Kohlestraße zerstückelt den Hutan Harapan auf Sumatra

Indigene Suku Anak Dalam mit Feri Irawan in Jambi, Sumatra Indigene auf Sumatra brauchen Hoffnung und den Wald (© Birgit Handke)

17.08.2020

Indonesien genehmigt eine Straße durch den Hutan Harapan. Der Transport von Kohle hat für die Regierung Vorrang vor Natur- und Klimaschutz. Die Straße zerstückelt das Habitat von Tigern und Elefanten und gefährdet die Lebensgrundlage von Indigenen. Klimagelder aus Deutschland bleiben wirkungslos auf der Strecke.

„Der Wald der Hoffnung ist einer der letzten Tieflandregenwälder Sumatras. Die Straße aber ist die Tür zur endgültigen Zerstörung des Waldes. Unsere Hoffnungen scheinen verloren.“ Der Anlass für die wütenden Worte von Feri Irawan von unserer Partnerorganisation Grüner Verein (Perkumpulan Hijau): Indonesien erlaubt eine Straße durch den Schutzwald Hutan Harapan auf Sumatra, der Habitat für Tiger und Elefanten ist.

Die Straße, die seinen Ärger erregt, soll mitten durch den mit deutschen Klimageldern finanzierten Hutan Harapan (Wald der Hoffnung) führen. Der Hutan Harapan liegt im angestammten Siedungsgebiet der Suku Anak Dalam (Kinder des Inneren), um die sich der Grüne Verein seit Jahrzehnten kümmert. Erst vor zwei Jahren hat Feri Irawan in Sepintun, nördlich des Hutan Harapan, die Landrechte für einige Gruppen durchsetzen können. Wir berichteten, wie damit der Elefantenwald von Sepintun gerettet wurde.

Hutan Harapan ist ein Schutzprojekt zur Reduzierung von Entwaldung und Treibhausgas-Emissionen, ein wichtiger Baustein im indonesischen Klimaprogramm. Mehrere Umweltorganisationen sind während der siebenjährigen Laufzeit (2019-2026) für die Durchführung auf 100.000 Hektar verantwortlich, darunter der NABU. Das Geld stammt aus der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) der Bundesregierung und wird von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausbezahlt. Mit anderen Worten: es gibt ein deutsches Interesse am Erfolg dieses Projektes.

Deswegen hat die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze ihre Bedenken übermittelt. Doch ihre indonesische Kollegin Siti Nurbaya Bakar beschwichtigt. Man habe unter drei Varianten die am wenigsten schädliche Route gewählt und dem Unternehmen eine Reihe von Auflagen gemacht.

Doch auch diese Route fragmentiert den Wald und somit die Habitate der Tiere und lässt das Klimaprojekt „Hutan Harapan“ in Ungewissheit schweben.

Die Straße wird einem Kohlekonzern dienen und laut indonesischer Umweltaktivisten Kohlevorkommen außerhalb des Hutan Harapan erschließen. Eindeutiger Gewinner der Straße sind Kohleindustrie und Wirtschaft. Auf der Strecke bleiben der Wald und seine Bewohner vom Volk der Suku Anak Dalam, die Elefanten und viele andere Tiere und Pflanzen.

Feri Irawans Grüner Verein hatte Zweifel am Hutan-Harapan-Projekt. Bis die Batin Sembilan, eine Untergruppe der Suku Anak Dalam, und auch die Elefanten und Tiger, innerhalb des Waldes geduldet wurden, bedurfte es langer Diskussionen. Heute spielt der Hutan Harapan eine wichtige Rolle für das Überleben kleiner Indigenengruppen.

„Bei Indonesiens Wirtschaftspolitik bleiben Natur und Menschen Sumatras auf der Strecke“, sagt Feri Irawan. „Wenn für den Hutan Harapan die Hoffnung verloren geht, verarmen die Menschen noch mehr. Unsere Provinz Jambi ist übersät mit Monokulturen. Die Bauern bauen keine Gemüse mehr an, sie sind von Palmöl abhängig geworden. Jetzt in der Corona-Pandemie verdienen sie nichts. Ihr Wald und ihre Felder, die sie früher ernährt haben, sind weg“, sagt der Umweltschützer am Telefon.

„Unser Präsident muss sich endlich entscheiden: Wirtschaftsideologie ohne Rücksicht auf Mensch und Natur oder Schutz der Indigenen, des Regenwaldes und des Klimas. Indonesien hat das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet und versichert, die Emissionen aus Entwaldung einzudämmen. Indonesien hat den Indigenen mehr Schutz zugesagt. Stattdessen bricht unsere Regierung alle Versprechen.“