Studie: Morde an Umweltschützern nehmen zu

Umhüllt von einen Tuch steht Mirivic 'Tarsila' Danyan auf einer Rodung im Regenwald auf den Philippinen Im Dezember 2017 wurden der Ehemann und der Vater von Mirivic Tarsila Danyan von der Armee getötet, weil sie das Land der Gemeinde gegen die Ausweitung der Kaffeeplantagen auf den Philippinen verteidigten. (© Thom Pierce/Guardian/Global Witness/UN Umwelt) (© Thom Pierce/Guardian/Global Witness/UN Environment)

06.08.2018

207 Umweltschützer wurden im Jahr 2017 ermordet, es ist das tödlichste Jahr seit die britische Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Global Witness dazu Untersuchungen veröffentlicht.

Die indigenen Gamela im brasilianischen Bundesstaat Maranhao machen mit friedlichen Protestcamps auf die Abholzung und den Raub ihres angestammten und rechtlich zugesprochenen Lands aufmerksam. Sojafarmer und Rinderzüchter haben es gewaltsam und widerrechtlich gerodet und in Beschlag genommen.

Doch am 30. April 2017 eskaliert die Situation mit einem brutalen Überfall auf ein Lager der Ureinwohner. Erst wurden die Indigenen auf Whatsup als Diebe und Landräuber beschimpft, während ein Parlamentsabgeordneter im Radio mit Hetze, Gewaltaufrufen und Rassismus die Stimmung weiter anheizte. Dann organisert eine Gruppe von Personen eine Grillparty und ein Saufgelage.

In der Nacht überfallen schließlich Dutzende bewaffnete Personen wild um sich schiessend und mit Hackmessern die indigenen Gamela. Die schreckliche Bilanz: 13 schwer verletzte Ureinwohner wurden mit Schussverletzungen, Schnittwunden und abgehackten Händen ins Krankenhaus eingeliefert.

Derartige Gewalt und Überfälle auf Indigene und Umweltschützer sind leider kein isolierter Einzelfall, und oft enden die Übergriffe sogar tödlich. 

Das Essen auf unseren Tellern, die Goldringe an unseren Fingern, das Holz unserer Möbel Zuhause: Hinter all unserem täglichen Konsum verbirgt sich häufig Gewaltschreibt Global Witness in seiner 72-seitigen Studie. Während die Agrarindustrie boomt, tropische Regenwälder abgeholzt und der Bergbau global agierenden Konzernen riesige Profite abwirft, sind Indigene und Umweltschützer immer brutaleren Attacken ausgesetzt.

Die Anzahl der Menschen, die bei Protesten gegen die Agrarindustrie wie Palmöl, Soja, Kaffee, tropische Früchte und Zuckerrohrplantagen sowie Rinderzucht ermordet wurden, hat sich demnach gegenüber 2016 mehr als verdoppelt. Mit 46 getöteten Umweltschützern übertrifft die Landwirtschaft den Bergbau und die Ölindustrie (40 Morde), die Wilderei (23 Morde) und den Holzeinschlag (23 Fälle). Zudem dokumentiert Global Witness sieben Massaker, bei denen mehrere Personen gleichzeitig ermordet wurden.

Brasilien ist mit 57 ermordeten Umweltschützern – die meisten davon im Amazonasgebiet - wie schon in den Vorjahren der traurige Spitzenreiter in diesem Ranking der Gewalt. Mit weiteren 27 Morden in Kolumbien, 15 in Mexiko, 8 in Peru und 9 in Honduras und Nicaragua ist Lateinamerika der mit Abstand tödlichste Kontinent für Indigene und Umweltschützer.

In Asien führen die Philippinen mit 48 Morden die Liste an. Die dort herrschende Gewalt wird durch die aggressive Anti-Menschenrechtspolitik von Präsident Duterte und Militärpräsenz in rohstoffreichen Gebieten angefeuert, so Global Witness. In Afrika ist die Demokratische Republik Kongo mit 12 Morden das gefährlichste Land für Umweltschützer.

Und diese Zahlen sind wohl nur die Spitze des Eisbergs, denn es ist sehr schwierig und aufwendig, die Hintergründe von Morden in den oft entlegenen Gebieten der Erde zu erfassen und zu analysieren. Zudem bedrohen nicht nur kriminelle Großgrundbesitzer, Firmen und Konzerne die Menschen, die um ihr angestammtes Land und für den Erhalt der Natur kämpfen – eine hohe Zahl der Morde geht auf das Konto staatlicher Sicherheitskräfte. Und so werden sehr viele der Morde und ihre Hintergründe nie aufgeklärt und die Mörder können sich in vielen Ländern in Sicherheit wiegen.

Auch ein europäisches Land ist in die traurige Statistik eingegangen: In Spanien wurden zwei staatliche Waldranger von einem Jäger erschossen, als sie seine Jagdlizenz sehen wollten. Die Behörden prüfen nun den Einsatz von schusssicheren Westen und die Bewaffnung der Wildhüter.

"Sie schlagen uns, sie beleidigen uns, und wir bekommen keine Unterstützung. Die Behörden schauen einfach weg", zitiert der Guardian einen spanischen Waldranger. "Als Wildhüter brauchen wir die Regierung dringend, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Wir arbeiten, um etwas zu schützen, das jedem gehört, aber niemand arbeitet, um uns zu schützen. Wir sind völlig allein gelassen.“

Quellen:

https://www.globalwitness.org/en/campaigns/environmental-activists/at-what-cost/

https://www.globalwitness.org/documents/19392/Defenders_report_layout_AW2_lowres.pdf

https://www.theguardian.com/environment/2018/jan/19/a-rabbit-always-has-to-run-spanish-rangers-fear-for-lives-after-double

https://www.regenwald.org/news/8114/brasilien-aufruf-zum-ueberfall-auf-indigene-per-social-media-und-radio