Nickelproduktion verseucht die Umwelt und tötet Menschen
Indonesien: Die Produktion von Nickel und Batterien für E-Autos im Industriepark Morowali auf Sulawesi verursacht gewaltige Mengen an giftigen Rückständen. Nach Erdrutschen der Halden und Todesfällen verklagen unsere Partner von JATAM Sulteng den Gouverneur auf Unterlassung. Auch die Hersteller und Käufer von Elektroautobatterien stehen in der Verantwortung.
Tod durch giftigen Nickelschlamm
Als Heuchelei prangern Umweltschützer auf Sulawesi die Propaganda von „umweltfreundlichen“ Elektrofahrzeugen an, denn der Abbau der Rohstoffe hinterlässt vor Ort eine tiefe Spur aus Entwaldung, Vergiftung, Unglücken und Todesopfern.
Am 18. Februar 2026 kam es im Nickel-Industriepark Morowali (IMIP) zu einem massiven Erdrutsch von giftigen Schlämmen aus der Produktion von Batteriematerialien. Ein Arbeiter kam ums Leben.
Am 4. März 2025 brach, ebenfalls im IMIP, der Damm eines Beckens mit Bergbauabfällen der Firma QMB New Energy Materials. Die hochgradig giftigen schwermetallhaltigen Rückstände begruben vier Arbeiter unter sich. Das indonesische Umweltministerium sicherte Beweise zur unbefugten Entsorgung des Abraums. Das Unternehmen hat die Sicherheitsvorschriften beim Umgang mit den Rückständen mutmaßlich missachtet.
Umweltschützer auf Sulawesi sind zutiefst wütend. Die letzten Unglücke gehören zu einer langen Reihe von Katastrophen, Bränden, Todesfällen und Dammbrüchen bei den Halden im IMIP. Ganz zu schweigen von den verheerenden Auswirkungen des Abbaus der Nickelerze und den Folgen der Nickelproduktion auf die Natur und die Bevölkerung in Morowali. Die Umweltschützer organisieren Protestaktionen und wenden sich an die Justiz.
QMB New Energy Materials und andere Nickel-Firmen haben die Region Morowali in eine „tickende Zeitbombe“ verwandelt.
Widerstand auf dem Rechtsweg
Am 11. August 2026 begann beim Verwaltungsgericht in Palu der Prozess gegen die Provinzregierung von Zentral-Sulawesi wegen mutmaßlicher Unterlassung bei Verstößen der Unternehmen PT QMB New Energy Materials und PT Berkah Morowali Sejahtera gegen das Umweltrecht.
Eingereicht hat die Klage unsere Partnerorganisation JATAM Sulteng. Moh Taufik, Direktor und selbst Jurist, sagte aus, die Entsorgung hochtoxischer und gefährlicher Abfälle der Kategorie B3 sei mutmaßlich ohne die erforderliche technische Genehmigung durchgeführt worden. Er ist der Ansicht, dass die mangelhafte Aufsicht sowie das Ausbleiben administrativer Maßnahmen seitens der lokalen Regierung vermutlich zu den Faktoren zählen, die zu den beiden Erdrutschen der Rückstandshalden in Morowali geführt haben. Der Tod von Menschen und die Schäden am Küstenökosystem seien mutmaßlich Folge der Unterlassung. Der Gouverneur von Zentral-Sulawesi sei seiner gesetzlichen Verpflichtung, die Bevölkerung und die Umwelt vor den Auswirkungen der Abfallentsorgung im Bergbau zu schützen, nicht nachgekommen.
Zulieferer der Automobilindustrie
PT QMB New Energy Materials betreibt im IMIP eine 3,7 Milliarden US-Dollar teure Anlage zur Herstellung von Batteriematerialien. QMB verwendet die HPAL-Technologie (Hochdruck-Säureaufschluss-Verfahren), um Nickel aus minderwertigem Laterit-Erz zu extrahieren. Die HPAL-Technologie nutzt extreme Hitze, hohen Druck und konzentrierte Schwefelsäure. Zurück bleibt ein feinkörniger, rötlicher Schlamm mit einer äußerst gefährlichen chemischen Zusammensetzung, darunter Schwermetalle wie Chrom(IV). Pro Tonne produziertem Nickel entstehen etwa 1,4 bis 1,6 Tonnen Schlamm, das sind 19,2 Millionen Tonnen hochgiftige und ätzende Bergbauabfälle pro Jahr.
