Brandstifter-Firmen für immer schließen!

Ein Mann wird vor brennendem Regenwald interviewt „1.000 Hektar Torfregenwald wurden hier verbrannt“, so Umwelt-Aktivist Feri Irawan im TV-Interview. „Doch noch können wir den größten Teil des Waldes retten.“

„Unsere Wälder brennen wie nie zuvor, unsere Kinder sterben, Menschen und Tiere fliehen vor den Feuern, die Vögel fallen vom Himmel.“ Die Brandstifter, so Nordin von unserer Partnerorganisation Save our Borneo, sind vor allem Palmöl- und Holzkonzerne. „Die Regierung muss diese Firmen stilllegen.“ Bitte unterschreiben Sie seinen Appell.

Appell

An: Präsident der Republik Indonesien, Joko Widodo, Ministerin für Umwelt und Forsten, Siti Nurbaya Bakar

„In Indonesien verbrennen Tausende Hektar Wald für Palmölplantagen. Die Regierung muss die verantwortlichen Firmen bestrafen und ihnen die Konzession entziehen.“

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Schwarzer Rauch macht das Atmen zur Qual. Die Behörden auf Borneo und Sumatra melden höchste Gefahrenstufe.

„Die 9-jährige Intan ist am 15. September auf dem Schulweg zusammengebrochen und noch auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben“, berichtet Nordin aus Zentral-Kalimantan auf Borneo. „Sie war an den Rauchpartikeln aus den Feuern erstickt, die seit Wochen unser Land vernichten.“ Intan ist nicht die Einzige, die sterben musste, weil Palmölkonzerne immer skrupelloser Feuer legen lassen. Brandrodung ist in Indonesien strikt verboten.

„Alles nur wegen der Gier nach Palmöl,“ so Nordin. „Immer mehr Palmöl für Biosprit, immer mehr Plantagen, immer mehr Feuer.“ Der Umweltaktivist spricht von einer nationalen Katastrophe, die die Menschen, Tiere und Regenwälder in seiner Heimat bedroht. Und auch das Weltklima.

Seit Wochen brennt es auch in Jambi auf Sumatra. Rettet den Regenwald-Partner Feri Irawan schlägt sich, ebenso wie Nordin, unter Lebensgefahr zu den Brandherden durch, um die Täter ausfindig zu machen und vor Gericht zu bringen. Zurzeit ermittelt die Polizei gegen mindestens zwei Dutzend Firmen, einige hohe Manager wurden verhaftet. Dazu gehört auch der Direktor der Palmölfirma RKK, die auf Sumatra 1.000 Hektar Torwald abgebrannt hat. Sie gehört dem Zigaretten-Konzern Gudang Garam.

„Wir fordern, dass nicht nur die Hersteller, sondern alle Konzerne, die indonesisches Palmöl zu Konsumgütern und Biosprit verarbeiten, endlich für die Verbrechen entlang ihrer gesamten Lieferkette haften“, so Feri Irawan. „Sie sind Mitverursacher der gewaltigen Feuer.“ Dazu gehören z.B. Unilever, Nestlé, Henkel und der finnische Staatskonzern Neste Oil, dessen Biosprit in europäischen Dieseltanks verbrennt.

Bitte unterschreiben Sie unsere Petition an die indonesische Regierung.

Hinter­gründe

Nordin, Gründer der Umweltorganisation Save our Borneo, hat zusammen mit vielen anderen Betroffenen einen offenen Brief an  Präsident Joko Widodo geschrieben:

Sehr geehrter Präsident der Republik Indonesien, Joko Widodo,

die Waldbrände bei uns sind kein Zeichen des Zorns Allahs, des Allmächtigen Gottes, sondern ein Symbol der Gier und der Beweis dafür, dass der Staat die anderen Provinzen missachtet. Wollen Sie trotzdem hierherkommen?

