Brief an Elon Musk aus Indonesien: Gegen Nickelabbau für E-Autos!

Nickelmine im Morowali-Schutzgebiet auf Sulawesi Nickelabbau im Schutzgebiet Morowali auf Sulawesi (© Jatam Sulteng) Abholzung für Nickelmine PT Vale Nickelbatterien zerstören Regenwald. Abholzung für die Nickelmine des brasilianischen Bergbaugiganten Vale auf Sulawesi (© WALHI Sulsel) Verschmutzung des Meeres durch die Nickelschmelze Gelber Schlamm im Korallen-Dreieck. Abraum einer Nickelschmelze in Morowali, Sulawesi (© Jatam Sulteng)

18.05.2022

Indonesien hat große Nickelvorkommen auf Sulawesi und auf den Molukken. Der Abbau von Nickel, dessen Verhüttung und Abtransport sowie der Bau von Fabriken zerstören den Regenwald, das Korallen-Dreieck und menschliche Existenzen. Umweltgruppen schreiben Alarmbriefe an Elon Musk, den Chef des Elektroauto-Konzerns Tesla

Elektroautos werden weltweit als eine Lösung für die Klimakrise angepriesen. Energiewende und grüne Energien sind die Zauberworte der Autoindustrie. Doch für die Produktion von E-Autos werden gewaltigen Mengen von Metallen benötigt, darunter Nickel. Die Versorgung der Autobatteriefabriken mit Nickel ist daher essentiell für die Autokonzerne und Batteriehersteller.

Seit 2020 hat Indonesien den Export von unverarbeitetem Nickel gestoppt, um in Zukunft selbst Nickelstahl zu produzieren und die Welt mit Autobatterien auf Nickelbasis zu versorgen. Inzwischen haben mehrere Nickelschmelzen den Betrieb aufgenommen, weitere sind im Bau. Sonderindustriezonen entstehen, zumeist betrieben von chinesischen Konzernen. Ein Riese ist auch der brasilianische Konzern Vale. Im Wettbewerb um die Nickelvorkommen der Welt hat im Moment auch der US-Konzern Tesla die Nase vorn.

Als Folge des Krieges in der Ukraine brechen die russischen Nickellieferungen weg, die bisher 8,4% des Bedarfs gedeckt haben. Indonesien will diese Lücke füllen und den Abbau von Nickelerzen und die Produktion von Produkten wie Nickelstahl und Batterien steigern. Indonesien hat bisher als größter Lieferant den Weltbedarf an Nickelerzen mit 19% gedeckt.

Tesla-Chef Elon Musk und Indonesiens Koordinierender Minister für Marine und Investitionen Luhut Panjaitan haben sich in den letzten Wochen mehrfach getroffen und Abbau, Verhüttung und Batteriefabriken verhandelt, unter dem Label „grüne Energie“ und Energiewende. Auch der Bau einer Giga-Fabrik für E-Autos in Indonesien soll auf der Agenda stehen. Sogar Präsident Joko Widodo hat sich mit Elon Musk getroffen und die zukünftigen Geschäftsbeziehungen erörtert.

Umweltgruppen insbesondere von der Insel Sulawesi, wo Indonesiens größte Nickelreserven liegen, sind über den Ansturm auf Nickel äußerst besorgt:

„Wir sind zutiefst beunruhigt, denn unsere jahrelange Arbeit lehrt uns, dass die Nickelindustrie die Umwelt zerstört, dass Indigene und Umweltschützer kriminalisiert werden, wenn sie sich gegen die Zerstörung ihres Landes wehren, und dass es zu weiteren Rechtsbrüchen entlang der Produktionskette kommen wird“, heißt es in einem Brief an Elon Musk und Investoren in Tesla.