Gelangen krebserregendes Chrom(IV) und andere Metalle in Flüsse oder Küstengewässer, werden sie von Plankton und Fischen aufgenommen. Über die Nahrungskette gelangen die Giftstoffe schließlich in den menschlichen Körper. Wenn der Schlamm ins Meer gespült wird, führt die Trübung des Wassers zum Absterben von Korallenriffen. Zudem schädigt die Säure viele Meeresorganismen. Auf dem Land blockiert der zähflüssige Schlamm die Sauerstoffversorgung im Erdreich. Die Erde wird unfruchtbar, Pflanzen sterben ab und das Wasser wird ungenießbar.
Verantwortung der Elektroautohersteller
Autohersteller weisen oft die Verantwortung zurück und erklären, dass sie nicht direkt von Unternehmen wie PT QMB beziehen. Stattdessen kaufen sie fertige Batterieelemente und Batteriezellen von Giganten wie dem chinesischen Konzern CATL oder EcoPro BM aus Südkorea (beide sind Anteilseigner und Hauptpartner von QMB).
Führende europäische Automobilhersteller wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Stellantis beziehen Batteriezellen direkt von CATL. Vorprodukt- und Kathodenmaterial-Hersteller EcoPro BM beliefert indirekt über südkoreanische und europäische Zellgiganten wie Samsung SDI auch den europäischen Markt. Die direkte Belieferung von CATL ist im Gespräch.
Europäische Kunden von CATL
- Volkswagen bezieht Zellen unter anderem aus dem deutschen CATL-Werk in Arnstadt (Thüringen).
- BMW stattet E-Modelle der „Neuen Klasse“ mit Zellen aus, die auch im ungarischen Debrecen produziert werden.
- Mercedes-Benz ist strategischer Partner und lässt sich lokal von CATL in Europa beliefern.
- Stellantis baut mit CATL ein gemeinsames Joint-Venture-Werk für LFP-Batterien im spanischen Saragossa auf.
Wegen der tödlichen Arbeitsunfälle durch Erdrutsche von giftigen Bergbauabfällen gilt das Lieferkettengesetz auch bei indirekten Geschäftsbeziehungen:
- Hersteller von Elektroautos sind ausdrücklich verpflichtet, auch die mit indirekten Zulieferern wie PT QMB New Energy Materials verbundenen Risiken zu analysieren. Sie müssen Konzepte zur Minimierung und Verhinderung von Verletzungen erarbeiten und direkte Geschäftspartner wie CATL oder EcoPro BM dazu drängen, sicherere Verfahren zur Entsorgung von Bergbauabfällen einzuführen.
- Bei besonders schwerwiegenden Verstößen, wie der Missachtung von Arbeitsschutzpflichten sowie der Verursachung schädlicher Boden- und Wasserverschmutzung, schreibt das Gesetz die Beendigung der Geschäftsbeziehung vor.
Hochtoxische und umweltschädliche Rückstände der Kategorie B3 bei der Gewinnung, dem Schmelzen und der chemischen Weiterverarbeitung in der Nickelindustrie
- Tailing-Rückstände aus dem HPAL-Verfahren enthalten hochkonzentrierte Schwefelsäure sowie giftige Schwermetalle wie sechswertiges Chrom (Chrom-VI), Cadmium, Arsen, Quecksilber und Blei.
- Nickelschlacke (Nickel Slag) (teilweise)
- Flüssige Abfälle (Efluenten) Saure Abwässer enthalten Nickelsalze, Kobalt, Eisen und Mangan. Gelangen diese in Flüsse oder das Meer, sterben Korallenriffe sowie marine Ökosysteme ab.
- Sonstige betriebliche B3-Abfälle
- Altöle, Schmierstoffe sowie Filterstaub aus den Abgasanlagen der Kohlekraftwerke, die die Nickelschmelzen mit Strom versorgen.
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