EU-Freihandelsvertrag bedroht Regenwälder

Bauern in Peru betrachten verzweifelt die Zerstörungen für Palmölplantagen

Das geplante Freihandelsabkommen mit Peru und Kolumbien gefährdet die Natur und Menschen in Lateinamerika. Denn er sichert europäischen Konzernen den Zugang zu den dortigen Rohstoffen und Agrarland. Bergbau, Ölförderung und Agroindustrie haben jedoch bereits jetzt fatale Auswirkungen auf die Umwelt.

Bitte fordern Sie die unsere Abgeordneten auf, dem geplanten Freihandelsabkommen nicht zuzustimmen.

„Vor allem die transnationalen Unternehmen profitieren von dem Freihandelsabkommen. Sie betreiben ihre Bergwerke ohne Rücksicht auf Umwelt und Natur", sagt die kolumbianische Anwältin Maria del Pilar Silva. Sie spricht die Mondlandschaften an, die sich durch den Bergbau in den Anden auf hunderten Quadratkilometern erstrecken. Genau dort, wo die Quellen der Flüsse liegen, die das Tiefland mit Wasser speisen.

Anreiz zur Ausweitung von Palmöl-Plantagen

Das Abkommen soll auch den zollfreien Import von Palmöl aus Kolumbien und Peru garantieren. Ein Anreiz, die Produktion auszuweiten. Schon jetzt stehen in Kolumbien hunderttausende Hektar Palmöl-Monokulturen, wo vorher meist Regenwald war. 

Der Rohstoffabbau für den Export führt in beiden Ländern zu erheblichen sozialen Konflikten. Kolumbien ist das Land mit der höchsten Mordrate an Gewerkschaftern. Das Abkommen würde diese Situation verschärfen.

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Bitte fordern Sie die Ablehnung des geplanten Freihandelsabkommens.

Eigentlich sollte das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Andengemeinschaft entstehen. Von den ursprünglich fünf Ländern sind allerdings nur noch Peru und Kolumbien übrig geblieben. Venezuela, Bolivien und Ecuador betrachteten die Forderungen der EU als bedrohlich, vor allem für die eigene Landwirtschaft. Gegen die hochsubventionierten und daher billigen Agrarprodukte aus der EU ist die Landwirtschaft der Andenländer kaum konkurrenzfähig.

Das geplante Freihandelsabkommen zielt auf einen Umbau der landwirtschaftlichen Struktur in Kolumbien und Peru ab. Während die Kleinbauern durch Dumpingprodukte aus Europa in den Ruin getrieben werden, wird die Agroindustrie ausgebaut. Vor allem die Milchbauern der beiden südamerikanischen Staaten fürchten um ihre Zukunft. Das Abkommen verlangt von beiden Ländern die Öffnung des Milchmarktes, zum Beispiel für billiges Milchpulver aus der EU. In Kamerun hatte dieses Milchdumping zur Folge, dass Kleinbauern pleite gingen und die Armut weiter anstieg. Auch Kolumbien und Peru würden in Zukunft abhängiger von Nahrungsmittelimporten aus Europa sein. Auf der anderen Seite sollen die Zölle auf Palmöl aus Kolumbien und Peru fallen, damit die EU günstig Agrotreibstoffe importieren kann.

Kolumbien ist mit 360.000 Hektar Anbaufläche der größte Palmölproduzent Südamerikas. Durch die ständig steigende Nachfrage nach Palmöl in Europa wird die Produktion ohne Rücksicht auf Mensch und Natur ausgeweitet. Rettet den Regenwald dokumentierte einen exemplarischen Fall, wo Kleinbauern durch den Konzern Daabon von ihrem Land vertrieben wurden.

Auch in Peru rückt die Palmölfront weiter vor. Bisher spielte das Land auf dem Palmöl-Weltmarkt keine große Rolle. Das kann sich aber ändern, wenn Zölle in Europa für peruanisches Palmöl wegfallen. Im Regenwald Report 1/2011 berichteten wir, wie bereits jetzt tausende Hektar Regenwald in der Region San Martin für Plantagen zerstört werden. In den Schubladen des peruanischen Landwirtschaftsministeriums liegen bereits Pläne, die über 4,3 Millionen Hektar bewaldetes Gebiet als geeignet für den Anbau von Palmöl ausweisen.

Thomas Fritz, der das Freihandelsabkommen analysierte, kommt im Interview mit Rettet den Regenwald zu dem Ergebnis: „Das dramatische an dieser Entwicklung ist, dass die Menschenrechts- und Umweltstandards im neuen Freihandelsvertrag schwächer sind, als in dem vorherigen Handelsabkommen mit Kolumbien und Peru. Ganz wichtige Menschenrechte fehlen im Vertrag wie z.B. das Recht auf Nahrung und das Recht auf Land. Und das ist natürlich eine ganz negative Entwicklung."

Nachdem der INTA (Ausschuss für Internationalen Handel) zum Freihandelsvertrag getagt hat, schreiben zwei Abgeordnete einen Bericht dazu, der dem EU-Parlament vorgelegt wird. Voraussichtlich im September wird das EU-Parlament über den Vertrag abstimmen.

Hier finden Sie die Listen der im Anschreiben adressierten deutschen Europaabgeordneten im INTA:

Liste der deutschen Europaabgeordneten im Ausschuss für Internationalen Handel (INTA)

Gutachten der Hans-Böckler-Stiftung über Menschenrechte im Freihandelsvertrag