Die Unterzeichner, Gruppen des Umweltnetzwerks WALHI (Friends of the Earth Indonesia) der Insel Sulawesi, erleben seit einigen Jahren die massive Expansion des Nickelabbaus. „Fast 700.000 Hektar im Regenwald sind bereits für Nickelabbau an Bergbaufirmen vergeben.“ Nicht nur der Regenwald wird zerstört, auch die Flüsse und das Meer werden mit toxischen Minenschlämmen verseucht. Ein Beispiel: „Die Abholzung von 4.449 Hektar Regenwald in Süd-Sulawesi hat zu Folge, dass der Mahalona-See, seine Zuflüsse und die gesamte Küstenregion verschlammt sind“, schreiben die Umweltschützer:innen an Elon Musk.

Für Nickel werden ganze Inseln geopfert, zum Beispiel auf den Molukken, obwohl Bergbau an Küsten und auf kleinen Inseln gesetzlich verboten ist. Das Meer wird durch Abraum und Minenschlämme verseucht. Die traditionell vom Fischfang lebende Bevölkerung an der Küste verliert ihre Lebensgrundlage, da die Meeresfauna zerstört ist.

Nickel schadet auch der Demokratie und der Meinungsfreiheit“, argumentieren die Umweltschützer in dem Brief an Tesla. An mehreren Orten in Sulawesi sind betroffene Einwohner verhört und verhaftet worden. Nachdem sie im März 2022 gegen die Ausweitung der Nickelförderung durch den brasilianischen Konzern Vale protestiert haben, sind mindestens vier Indigene im Gefängnis eingesperrt. Vale verfügt über große Konzessionen zum Nickelabbau auf Sulawesi.

Der Alltag der Bevölkerung in den Regenwäldern hat sich total verändert, seit große Gebiete für den Abbau von Nickel freigegeben worden sind. Sonderindustriezonen mit Nickelschmelzen und Batteriefabriken, in denen Bürger- und Arbeiterrechte massiv eingeschränkt sind, entstehen in der Nähe des Naturschutzgebietes Morowali und auf der Molukkeninsel Weda. Die Bevölkerung, Fischer und Bauern, verlieren ihre Existenzgrundlagen.

„Die Verschmutzung der Gewässer und der Luft, Landraub und der Verlust der Felder erschweren besonders das Leben der Frauen in dieser patriarchalischen Gesellschaft. Sie müssen jetzt quasi rund um die Uhr arbeiten, um ihre Familien zu ernähren", steht in dem Schreiben an Tesla.

Die WALHI-Gruppen fordern:

  • Keine weitere Expansion der Nickelminen;
  • Keine neuen Investitionen in die Nickelindustrie;
  • Einhaltung der Menschenrechte. 

Auch andere Umweltgruppen wie JATAM und AEER haben Briefe an Tesla und Tesla-Investoren geschrieben. Sie sind alarmiert von Plänen, den Abraum des Abbaus der Nickelerze in der Tiefsee zu verklappen. Dieses Verfahren zerstört die Meeresfauna, und das in einem Gebiet, das international als artenreiches Korallen-Dreieck der Unterwasserwelt bekannt ist.

Konkrete Planungen für die Tiefseeverklappung liegen für drei Meeresgebiete im Korallen-Dreieck, exakt in unmittelbarer Nähe der Sonderindustriezonen Morowali (Sulawesi), Obi und Weda (Molukken), vor. 

JATAM und AEER kritisieren zudem den Einsatz von Kohlestrom für vorgeblich "grüne" Energie auf Basis von Nickelbatterien. Sie erinnern Elon Musk an seinen eigenen Appell im September 2020, die Umwelt nicht zu zerstören.

Politik und Presse dagegen zeigen sich begeistert. Das Magazin Capital titelt: Tesla trotzt der Nickelkrise. 2021 habe Tesla Lieferverträge abgeschlossen, auch mit dem brasilianischen Bergbaugiganten Vale. Das indonesische Magazin Tempo zitiert Minister Luhut Panjaitan, den derzeit mächtigsten Mann im Archipel, mit den schönen Worten, Elon Musk und Tesla besuchten Indonesien, um über die Energiewende zu sprechen.

Doch die indonesischen Umweltschützer warnen vor dieser Art "grüner Energie" auf Kosten des Regenwaldes und der Menschen.