Wir forsten Torfwälder auf – das ist der beste Schutz gegen neue Brände!

Drei Männer pflanzen Setzlinge am Ufer der blockierten Kanäle. Dahinter stehen drei weitere Menschen. Regierungsbeamte (vorn) pflanzen symbolisch drei Setzlinge am Ufer der blockierten Kanäle. Als Dank an Nordin (rechts stehend) und alle freiwilligen Helfer. (© Save our Borneo)

13.06.2016

Die Feuerkatastrophe 2015 in Indonesien war das Schlimmste, was unsere  Partner von Save our Borneo bisher erlebt haben. Vor allem die hochgiftigen Gase aus den brennenden Torfböden machten die Menschen schwer krank. Seit Monaten ist die Bevölkerung dabei, die Torfböden zu regenerieren. Endlich handelt auch die Regierung.

Ende Mai kam es in der Provinz Zentralkalimatan auf Borneo zu einem hochrangigen Treffen auf verbrannter Erde: Der Vizegouverneur, der Distriktdirektor und der Chef der neu eingerichteten Agentur für die Regenerierung der Torfgebiete versammelten sich zu einem offiziellen Akt auf einem schwarz verkohlten Torfgebiet. Am Ufer eines blockierten Kanals pflanzten die Beamten symbolisch ein paar Setzlinge.

Damit würdigten sie die Arbeit der Umweltorganisation Save our Borneo (SOB) und Hunderter freiwilliger Helfer.

„Wir arbeiten seit Monaten mit allen Mitteln daran, die Entwässerungskänale in den zerstörten Torfgebieten zu verstopfen“, so SOB-Chef Nordin. „Wenn wir die Kanäle dichtmachen, wird der Boden wieder durchfeuchtet und Feuer verhindert. Die Arbeit ist hart und Kräfte zehrend. Doch wir konnten nicht warten, bis die Regierung handelt.“

Hier, südlich der Provinzhauptstadt Palangkaraya, waren die Folgen der Feuerkatastrophe 2015 besonders dramatisch. Denn es waren abgeholzte Torfwälder, die großflächig brannten – seit 1990 wurden dort insgesamt 1,3 Millionen Hektar Torfsumpfwald abgeholzt. Ursprünglich für Reisanbau, doch im Laufe der Jahre wurden immer mehr Palmölplantagen gepflanzt und Entwässerungsgräben gezogen. Die meisten sind illegal, denn Torfwälder dürfen nicht für Plantagen zerstört werden. Wenn sich die metertiefen, trockenen Schichten entzünden, glühen sie monatelang und verpesten die Luft nicht nur mit Kohlendioxid, sondern auch mit großen Mengen Methan, Kohlenmonoxid, Stick- und Schwefeloxide und anderen hochgiftigen Gasen. „Vor allem die Kinder leiden unter der extrem hohen Belastung aus Staubpartikeln, die in die Lunge dringen– bis heute“, sagt Nordin. Auch seine Familie wurde schwer krank.

Die Zeit drängt, denn die Trockensaison 2016 hat schon begonnen. „Damit sich die Feuerkatastrophe vom letzten Jahr nicht wiederholt, gibt es nur eine Lösung“, sagt Nordin entschieden. „Die Torfflächen müssen wieder durchnässt werden. Auf keinen Fall dürfen hier neue Plantagen entstehen.“ Später dann, nach einigen Jahren erst, wird wieder ein Sumpfwald wachsen können. „Das ist die einzige Lösung zur Prävention“, sagt Nordin.

Auch die Regierung wird inzwischen aktiv: Mitte Juni hat die neu gegründeteTorfagentur erstmals Torfkarten erstellen lassen. Dort sind die Flächen erfasst, deren Regenerierung allerhöchste Priorität haben. Insgesamt sollen in Indonesien 2,7 Millionen Torfwälder regeneriert und wieder aufgeforstet werden. Bis von Seiten der Behörden auch tatkräftige Unterstützung kommt, arbeiten Nordin und die Bevölkerung unermüdlich weiter. Was für Nordin außerdem hohe Priorität hat: „Es gibt eine Menge Palmölfirmen, die die Gesetze übertreten. Deren Genehmigungen müssen sofort entzogen werden.“

Sehen Sie dazu auch das Video von Save our Borneo: Feuerprävention heißt Kanäle blockieren

Zum Inhalt:

Blockieren und Auffüllen der Kanäle dient der Vorbeugung von zukünftigen Waldbränden. Dadurch werden die Torfböden durchfeuchtet, besonders wichtig in der beginnenden Trockenzeit. Außerdem stehen viele Palmölfirmen unter Verdacht, Brandrodung zu betreiben.

Text im Film:

Die jährliche Tragödie – seit 1997 (Index Luftverschmutzung 2015).

Viele kleine Kinder leiden an dem Rauch. Die Ursache: Zerstörung der Torf-Ökosysteme für neue Entwässerungskanäle. Sehr bedauerlich: Obwohl das Reisprojekt nie verwirklicht wurde, hat man die Fläche nie renaturiert. Stattdessen erhielten Palmölfirmen Lizenzen für das meiste Land, und nicht wenige von ihnen haben zum Roden gezielt Feuer gelegt. Die Lösung zur Prävention der Torfbrände: Blockade der Kanäle.