Der Flughafen ist geschlossen, Herr Präsident. Schulkinder können Sie nicht empfangen, denn die Schulen sind geschlossen. Wollen Sie den Landweg nehmen? Das ist gefährlich, Herr Präsident. Der dicke Rauch schadet Ihrer Gesundheit und der First Lady Iriana.

Sie lassen Kalimantan voller Bergbauminen sein. Voller Ölpalmen. Und dazu noch Holzplantagen. Wir aber sterben langsam an Atemwegserkrankungen. Denn wir sind ohnmächtig und kapitulieren. Vielleicht ist dies der Wille Allahs des Allmächtigen. Allen Menschen, die für uns beten, danken wir sehr. Bitte um Entschuldigung, dass sie den Rauch aus Kalimantan abbekommen. Der ist sicherlich äußerst lästig.

LEVEL DER LUFTVERSCHMUTZUNG IN KALIMANTAN: GEFÄHRLICH

Den Medien zufolge ist Kalimantan nicht mehr bewohnbar, nur noch 5% der Luft eignet sich zum Atmen. Doch die Regierung kümmert sich nicht um uns. Heute ist der Gipfel der Luftverschmutzung erreicht, und 9 Millionen Einwohner Kalimantans werden an Lungenkrebs sterben. Besonders die Kinder. Denn anscheinend sind Sie mehr an Vorgängen im Präsidentenpalast interessiert als am Schicksal Kalimantans.

Dabei ist Kalimantan einer der größten Devisenbringer des Staates.

Wir sind nicht nur mit der Katastrophe von Waldbränden und Rauch konfrontiert, auch mit verseuchten Flüssen und vergifteten Feldern und Tierzucht durch den Abraum der Kohleförderung. Dazu fallen die Preise für Palmöl und Kautschuk in den Keller.

Die Regierungen in Jakarta und den Provinzen sollen der Katastrophe wenigstens ein bißchen Aufmerksamkeit schenken und nach Lösungen suchen. Ansonsten können Sie Kalimantan gleich an Malaysia und Brunei übergeben.

Fernsehen und Presse berichten kaum über die Katastrophe. Sie sind zu beschäftigt mit ihren eigenen Interessen und dem Präsidentenpalast. Wir können nur noch auf Gebete hoffen, bevor die Einwohner Kalimantans langsam dahinsterben. Vielen Dank

Hintergrund-Informationen:

Feuerjahr 2015

Seit nunmehr 30 Jahren brennen zwischen Mai und November brennen Indonesiens Wälder. 2015 ist ein extremes Feuerjahr, möglicherweise schlimmer als die berüchtigte Feuersaison 1997. Verstärkt wird diese Katastrophe durch den El Nino, ein periodisch auftretendes Wetterphänomen, das Südostasien besonders trockene Sommermonate beschert, in denen ungeschützte Vegetation und Torfböden leicht in Flammen aufgehen.

Die Wald- und Torfbrände 2015 sind eine nationale und eine globale Katastrophe. Satellitendaten offenbaren die meisten Hotspots auf Sumatra und Borneo. Doch auch andere Wälder brennen, z.B. im Distrikt Merauke in Papua, wo in den letzten vier Jahren mehr als eine Million Hektar Wald für Plantagen abgeholzt wurden.

Verursacher, Brandstifter, Verbrecher: Palmöl und Papier

Die Hauptursache sind, nach Auswertung verschiedener Satellitendaten und Aussagen von lokalen NGOs, absichtlich gelegte Brände zur Rodung und als Vorbereitung für Plantagen. Verantwortlich sind also die Palmöl- und Papierindustrie, je nach Ort und Quelle, für 60-80% der Brände.

