Wasserkraftwerke sind weder umweltfreundlich noch klimaneutral

Staudamm Wasserkraftwerk Itaipú im Paraná-Fluss an der Grenze von Brasilien und Paraguay (© flickr/deniwlp84 (CC BY 2.0))

18.08.2021

Wasserkraft ist zwar eine erneuerbare Energiequelle, aber weder klimaneutral noch umweltschonend. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue internationale Studie von 13 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Staudämme und Stauseen schaden demnach der Biodiversität und tragen wenig zum Klimaschutz bei.

Durch geplante Wasserkraftwerke sind weltweit Flüsse mit einer Gesamtlänge von 260.000 Kilometern gefährdet, warnt die Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung. Selbst der Amazonas und der Kongo sind betroffen.

Gleichzeitig zeigen die Forscher:innen, dass Staudämme nur einen sehr geringen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Sie erzeugen weniger als zwei Prozent der erneuerbaren Energie, die bis 2050 nötig wäre, um den globalen Temperaturanstieg unter 1,5 Grad Celsius zu halten.

„Wir müssen verhindern, dass Gewässer die größten Verlierer des Pariser Abkommens werden. Erneuerbare Energie kann nicht mit umweltfreundlicher und klimaneutraler Energie gleichgesetzt werden”, erklärt Prof. Dr. Klement Tockner, Gewässerökologe und Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung: „Klima- und Biodiversitätsschutz dürfen nicht isoliert betrachtet werden; beide Herausforderungen müssen gemeinsam bewältigt werden, weil sonst klimaschonende Maßnahmen massive, umweltschädigende Folgen haben können.“

Staudämme und Stauseen stellen enorme negative Eingriffe in den Wasserhaushalt der Flusssysteme dar. Ökologisch sehr wichtige Lebensräume verschwinden in den Fluten und unter Beton. Der Transport von Nährstoffen und Sedimenten wird unterbrochen. Die im Wasser verrottende Vegetation und Faulschlamm erzeugen Treibhausgasemissionen. Viele Stauseen in tropischen Gebieten sind zudem die Brutstätten von Krankheitserregern. 40 bis 80 Millionen Menschen wurden bereits verdrängt, viele weitere haben ihre Fischgründe und landwirtschaftlichen Flächen verloren.

Für die Weltnaturschutzkonferenz im Oktober fordern die Wissenschaftler:innen, sehr sorgfältig zwischen einem Ausbau der Wasserkraft und der Erhaltung intakter Gewässer abzuwägen. Die Alternativen seien Energiesparen und Solar- und Windenergie. Anstatt auf maximale Stromproduktion zu setzen, sollten die Auswirkungen der Kraftwerke minimiert und Ausgleichsmaßnahmen für die biologische Vielfalt geschaffen werden. Manche der bestehenden Kraftwerke sollten abgerissen und die Flüsse wieder hergestellt werden.

Schon jetzt gibt es weltweit mindestens 58.000 größere Staudämme und vermutlich mehrere Millionen kleinere Anlagen.

Weitere Informationen:

- Pressemitteilung der Senckenberg-Gesellschaft vom 11. Aug. 2021: Unterbrochen: Flüsse von über 260.000 Kilometern Gesamtlänge gefährdet

https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/unterbrochen-fluesse-von-ueber-260-000-kilometern-gesamtlaenge-gefaehrdet/

- Vollständige Studie auf Englisch: Navigating trade-offs between dams and river conservation, 10 August 2021:

https://www.cambridge.org/core/journals/global-sustainability/article/navigating-tradeoffs-between-dams-and-river-conservation/6ADB5F2FB8C7D5B3B35AEF5F87541F22