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Udin und Habibi mit Transparent
„Indigene sind die besten Waldschützer“ steht auf dem Banner. M Habibi (r.) und Safrudin von Save our Borneo (© Save Our Borneo)
Indigene vor zerstörter Hütte
Die indigenen Suku Anak Dalam wurden vom Palmöl-Konzern Wilmar von ihrem Land vertrieben. (© Feri Irawan)
Protest vor Unilever
Vor dem Hamburg-Sitz von Unilever, Kunde von Wilmar, demonstrieren wir gemeinsam mit den Suku Anak Dalam gegen die Zerstörung ihrer Heimat (© Cordula Kropke)
Ein Orang Utan im Urwald von Borneo.
Orang-Utan im Urwald (© Rhett A. Butler)
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Regenwald Report 02/2026 · Indonesien Indonesien - Neues Leben im Land der Ölpalmen

Der größte Inselstaat der Erde ist die Nummer eins in der Produktion von Palmöl. Auf 22 Millionen Hektar bedecken Plantagen das Land– dort, wo es einst artenreiche Regenwälder gab. Doch der Widerstand gegen die Naturzerstörung wächst, eine junge Umweltbewegung schlägt weltweit Alarm. Von Beginn an unterstützen wir sie dabei – mit Erfolg. Von unserer Südostasien-Expertin Marianne Klute

Der Regenwald Report ist kostenlos und erscheint vierteljährlich, er enthält aktuelle Berichte über Projekte und Aktionen. Eine Zustellung per Post ist nur innerhalb Deutschlands möglich.

Rechts und links der Straße erstrecken sich Ölpalmen bis zum Horizont. Die Sonne brennt, der Staub klebt in den Augen. Ich bin unterwegs mit M Habibi und Safrudin zu den letzten Wäldern Borneos in den Bergen. Die Tieflandregenwälder sind längst abgeholzt und die Palmen hier im Bezirk Seruyan wachsen auf Sand. 

Ölpalmplantage Kalimantan
Großflächig fressen sich die Plantagen in die Regenwälder hinein (© SOB)

„Diese Plantage wurde vor dreißig Jahren angelegt“, sagt M Habibi. Er ist Direktor von Save Our Borneo, seit zwanzig Jahren unser Partner auf der indonesischen Insel. „Sie gehört Wilmar, dem größten Palmölhändler der Welt.“

Das Thema Palmöl begleitet Rettet den Regenwald seit der Gründung des Vereins. Mitte der 1980er–Jahre bepflanzten Indonesien und Malaysia riesige Flächen mit Ölpalmen. Weichensteller waren die Nachfrage nach „nachwachsenden Rohstoffen“ der Waschmittel- und Nahrungsmittelindustrien und die wirtschaftspolitische Lage in Südostasien. General Suharto hatte seit dem Putsch 1965 seine Macht konsolidiert und Finanzinstitutionen wie Weltbank und Asian Development Bank setzten auf Palmöl, um Indonesien in den Weltmarkt zu katapultieren.

Das ist gelungen. Palmöl ist ein wichtiger Grundstoff für Nahrungs- und Reinigungsmittel und Kosmetik. Wir essen Margarine, Pizza und Schokoaufstrich mit Palmöl, waschen uns, unsere Wäsche und Geschirr mit Palmölderivaten. Palmöl hat innerhalb einer Generation unseren Lebensstil gründlich umgestellt.

Die ersten Plantagen entstanden schon 1911

An der Plantage steigen wir aus. In der Nähe sind einige Häuschen. Kinder spielen, Frauen tragen Säcke mit Düngemittel. „Wir hoffen, von der Arbeit auf den Plantagen leben zu können“, sagt eine der Frauen leise. „Das Problem ist das Wasser. Wir können Wasser aus den Bächen nicht nutzen. Wir müssen es kaufen.“ Monokulturen sind nichts Neues in Indonesien. Schon die niederländischen Kolonialherren haben im Jahr 1911 auf Sumatra Plantagen angelegt.

Bis zum Palmölboom Mitte der 1980er–Jahre hatte Indonesien eine halbe Million Hektar Ölpalmplantagen. Dann alarmierten uns die indigenen Suku Anak Dalam aus Sumatra. Indonesische und ausländische Firmen raubten ihr Land und brandrodeten ihren Regenwald. Vorerst für Industrienahrung und Kosmetik, später für den Tank.

Ernte
Sumatra: Arbeiter ernten Palmölfrüchte (© Birgit Handke)

Suharto hat ein ausgeplündertes Land, drei Millionen Hektar Ölpalmplantagen und Tausende von Konflikten hinterlassen. Wir mussten handeln! Auf Sumatra und Borneo war eine junge indonesische Umweltbewegung entstanden – mit der Hoffnung auf Erneuerung und Gerechtigkeit. Mit diesen entschlossenen Menschenrechtlern und Umweltschützerinnen begann vor mehr als zwei Jahrzehnten unsere Zusammenarbeit.