Oft machen Politik und Industrie Kleinbauern und Waldbewohner für die Waldbrände verantwortlich, weil sie mit der slash and burn-Methode kleine Waldstücke urbar machen. Gegen dieses Argument spricht, dass in Regionen mit intaktem Primärwald nie Feuer ausbrechen. Einen starken Beweis für die Verantwortung der Plantagenindustrie liefern Satellitendaten, auf denen deutlich die Konzentration von Hotspots in und um Ölpalm- und Akazienplantagen zu sehen ist.

Ein Bericht der Regierung enthält die Initialen von mehr als 100 Unternehmen, nennen aber ihre genauen Namen nicht. Die Ministerin für Umwelt und Forsten, Siti Nurbaya Bakar, verspricht rechtliche Schritte gegen diese Unternehmen. Aus den Initialen und anderen Daten lässt sich schließen, dass der Konzern mit den meisten Hotspots und Feuern Sinar Mas ist. Zu Sinar Mas gehören die Tochterkonzerne Asia Pulp&Paper (APP), Golden Agri Resources (GAR) und SMART.

Was tut die Regierung?

Der Regierung werden schwere Fehler vorgeworfen. Trotz jahrelanger Versprechungen, etwas gegen die verheerenden Waldbrände zu tun, bleibt alles beim Alten. Der Wald wird nur als Produktionsstandort betrachtet, immer mehr Konzessionen für die Palmöl- und Zellstoffindustrien werden vergeben.

Im September 2015 hat das indonesische Ministerium für Umwelt und Forsten 39 Großfeuer im Visier, von denen 24 auf Plantagenkonzessionen ausgebrochen sind. Ende September sind laut Umweltministerin 22 Löschoperationen mit 17 Hubschraubern mit Wasserbomben im Einsatz, dazu vier Flugzeuge, die Wolken beimpfen, damit es regnet. In den Regionen sind Freiwillige, Polizei und Militär im Einsatz. Die Feuerbekämpfung bleibt unzureichend, die Plantagen selbst sind nicht entsprechend ausgerüstet.

Präsident Jokowi, Minister und hohe Beamte versichern mehrfach, gegen die Plantagenfirmen vorzugehen. Gegen mindestens 10 Firmen aus Sumatra und 12 aus Kalimantan wird derzeit polizeilich ermittelt.

Doch auch die beste Feuerbekämpfung wird das Problem nicht lösen. Das Problem ist der Verlust des Regenwaldes für die expandierenden Palmöl- und Papierindustrien und deren Praxis der Brandrodung. NGOs fordern daher, diesen Brandstiftern die Konzession sofort und für immer zu entziehen. Um den Wald zu erhalten, sollte generell keine Expansion mehr zugelassen werden.

Folgen der Waldbrände:

Hohe Treibhausgasemissionen

Von globaler Bedeutung sind die Emissionen von Treibhausgasen und ihr Einfluss auf die Klimaerwärmung. Waldbrände, insbesondere der Torfwälder, und Entwaldung machen in „normalen“ Jahren 15% der globalen Emissionen aus, im Feuerjahr 1997 waren es bis zu 30%.

Primärwälder, Torfsumpfwälder und Torfböden sind laut Gesetz eigentlich von der Umwandlung in Plantagen geschützt. Ein Moratorium, das für definierte Primär- und Torfwälder gilt, ist seit drei Jahren in Kraft, gegen den Widerstand der Agro- und Holzindustrien.

Mehr als eine halbe Million Hektar Ölpalmplantagen in Zentral-Kalimantan sind illegal, sagt das Ministerium für Umwelt und Forsten.

Globale Folgen durch Torfbrände

Indonesien verfügt(e) über große Torfsumpfwälder. Torfböden in Sumatra und Kalimantan sind mehrere Meter tief. Die Torfböden, von Natur aus Feuchtgebiete, speichern große Mengen Kohlenstoff. Von allein entflammen sie nicht. Erst nach Entwaldung und Austrocknung durch Drainagekanäle brennen sie leicht. Sie emittieren extrem viel Kohlendioxid, große Mengen an gesundheitsgefährlichen Partikeln und Staub. Die meisten Emissionen Indonesiens stammen aus den Bränden der Torfböden.

