Wir brauchen unser Land – keine Ölpalmen!

Mädchen trägt große Staude Taro-Gemüse im Arm, im Hintergrund Dorfhütten Die indigenen Pala'wan-Familien bauen Obst und Gemüse in kleinen Waldgärten an (© CALG)

Die Regierung der Philippinen will auf den Inseln Palawan und Mindanao den großflächigen Anbau von Ölpalmen vorantreiben und holt vor allem malaysische Investoren ins Land. Das ist eine Katastrophe für die Regenwälder und das Leben der indigenen Bevölkerung. Umweltschützer fordern dringend ein Palmöl-Moratorium.

Appell

An: Herrn Rodrigo Roa Duterte, Präsident der Phlippinen, Frau Regina Paz Lopez, Behörde für Umwelt und Naturressourcen

„Stoppen Sie die Ausbreitung der Palmölplantagen auf den Philippinen. Sie ist eine Katastrophe für die Regenwälder und ihre Bewohner“

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Palawan ist ein Hotspot seltener Tier- und Pflanzenarten im gesamten Inselreich der Philippinen. Ihr Naturschatz ist so bedeutend, dass die UNESCO die Insel 1990 zum Biospähren-Reservat erklärt hat. Dennoch fördert die Regierung massiv den Anbau von Ölpalmen – mit gewaltigen Schäden für die Natur und die Lebensgrundlagen Hunderter Gemeinden. Mindestens 9.000 Hektar Regenwald wurden dort bereits gerodet. Zurzeit plant das asiatische Unternehmen ALIF, auf Palawan groß ins Palmölgeschäft einzusteigen.


Doch auch die Insel Mindanao leidet unter dem Palmöl-Boom: In der Provinz Agusan del Sur wurden gerade 128.000 Hektar Land für Plantagen ausgewiesen. Malaysische Investoren haben nun angekündigt, auf Palawan und Mindanao eine Milliarde US-Dollar ins Palmölgeschäft zu investieren.

Als Präsident Rodrigo Duterte 2016 die Macht übernahm, ist er vehement gegen den Bergbau eingeschritten. Er hat die Firmen aufgefordert, Bäume zu pflanzen, Menschenrechte zu achten und dafür zu sorgen, dass Chemiegifte nicht das Ökosystem schädigen. „Warum unterstützt der Präsident jetzt die Palmölindustrie, die für ihre riesigen Umweltschäden berüchtigt ist und dafür, dass die Menschen sich bei Firmen und Banken verschulden und immer ärmer werden?“ Diese Frage stellen sich unsere Partner der lokalen „Koalition gegen Landraub“, CALG.
Die indigenen Gemeinden und Bauern fordern ein Moratorium für die Anlage von Palmölplantagen. Nur so kann verhindert werden, dass große Unternehmen sich weiterhin das Land und die Naturressourcen der Bevölkerung aneignen.

Wenn die Regierung ernsthaft beabsichtigt, die Armut zu beseitigen, muss sie dafür sorgen, dass das Land für die Ernährung der Filipinos genutzt wird und nicht für den Anbau von Konsumgütern für den internationalen Markt.

Bitte unterstützen Sie unsere Petition.

Hinter­gründe

Schon die Vorgänger-Regierung unter Präsident Aquino hat die Ausbreitung von Palmölplantagen auf den Philippinen vorangetrieben – eine Million Hektar Natur sollten in Monokulturen umgewandelt werden. Aquino hat Gerechtigkeit und Wohlstand durch Palmöl versprochen, sowohl auf Mindanao als auch auf Palawan. Doch das Gegenteil ist eingetreten: Der sogenannte Fortschritt brachte soziale Unruhen, schwere Menschenrechtsverletzungen, Ermordung von indigenen Aktivisten, gewaltsame Vertreibungen, Kahlschlag von Primärwäldern, Artenverlust, Zunahme von Unterernährung in der Bevölkerung, Arbeitslosigkeit und Ausbeutung.

Am 28. Juli 2016 wurde Präsident Rodrigo Duterte und Gina Lopez, Chefin der Behörde für Umwelt und Naturressourcen, eine Petition mit 4.200 Unterschriften von Farmern und Indigenen übergeben. Sie fordern darin ein Moratorium für die Ausbreitung von Palmölplantagen. Doch bis heute gibt es keine befriedigende Antwort darauf.