Mit gemeinsamen Aktionen hatten wir Erfolg: Wir halfen, einen Elefantenwald auf Sumatra zu retten. Wir waren dabei, den Konzern Wilmar in die Schranken zu weisen. Wir erreichten, dass die Weltbank die Kredite für Palmöl einfror. Wir protestierten in Deutschland gegen Palmöl-Raffinerien. Wir nutzten Online-Petitionen an Verantwortliche in Politik und Wirtschaft: „Palmöl: Abfackeln fürs Frühstück. Firmen wie Unilever, Nestlé und Henkel importieren große Mengen Palmöl für Lebens- und Reinigungsmittel.“

drei Papua verteidigen ihren Wald mit Schild
Protest in Papua: Stoppt die Palmölfirmen (© Agus Kalalu)

„Monokulturen sind niemals nachhaltig!“

 

Ein Orang Utan im Urwald von Borneo.
Orang-Utan im Urwald (© Rhett A. Butler)

Die Stadt Sampit haben M Habibi, Safrudin und ich hinter uns gelassen. „Diese Plantage vor uns gehört dem Konzern Sinar Mas“, sagt M Habibi. „Sie ist RSPO-zertifiziert.“ Das Kürzel steht für Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl, gegründet u.a. von großen Palmölverbrauchern wie Unilever. Die Industrie hatte erkannt, dass Entwaldung und Zerstörung der Lebensräume der Indigenen und der Orang-Utans die Konsumenten schockieren werden. „Doch die Abholzungen gehen weiter, das Klima wird angeheizt, die indigenen Dayak verlieren ihre Existenz, es kommt zu Landraub und Gewalt“, sagt Safrudin. „Monokulturen sind niemals nachhaltig.“

Indigene vor zerstörter Hütte
Die indigenen Suku Anak Dalam wurden vom Palmöl-Konzern Wilmar von ihrem Land vertrieben. (© Feri Irawan)

Mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2004 begann in Deutschland die Verbrennung von Palmöl, zuerst in Blockheizkraftwerken, dann als Beimischung zu Diesel, gefördert und subventioniert. Indonesien reagierte euphorisch: Zu den bestehenden fünf Millionen Hektar Plantagen sollten bis 2025 zwanzig Millionen dazukommen.

Gemeinsame Aktionen hatten Erfolg

Rettet den Regenwald gehörte zu den Ersten, die vor dieser Entwicklung warnten, mit Kampagnen, Petitionen, Informationen und Aktionen. Unsere indonesischen Partner kamen nach Hamburg und Berlin, demonstrierten vor Unilever und reisten in Städte, die ein Heizkraftwerk mit Palmöl planten. 

Protest vor Unilever
Vor dem Hamburg-Sitz von Unilever, Kunde von Wilmar, demonstrieren wir gemeinsam mit den Suku Anak Dalam gegen die Zerstörung ihrer Heimat (© Cordula Kropke)

Mit Erfolg: Einige Städte wie Nürnberg oder Schwarmstedt verzichteten darauf, trotz der Subventionen.

2009 schrieb die Europäische Union die Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel vor. Die Importe von Palmöl stiegen rasant, immer schneller wurden Regenwälder vernichtet und damit die Lebensquellen der Indigenen und die Habitate von Orang-Utans, Tigern und Elefanten zerstört. 

Spät, viel zu spät, beschloss die EU, Palmöl im Biodiesel nicht mehr als erneuerbar anzuerkennen. In Deutschland wird Palmöl im Biodiesel seit 2023 nicht mehr gefördert. Die Importmenge geht zurück; sie beträgt nur noch ein Drittel der 2016 importierten Menge.

Das Problem Palmöl bleibt: 22 Millionen Hektar Ölpalmen allein in Indonesien, weitere 10 Millionen Hektar in anderen Ländern. Die Geister, die wir riefen, werden wir nicht los. „Es gibt Lichtblicke“, ermuntert uns Safrudin. „Der Wald ist nicht mehr automatisch Staatswald. Die Indigenen beanspruchen ihn als ihr Land. Zusammen mit Rettet den Regenwald unterstützen wir sie dabei. Und füllen den Wald mit neuem Leben.“ 

Wir haben die Berge erreicht. Sehen das dichte Grün. Und dazwischen die Dörfer der Dayak – inmitten unversehrter Regenwälder.

Udin und Habibi mit Transparent
„Indigene sind die besten Waldschützer“ steht auf dem Banner. M Habibi (r.) und Safrudin von Save our Borneo (© Save Our Borneo)

 

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