Menschenrechtsverletzung und Verbrechen durch Waldbrände und Rauch

Die Menschenrechtskommission Komnas HAM nennt die Waldbrände und den Rauch „Missbrauch der Menschenrechte“, da die Regierung nichts unternehme, den Feuern vorzubeugen. Die Rechte auf ein gesundes Leben werden verletzt:

Die Umweltorganisation WALHI beurteilt die Waldbrände als „außergewöhnlich schweres Verbrechen“, in einer Reihe mit Korruption, Bankverbrechen, Terrrorismus, Menschenrechtsverletzungen und Menschenhandel.  

Verlust von Wald

Wie viel Wald verbrannt ist, ist noch nicht eindeutig zu sagen. Am 18.9.2015 veröffentlichte die Regierung umfangreiche Daten zu den Feuern und der Rauchkatastrophe. Danach sind bis zum 9.9.2015 in Kalimantan und Sumatra fast 200.000 Hektar Wald, Torfböden und andere Flächen abgebrannt.

Grenzüberschreitender Smog

Seit den fruchbaren Waldbränden 1997 diskutieren die ASEAN-Staaten über den grenzüberschreitenden Haze, den schwarzen Rauch aus den Wald- und Torfbränden, unter dem vor allem Singapur und Malaysia zu leiden haben.

2003 unterzeichnete Indonesien das Asean Agreement on Transboundary Pollution. Diesem Haze Agreement zufolge soll eine Karte entstehen, aus der hervorgeht, wo sich die Hotspots befinden und wem das Land gehört. Doch bisher weigert sich Indonesien beharrlich, die Eigentümer – meist Plantagenfirmen – offenzulegen. Auf Kritik kontert Indonesien: die Hälfte der Plantagen gehört Firmen aus Malaysia und Singapur, und die sollten endlich mit der Praxis der Brandrodung aufhören.

Tod und Krankheit

Die Sicht beträgt nur 10 Meter, der Rauch ist gelb, voller schwarzer Partikel, die in die Lunge dringen. Kleine Kinder oder Personen mit Atemerkrankungen werden durch die langandauernde Belastung durch Partikel gesundheitlich schwer geschädigt; es sind bereits einige Kinder am Rauch gestorben.

Hierzu das Video unseres Partner Save Our Borneo:

 

Luftverschmutzung

Der Pollution Standard Index PSI, der die Konzentration der Partikel pro Kubikmeter Luft angibt, erreicht Anfang September in Zentral-Kalimantan Werte von über 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Anzahl der Atemwegsinfizierten in Riau/Sumatra ist doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr. Grenzwert Feinstaub Deutschland 40 Mikrogramm, Empfehlung WHO < 100 Mikrogramm.

Informationen und Links

Die deutsche Presse berichtet bisher nicht oder höchstens sehr knapp und oberflächlich über die Brandkatastrophe. Die Bundesregierung spricht eine Reisewarnung für Sumatra aus.

Wissenschaftliche Voraussage für 2015

http://pubs.giss.nasa.gov/docs/2015/2015_Spessa_sp01100l.pdf

http://www.nat-hazards-earth-syst-sci.net/15/429/2015/nhess-15-429-2015.pdf

Satellitenaufnahmen

https://www.facebook.com/CRISP.NUS?fref=photo

Analyse von Satellitendaten: Regierung Indonesien

http://geospasial.bnpb.go.id/pantauanbencana/data/datakbhutanall.php

Analyse von Satellitendaten: NGO

http://blog.globalforestwatch.org/2015/09/fires-heat-up-as-el-nino-develops-growing-health-concerns-as-haze-worsens/

Satellitendaten von Jambi

http://www.eyesontheforest.or.id/?page=news&action=view&id=823 und http://appwatch.blogspot.de/

