Gewalt gegen Dorfbewohner – Covid-Lockdown verhindert Hilfe

Ein Dorfbewohner wird von Plantagen-Mitarbeiter zusammengeschlagen Szene aus einem Video: hinter dem Opfer steht einer der Täter mit einem Schlagstock (© SADIA)

10.02.2021

Indigene erleiden durch Palmöl-Plantagen häufig körperliche Gewalt. Jetzt hat unser Partner Matek Geram ein erschreckendes Video aus Malaysia geschickt. Zu sehen ist, wie mehrere Täter einen jungen Dorfbewohner zusammenschlagen. Weil auch Sarawak im Covid-Lockdown ist, konnte sich Matek nur eingeschränkt um das Opfer kümmern.

Tritte und Faustschläge gegen den Kopf, Hiebe mit langen Holzknüppeln – mindestens sechs Männer prügeln in dem Video auf den 22-jährigen Dorfbewohner ein, der zum Volk der Iban gehört. Zu Beginn der Szene wird sein Kopf in eine Pfütze gedrückt. Einer der Männer trägt eine T-Shirt mit der Aufschrift „Security“. Zwei Polizisten greifen nur halbherzig ein. Das 1:26 Minuten lange Video zeigt den Beginn der Schlägerei nicht und endet mit der Flucht des Opfers. Medienberichten zufolge begann der Überfall, als das Opfer die Palmölplantagen verlassen wollte und mehrere Sicherheitsleute das nicht zuließen. Der Mann befand sich auch mehrere Tage nach dem Überfall noch im Krankenhaus.

Unser Partner Matek Geram von der Indigenen-Organisation SADIA hat uns das Video per WhatsApp geschickt, ebenso eine Kopie der Anzeige bei der Polizei vom 7. Februar. Inzwischen wurden fünf Männer festgenommen und befragt.

Immer wieder wird Matek von Indigenen zur Hilfe gerufen, wenn sie wegen Plantagen Gewalt erfahren. Diesmal waren ihm die Hände gebunden - wegen des Covid-Lockdowns. Umweltschützer und Menschenrechtler beklagen in vielen Ländern, dass die Covid-Maßnahmen ihre Arbeit behindern, während Palmöl-, Holz- oder Bergbaufirmen ungehindert weitermachen. So musste Matek von seiner Hütte am Fluss aus hilflos Kähnen voller illegal geschlagenen Holzes bei ihrer Fahrt Richtung Meer zusehen.

Der jüngste Überfall auf den indigenen Mann geschah bei der Palmölplantage Ladang 3 nahe der Stadt Miri. Allgemein zugänglichen Informationen zufolge gehörte die Palmölfirma Sarawak Plantation Agriculture Development (SPAD) einst dem Staat und ist an der Börse in Kuala-Lumpur gelistet. 2019 hat sie das malaysische Palmöl-Siegel MSPO beantragt, allerdings offenbar noch nicht erhalten. Die Firma exportiert den Angaben zufolge nicht in die EU.

Matek Gerams hat dieses Statement über WhatsApp verbreitet:

Ich bin ein Graswurzel-Aktivist, der sich für die Probleme rund um traditionelle Landrechte von Indigenen befasst und spreche im Namen der indigenen in Sarawak.

Dieses Problem besorgt uns.

Mit Blick auf den Zwischenfall vom vergangenen Sonntag, als ein einheimischer junger Mann vom Volk der Iban von Schlägern der SPAD-Plantage zusammengeschlagen wurde, bin ich sehr unzufrieden mit dem Verhalten der Firma, die Dienste von Gangstern zu nutzen.

Die Firma verfolgt Einheimische, die traditionelle Rechte an Land halten (NCR), in das die Firma eingedrungen ist. Sie dringen nicht nur auf das traditionelle Land der Indigenen ein, sondern beabsichtigen willentlich, die Leute um sie herum, die ihre Lebensgrundlage verloren haben, zu töten. (...)

Für einen Aktivisten, der sich mit der Durchsetzung der traditionellen Landrechte befasst, ist es sehr traurig zu sehen, wie der von unseren Vorfahren vererbte Wald durch Palmölfirmen zerstört wird (…)

Matek Anak Geram

Landaktivist