Biodiesel von AGIP-ENI: Keine Spur ökologisch

Die Aktivistin Gianna del Fabbro (links) übergibt der Mitarbeiterin im italienischen Umweltministerium, Francesca Santolini, (rechts) die Petition gegen Palmöldiesel 86.524 Unterschriften aus aller Welt an italienische Regierung übergeben (© RdR)

11.02.2014

Der Verein Rettet den Regenwald hat der italienischen Regierung am 11.2. eine Petition gegen Biodiesel aus Palmöl übergeben. 86.524 Menschen aus aller Welt haben den Protestbrief unterschrieben.

Im italienischen Umweltministerium nahm die technische Mitarbeiterin Francesca Santolini die Petition entgegen. Die Aktivistin Gianna del Fabbro, die im Namen von Rettet den Regenwald die Unterschriften übergab, erklärte: "Sogar die von der Europäischen Union in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studien bestätigen, dass Biokraftstoffe nicht umweltfreundlich oder nachhaltig sind."

Der italienische Energiekonzern ENI plant, im Hafen von Marghera bei Venedig Biodiesel herzustellen. Als wichtigsten Rohstoff soll Palmöl aus Indonesien und Malaysia importiert werden. Die beiden südostasiatischen Länder sind mit einem Anteil von fast 90 Prozent die größten Produzenten von Palmöl.

ENI betreibt allein in Europa 6.384 Agip-Tankstellen, davon über 400 in Deutschland, 290 in Österreich und 295 in der Schweiz. Die Biodiesel-Raffinerie bei Venedig soll eine Kapazität von 500.000 Tonnen pro Jahr haben. Um die dafür benötigte Menge Palmöl zu erzeugen, sind Anbauflächen von etwa 180.000 Hektar notwendig. Über 1.200 Orang-Utans verlieren ihren Lebensraum, weil in Indonesien und Malaysia vor allem Regenwälder abgeholzt werden, um Platz für die Industrieplantagen zu schaffen. Auch die Menschen, darunter viele Kleinbauern und Indigene, verlieren mit der Regenwaldvernichtung ihre Lebensgrundlagen, Heimat und Kultur.

Der angeblich umweltfreundliche Biosprit wird von Mineralölunternehmen gängigem Dieselkraftstoff beigemischt. Die EU schreibt vor, dass bis 2020 zehn Prozent des Energieverbrauchs im Verkehrssektor aus „erneuerbaren Energien" stammen müssen. Den Hauptanteil daran sollen Biokraftstoffe ausmachen.

"Die EU muss unverzüglich ihre Biokraftstoffpolitik beenden, um die massive Zerstörung der Tropenwälder zu stoppen", erklärte unsere italienische Mitarbeiterin Elisa Norio.

Im Jahr 2012 wurden in der EU bereits 1,9 Millionen Tonnen Palmöl zur Produktion von Biodiesel verbraucht. Umweltschützer, Wissenschaftler und Entwicklungsexperten warnten seit Jahren vor den gravierenden Folgen der Pflanzenenergie.

Hauptanteilseigner des Energiekonzerns ENI, der in 79 Ländern rund um den Globus Geschäfte macht, ist der italienische Staat mit einer so genannten „goldenen Aktie" in Höhe von 30,3% des Aktienkapitals. ENI ist das größte Unternehmen Italiens und wies 2013 einen Gewinn vor Steuern von 12,3 Milliarden Euro aus.

Update:

Artikel aus der Zeitung Venezia Today: Im Hafen von Marghera ist die Zukunft angekommen: Das erste Schiff mit Palmöl
Am 15. Februar, soll die erste Schiffsladung mit 22.000 Tonnen zertifiziertem Palmöl aus Indonesien in Venedig eingelaufen sein. Ab März will ENI daraus Biodiesel für den europäischen Markt produzieren.
Hier zum Originalartikel auf Italienisch:

http://www.veneziatoday.it/cronaca/a-porto-marghera-e-approdato-il-futuro-la-prima-nave-con-l-olio-di-palma.html

Update 24.2.14:

Mittlerweile haben bereits 106.900 Personen unsere Protestaktion gegen Palmöldiesel von Agip-Eni unterzeichnet. Wir werden diese demnächst beim Umweltministerium nachreichen und gegen den nun anlaufenden Palmölimport erneut protestieren.