Feuer in Ríau

http://www.wri.org/blog/2015/07/indonesia%E2%80%99s-forest-fires-reignite-threatening-protected-areas-and-peatlands (Englisch)

Video aus Riau

https://youtu.be/2xeEvZOYNq8

Fotostrecke Deutsche Welle

http://www.dw.com/id/hutan-sumatera-dan-kalimantan-membara/g-18712886

An­schreiben

An: Präsident der Republik Indonesien, Joko Widodo, Ministerin für Umwelt und Forsten, Siti Nurbaya Bakar

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Ministerin,

wieder ist ein kleines Mädchen in Sampit/Zentralkalimantan an den Folgen der verheerenden Waldbrände gestorben. Auf dem Weg zur Schule erstickte die Neunjährige an den Rauchpartikeln in ihrer Lunge.

Die kleine Intan ist nicht das einzige Opfer der nationalen Katastrophe. Indonesien hat schon mehrere Tote zu beklagen, und unzählige andere Menschen sind erkrankt. Der Pollution Standard Index PSI für Orte in Kalimantan und Sumatra erreicht Werte jenseits aller Vorstellungen – bis zu 1.531,24 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft in Palangkaraya. Das ist 15 mal so viel wie der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Höchstwert.

Jahr für Jahr brennen in Ihrem Land die Regen- und Torfwälder, weil Palmöl- und Holzfirmen gezielt Feuer legen, um ihre Plantagen auszuweiten und vorzubereiten. Obwohl Brandrodung in Indonesien streng verboten ist. Sogar die Nationalparks brennen. Im Nationalpark Berbak in Jambi hat die Firma PT. Pesona Belantara Persada Feuer legen lassen, und so brennt einer der letzten Torfwälder Sumatras. Auch im Nationalpark Tanjung Puting brennt es. Der geschützte Regenwald im Südwesten Borneos ist Heimat der letzten Orang-Utans und Nasenaffen. Dort hat die BGA-Gruppe abgeholzt und Feuer gelegt.

Sie haben mehrfach versprochen, dass es keine Waldbrände mehr geben wird, dass Sie die Feuer engagiert bekämpfen und die Brandstifter zu Verantwortung ziehen. Dennoch brennen in diesem Jahr in Sumatra und Kalimantan mehr Wälder als je zuvor. Mehr als drei Dutzend Firmen stehen bereits unter Verdacht, Tausende Hektar Regenwald vernichtet zu haben.
Am 23. September wurde der Direktor der Palmölfirma RKK verhaftet, die auf Sumatra 1.000 Hektar Tofsumpfwald abgebrannt haben.

Machen Sie Ihre Worte wahr: Ziehen Sie alle Täter zur Verantwortung. Entziehen Sie den betreffenden Firmen die Konzession und gestatten Sie niemals, dass diese oder andere Firmen eine neue erhalten. Verpflichten Sie die Brandstifter, den Wald wieder aufzuforsten.
Und bitte überdenken Sie auch Ihre Wirtschaftspolitik, vor allem die Förderung von Biosprit. Denn für die benötigten Palmölplantagen wird weiterer Regenwald abgeholzt und das Klima angeheizt.

Schaffen Sie ein Transparenz-Gesetz. Damit nicht nur die Palmöl- und Papier-Produzenten, sondern alle Konzerne, die indonesisches Palmöl und Papier zu Konsumgütern und Biosprit verarbeiten, endlich für die Umweltverbrechen entlang ihrer gesamten Lieferkette haften.
Herr Präsident, Frau Ministerin: Schluss mit den leeren Klimaversprechungen! Bewahren Sie Ihre Regenwälder für Menschen, Tiere und Pflanzen.

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
News und Updates

News | 13.06.2016

Wir forsten Torfwälder auf – das ist der beste Schutz gegen neue Brände!

Drei Männer pflanzen Setzlinge am Ufer der blockierten Kanäle. Dahinter stehen drei weitere Menschen.

