Borneo brennt
Indonesien: Die Feuer haben bereits zwei Millionen Hektar verwüstet, Tausende Menschen und Tiere sind gestorben, Hunderttausende schwer erkrankt, Indonesiens Klimaziele werden verfehlt. Die Insel Borneo leidet besonders stark. Dabei sind die Waldbrände keine Naturkatastrophe, sondern menschengemacht. In dieser Krise beteiligt sich Rettet den Regenwald an zwei Nothilfestationen.
So furchtbare Waldbrände hat Indonesien seit 2019 nicht mehr erlebt. Damals verbrannten 2,6 Millionen Hektar. Dieses Jahr haben bis Anfang Oktober Feuer bereits fast zwei Millionen Hektar Land und Wald auf Sumatra, Borneo, Sulawesi und Papua verwüstet. Das ist fast zehnmal so viel wie im Jahr zuvor. Und die Feuersaison ist noch nicht zu Ende.
Borneos Katastrophe ist menschengemacht
Seit Juli wüten verheerende Feuer auf Borneo, besonders in den Provinzen West- und Zentral-Kalimantan. Verursacht wurden sie durch Brandrodung zur Landgewinnung für Agrarplantagen und eine extreme, durch ein starkes El-Niño-Phänomen verursachte Trockenzeit.
Dramatisch ist die Situation in abgeholzten Gebieten, in Palmölplantagen und auf Torfböden. Mehr als die Hälfte aller Brandherde liegt innerhalb der Konzessionen von Agrarkonzernen.
Dies ist keine Naturkatastrophe. Die Feuer sind vorhersehbar und vermeidbar!“ Pinarsita, Save Our Borneo.
Besonders gefährlich sind die Brände der trockengelegten Torfmoore. Diese Feuer brennen unterirdisch weiter, lassen sich kaum löschen und emittieren riesige Mengen an Kohlendioxid und dichtem Rauch.
Im Oktober spitzte sich die Situation auf Borneo dramatisch zu. Der Himmel in der Stadt Palangkaraya färbt sich gespenstisch rot. Die Luftverschmutzung ("Haze") erreicht unvorstellbar hohe Werte. Hunderttausende bekommen keine Luft mehr und leiden unter akuten Atemwegserkrankungen. Schulen mussten schließen. Der Rauch zieht bis Malaysia und Singapur. Die Staubpartikel stammen vor allem aus den ausgedehnten Torfböden, die seit dreißig Jahren kahl geschlagen und entwässert werden.
Drei Viertel aller Gebiete, in denen Orang-Utans leben, brennen oder sind von nahenden Feuern gefährdet. Helfer berichten von dramatischen Rettungsaktionen.
Tausende Menschen sind an Herz- oder Lungenversagen gestorben. Laut dem Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) führte die Feinstaubbelastung (PM2,5) allein im Monat September zu schätzungsweise 3.560 vorzeitigen Todesfällen in Indonesien, davon die meisten auf Borneo. Im Monat August waren es rund 1.700 Todesfälle.
Solidarität mit Borneo
Hinter den Zahlen verbergen sich Menschen.
In diesem ökologischen und medizinischen Notstand haben sich unsere Partner Save Our Borneo und YIHUI mit anderen Organisationen zusammengeschlossen.
Im ersten Schritt leisten sie Nothilfe. Sobald die Bedingungen es erlauben, folgt die Renaturierung und anschließend die Brandvorbeugung. Mit Spenden in Höhe von bisher 11.400 Euro hat Rettet den Regenwald die beiden Stationen von Save Our Borneo und YIHUI unterstützt.
Beide haben ein Haus angemietet, Ärzte und junge Freiwillige engagiert. Sie versorgen die leidenden Menschen mit Sauerstoff, Masken und Medikamenten und haben „sichere Räume“ eingerichtet, in denen sie saubere Luft atmen können.
Es brennt weiter
Ende Oktober hat es auf Borneo kurz geregnet. Die Menschen atmeten auf.
Doch Anfang November lodern erneut Feuer, zum Beispiel im Torfgebiet Katingan. Sie nähern sich den dichten Wäldern im Nationalpark Sebangau, in dem Orang-Utans leben, meldet Habibi, Direktor unserer Partnerorganisation Save Our Borneo. Safrudin Mahendra von YIHUI berichtet von ausufernden Bränden in Seruyan, dem Bezirk mit den riesigen Palmölplantagen von Wilmar und Co..
Kritik an der Politik
Beide fordern, wie viele andere zivilgesellschaftliche Organisationen auch, dass Präsident Prabowo Subianto den Katastrophenfall ausruft. Über 72.000 Kräfte - Soldaten, Feuerwehrleute, Freiwillige - seien im Einsatz, erwidert die Regierung auf die Kritik. Ende Oktober sind die ersten aufziehenden Wolken geimpft worden, um so Regen zu erzeugen.
In ganz Indonesien wächst der Unmut über fehlenden Umweltschutz und die Wirtschaftspolitik. Die Prioritäten seien falsch gesetzt, Geld werde für unsinnige Projekte ausgegeben, die Umwelt unwiederbringlich für Palmöl, Rohstoffe oder Papier zerstört. Die hohen Emissionen machten Indonesiens Klimapolitik zunichte und aus den Fehlern mit der Trockenlegung der Torfmoore habe man nichts gelernt.
Die Regierung verweist immer wieder auf das starke El-Niño-Phänomen. Das greift jedoch zu kurz, denn die Dürre wirkt lediglich als Brandbeschleuniger. Die eigentliche Ursache ist menschengemacht: Ein intakter Regenwald brennt auch in einer Dürre kaum. Erst wenn der Wald durch Abholzung für Minen, Plantagen oder Straßenbau zerstückelt und ausgetrocknet wird, verliert er sein feuchtes Mikroklima. So entstehen die Bedingungen für die unkontrollierbaren Wald- und Torfbrände.
Unvergessen ist die Zerstörung von 1,3 Millionen Hektar Torfmoorwäldern für das 1-Million-Hektar-Reisprojekt des ehemaligen Diktators Suharto.
1997, nur ein Jahr nach Trockenlegung, waren die Brände dieser Torfböden für ein Viertel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Diese Umweltsünde wirkt bis heute nach.
Waldbrände löschen und verhindern
Helfen Sie, Waldbrände zu verhindern und zu bekämpfen: mit Ausbildung, Ausrüstung, Prävention, Öffentlichkeits- und politischer Arbeit.
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Seit 40 Jahren werden in Indonesien Regenwälder für Ölpalmplantagen zerstört. Seitdem unterstützen wir den Widerstand der Umweltbewegung – mit Erfolg.
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