Da die Ausbreitung unvermindert weitergeht, ist die Lebensgrundlage von Kleinbauern und indigenen Gemeinden extrem gefährdet.

„Die Firma San Andres erreicht inzwischen das bewaldete Kalksteingebirge von Tres Marias (Poon it batu), das zu unseren heiligsten Orten gehört und die Quelle unseres Ursprungs ist“, sagt ein Mitglied des Palawan-Stammes der Kadulan, der in der Gemeinde Rizal beheimatet ist.

Die Koalition gegen Landraub CALG, die in dieser Region mit der Bevölkerung zusammenarbeitet, erwartet von Regina Lopez, dass sie ihren Prinzipien treu bleibt, die sie immer verteidigt hat, egal was die Regierung tut: dass das Wohl des Volkes an erster Stelle steht. „Es ist unmoralisch und sozial ungerecht, den Palmölunternehmen zu erlauben, Profite zu machen und dafür die Natur und das Leben der Farmer und Indigenen auf Spiel zu setzen“, so ein CALG-Sprecher.

„Die Regierung sollte dafür sorgen, die durch die Palmölindustrie stark geschädigte Natur und Lebensgrundlage der Gemeinden wiederherzustellen, anstatt malaysische Investoren einzuladen, die Zerstörung weiter voranzutreiben“, sagt ein Mitglied des Sarong-Stammes der Gemeinde Bataraza auf Palawan.

CALG (Coalition against Land Grabbing) ist die führende lokale Organisation der Anti-Palmöl-Kampagne. Sie glaubt, dass die Anlage von Palmölplantagen auf dem angestammten Land der Indigenen ohne deren vorherige Zustimmung (Free and Prior Informed Consent) gegen das Indigenenrecht der Vereinten Nationen verstößt (Indigenous Peoples Right Act).

CALG ist außerdem der Ansicht, dass es unverantwortlich ist, die Ausbreitung der Palmölplantagen massiv voranzutreiben ohne entsprechende Kartografierung, die die Land- und Besitzrechte sowie die Beschaffenheit des betreffenden Landes klar definieren.

Weitere Informationen:
Berichte der Koalition gegen Landraub CALG über die Auswirkung der Palmölplantagen auf den Philippinen:

Palawan Geotagged Report Part 1
Palawan Geotagged Report Part 2
CALG letter to DENR Secretary of the Department of Environment and Natural Resources (DENR) Ms. Gina López
Filipino company mulls 10000-hectare oil palm plantation in Palawan
In Palawan, existing industrial-scale plantations being run by companies such as Agumil, San Andres and CAVDEL have already encroached on timberland and ancestral domains. See:
Philippines CENRO Report Quezon
Philippines CENRO Report Sandoval
Letter to the National Commission on Indigenous Peoples

An­schreiben

An: Herrn Rodrigo Roa Duterte, Präsident der Phlippinen, Frau Regina Paz Lopez, Behörde für Umwelt und Naturressourcen

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Lopez,

ich unterstütze die gemeinsame Petition der indigenen Bevölkerung und Bauern der Provinz Palawan mit ihrer Forderung:

*Verfügen Sie unverzüglich ein Moratorium für die Ausbreitung der Palmölplantagen in Palawan und auf den gesamten Philippinen.

*Verhindern Sie, dass malaysische und andere ausländische Unternehmen das Land und den Boden der Filipinos beschlagnahmen.

*Sorgen Sie dafür, dass auf existierenden Palmölplantagen Umweltverträglichkeitsprüfungen, Anhörungen und Revisionen stattfinden – so wie es die Umweltbehörde bei Bergbaugesellschaften macht.

*Schließen Sie alle Palmölfirmen, die gegen Gesetze und Regelungen für Naturschutz, Gesundheit und Sicherheit verstoßen haben – als auch gegen die Rechte der Indigenen.

*Sorgen Sie dafür, dass die Lebensgrundlage und das Land der Menschen, die durch die Palmölplantagen zerstört wurden, wiederhergestellt und renaturiert werden.

*Bringen Sie eine Agrarreform auf den Weg – damit die Bauern vom Anbau ihrer eigenen, gesunden Nahrungsmittel ausreichend leben können. Und fördern Sie nicht die Privatisierung des Landes durch große Unternehmen.

Freundliche Grüße

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
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