Die Feuerkatastrophe 2015 in Indonesien war das Schlimmste, was unsere  Partner von Save our Borneo bisher erlebt haben. Vor allem die hochgiftigen Gase aus den brennenden Torfböden machten die Menschen schwer krank. Seit Monaten ist die Bevölkerung dabei, die Torfböden zu regenerieren. Endlich handelt auch die Regierung.

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News | 15.12.2015

Indonesien: Was geschieht nach dem Feuer?

Der Inselstaat hat in den letzten Monaten 27.000 Quadratkilometer Natur- und Regenwaldgebiete durch Brandrodung verloren; in Feuer und Rauch starben Menschen und Tiere. Tut die Regierung genug, um die Brandstifter zu ermitteln und um eine derartige Katastrophe künftig zu verhindern? Was sagen Naturschützer? Eine erste Bilanz.

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Presse-Echo | 11.11.2015

ZDF-Doku planet e: „Palmöl – vom Urwald in die Schokocreme“

Egal ob Margarine, Pizza, Schokoriegel, Waschmittel oder Biosprit – überall ist Palmöl drin. Die Dokumentation zeigt die Folgen des weltweiten Palmölbooms für die letzten Regenwälder Südostasiens und ihre Artenvielfalt und stellt die Frage, ob wir auch ohne das Fett aus der Ölpalme auskommen können.

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Presse-Echo | 29.10.2015

Feuerkatastrophe in Indonesien

Es hat lange gedauert, doch endlich berichten deutsche Medien über die Waldbrände in Indonesien. Rettet den Regenwald-Expertin Marianne Klute wurde vom WDR-Fernsehen interviewt, Deutschlandradio Kultur hat mit der Journalistin Inge Altemeier gesprochen.

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News | 19.10.2015

Berliner Uni-Mensen werden palmölfrei

Das Studentenwerk Berlin verbannt Palmöl aus seinen Mensen und Cafeterien. Ab dem 1. November soll kein Palmöl mehr zum Frittieren verwendet werden. Ein Schritt mit Vorbildcharakter. Immerhin verköstigt das Studentenwerk täglich 6.000 Studierende.

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Presse-Echo | 16.10.2015

Tödliche Gier nach Palmöl

„Unsere Wälder brennen wie nie zuvor, unsere Kinder sterben, Menschen und Tiere fliehen vor den Feuern.“ Mit diesen dramatischen Worten unseres Partners Nordin von Save our Borneo machen wir auf die verheerenden Waldbrände in Indonesien aufmerksam. Die Frankfurter Rundschau verwendet unsere Informationen, um über die Umweltkatastrophe, für die Palmölkonzerne mitverantwortlich sind, zu berichten.

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Pressemitteilung | 13.10.2015

„Indonesien brennt!“

Der Inselstaat ist Ehrengast der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt. Und Schlagzeilen machen jetzt 75 indonesische Autorinnen und Autoren, die im Pavillon ihre Bücher präsentieren – neben kulturellen und kulinarischen Ereignissen.

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News | 30.09.2015

Brandrodung: TV-Interview mit Feri Irawan

„Die Palmölfirmen legen Feuer, um ihre Plantagen vorzubereiten. Denn Brandrodung ist viel billiger als mechanische Rodung“, sagt unser indonesischer Partner Feri Irawan im Interview mit dem Fernsehsender NET News. Feri untersucht auf seiner Heimatinsel Sumatra die Brandherde, um die Verantwortlichen anzuzeigen.

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Erfolg | 29.09.2015

Erfolg gegen Regenwald-Brandstifter gelungen

Indonesien setzt ein Zeichen gegen Brandrodung: Der Oberste Gerichtshof verurteilte die Palmölfirma PT. Kallista Alam, die im geschützten Torfregenwald Feuer gelegt hatte. Naturschützer aus aller Welt hatten dagegen protestiert.

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