deshalb ist es wichtig wo möglich auf Verpackungen solcher Art zu verzichten - wenn nicht so zumindest die Abfälle zu recyclen, denn Aluminium ist vollständig recycelbar. Für die Produktion von sogenanntem Sekundäraluminium ist nur fünf Prozent der Energie der Neuproduktion nötig.  

Jedoch ist es schwierig das Aluminium in Verbundverpackungen (Kaffeeverpackung oder Tetra-Packs) im Recyclingprozess wiederzugewinnen. Diese Abfälle werden heute entweder bei der Zementherstellung benutzt oder verbrannt.  

In Haushalten findet sich der Rohstoff wegen der guten Wärmeleitfähigkeit Kochgeräten und beim Hausbau ( z.B. in Fenstern). Das Material wird darüber hinaus wegen seines geringen Gewichts in großen Mengen in Flugzeugen, Eisenbahnwaggons, Autos und Hochspannungsleitungen verwendet. In der Elektronikindustrie kommt es als Substitut für Kupfer immer häufiger zum Einsatz. Auch der stark steigende Ausbau der Solarenergieerzeugung führt durch die aus Aluminium hergestellten Befestigungssysteme zu einem steigenden Verbrauch.

Wie viel Aluminium verbrauchen wir in den Industrieländern eigentlich?  

Wegen seiner geringen Dichte – es gibt nur drei leichtere Metalle – spielt Aluminium heute eine große, wachsende Rolle in der Industrie. So steigt der Verbrauch des Metalls auch in den Industriestaaten weiterhin an. Bezogen auf den Pro-Kopf-Verbrauch nimmt Deutschland hier mit 31,6 kg pro Person und Jahr den Spitzenplatz ein, gefolgt von den USA (30 kg/p a) und Japan (26,4 kg/p a).

Dabei entfällt weltweit mit 29 Prozent der größte Teil der Verwendung von Aluminium auf den Verkehrssektor, gefolgt vom Bausektor (22 Prozent), Verpackungen (15 Prozent), Stromproduktion (12 Prozent), sowie dem Maschinenbau und langlebigen Konsumgütern (jeweils 9 Prozent). In Deutschland liegt der Wert für den Verkehrssektor wegen der hier produzierenden Automobilindustrie bei 44 Prozent des Gesamtverbrauchs, gefolgt von 16 Prozent im Bausektor sowie 9 Prozent für Verpackungen (Quelle USGS2007). 

Wer ist für den Bauxitabbau und die Aluminiumherstellung verantwortlich?

Die Hauptförderländer von Bauxit sind Australien (30 Prozent der Gesamtproduktion 2011), China (20,9 Prozent), Brasilien (14 Prozent), Guinea (8 Prozent), Indien (9 Prozent) und Jamaika (5 Prozent). Weitere unbedeutendere Vorkommen finden sich in den USA und Europa. Guinea ist das Land in dem derzeit mit 7,4 Mrd Tonnen die größten Reserven vermutet werden (US Geological Survey 2012). Die großen Aluminiumkonzerne sind überwiegend Unternehmen der Industrienationen. Sie kontrollieren gemeinsam fast 50 Prozent der weltweiten Produktion, angeführt von RUSAL (Russland), gefolgt von Alcoa (USA), Rio Tinto Alcan (Kanada), Chalco (China) und Norsk Hydro (Norwegen). Quelle: Reuters

Gibt es „sauberes“ Aluminium?

Das „sauberste“ ist das erst gar nicht verbrauchte Aluminium. Jede vermiedene Verpackung mindert die Schäden für die Umwelt. Wenn der Verbrauch unumgänglich ist, sollte es über die entsprechenden Entsorgungssysteme recycelt werden.  

Es gibt auch weniger schädliche Verfahren der Aluminiumherstellung, wie es beispielsweise in einem Aluminiumwerk in der Nähe von Hamburg angewandt wird. Hier wird mittels moderner Anlagen versucht, den Energieverbrauch so weit wie möglich zu verringern. Der im Werk anfallende Rotschlamm wird von der Natronlauge gereinigt, die für den erneuten Prozess recycelt wird. Anschließend wird der Schlamm in einer abgedichteten Deponie gelagert. So wird versucht die Umweltauswirkungen der Produktion so weit wie möglich zu verringern.  

Dadurch ungelöst sind selbstverständlich Probleme wie die Landschaftszerstörung beim Abbau des Bauxits und der klimaschädliche Transport nach Deutschland.  

Kommen mit der Aluminiumherstellung nicht wichtige Devisen und Entwicklung in die Produktionsländer?  

Meist entstehen durch die Projekte zunächst große Schuldenberge für deren Zinszahlung jahrelang Geld in die reichen Länder fließt. Nicht nur werden die Anfangsinvestitionen für die Minen zum großen Teil vom Staat übernommen, um ausländischen Firmen anzuwerben – die benötigten Wasserkraftwerke werden ebenfalls vom Staat bezahlt. In Brasilien handelten die vertretenen Aluminiumhersteller gemeinsam Verträge mit dem staatlichen Stromkonzern aus. So beziehen sie den Strom zu Preisen unter den Bereitstellungskosten. Weitere Vergünstigungen wie Steuerbefreiungen, zollfreie Einfuhr von Betriebsmitteln und Einkommenssteuerbefreiung ausländischer Angestellter sollen Konzerne den Regierungen zufolge anlocken.  

Für die Bevölkerung dagegen entstehen durch die Projekte nur sehr wenige Arbeitsplätze, aber oft große soziale und ökologische Probleme. Das Beispiel des Turucuí-Staudamms zeigt, dass die Bevölkerung kaum profitiert. Trotz des Werks sind z.B. einige Gemeinden in der Umgebung des Kraftwerks immer noch nicht an das Stromnetz angeschlossen. Das abgebaute Bauxit bzw. hergestellte Aluminium ist hauptsächlich für den Export bestimmt.  

Was kann ich tun?

  • Verzichten Sie wo immer möglich auf Aluminium-Folie. Verwenden Sie Brotboxen und Tupperware. 
  • Für Grill-Abende gibt es Edelstahl-Grillschalen, die mehrfach verwendet werden können und die Aluminiumfolie überflüssig machen. 
  • Zur Getränke-Dose gibt es die Mehrwegflasche als Alternative.
  • Kaufen Sie keine Kleinstpackungen wie z. B. Miniportionen Marmelade, Honig oder Kondensmilch. Auch Pröbchen aus dem Drogeriemarkt haben oft eine aluminium-beschichtete Verpackung. 
  • Statt Senf-Tuben gibt es diesen auch im Glas. Das kann nach dem Aufbrauchen als Trinkglas weiterverwendet werden. 
  • Kaufen Sie Bio-Kaffee, am besten von einem kleinen Röstereibetrieb, anstatt Kapseln zu verwenden. Dadurch sparen Sie nicht nur Aluminium und schützen so den Regenwald, sondern schonen auch ihren Geldbeutel. Zudem können Sie Ihren Röster vielleicht dazu bewegen, anstatt Verbundverpackungen solche ohne Aluminium zu verwenden.
  • Können Sie die Verwendung von Aluminium-Produkten nicht vermeiden, sollten Sie darauf achten, dass das Aluminium möglichst abgetrennt in die Recyclingtonne kommt. 
  • Bei der Renovierung Ihres Hauses können Sie Fenster mit Holzrahmen anstatt Alufenster einbauen lassen. Natürlich aus einheimischen Hölzern.
  • Greifen Sie beim Kauf eines Deodorants zu einem Produkt ohne Aluminium als Inhaltsstoff. Achten Sie auch auf die Beschaffenheit der Verpackung.
  • Bitten Sie Hersteller, die Aluminiumverpackungen nutzen, ihre Produktion umzustellen. 
  • Unterstützen Sie die Arbeit von Rettet den Regenwald, um den Wald vor dem Raubbau für die Aluminiumherstellung zu schützen. 
  • Legen Sie den Regenwald Report beim Friseur, im Wartezimmer Ihres Arztes oder anderer Stelle aus. Wir senden Ihnen gerne ausreichend Exemplare.
  • Informieren Sie Ihre Familie, Freunde und Bekannte über die Folgen der Aluminiumproduktion im Regenwald. 

Rettet den Regenwald 2012

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