Aldi und Lidl sollen den Jaguar-Wald nicht zu Holzkohle machen!

Jaguar im Regenwald Der Lebensraum des Jaguars wird für Holzkohle vernichtet (© Mat Hayward / Fotolia) Primitve Holzkohleöfen und die Stämme gefällter Bäume im Chaco von Paraguay sind zusammen mit den Markenlogos von Aldi und Lidl zu einer Fotomontage zusammengefügt Der Chacowald in Paraguay wird zu Holzkohle für deutsche Griller (© Earthsight) Rinderhaltung im Chaco Abgeholzt für Rinder (© Toby Hill)

Die Trockenwälder des Chaco in Paraguay werden abgeholzt und zu Holzkohle für den Export verarbeitet. Die unberührte Natur, der Lebensraum des Jaguars und eines der letzten isoliert lebenden Indigenenvölker sind dadurch bedroht. Bitte fordern Sie die Supermärkte auf, keine Holzkohle aus Urwaldrodung in Paraguay zu verkaufen.

Appell

An: Aldi, Carrefour, Lidl

„Die Tropenwälder in Paraguay werden für Holzkohle gerodet. Bitte fordern Sie Aldi und Lidl auf, keine Holzkohle aus Waldrodung zu verkaufen“

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Im Herzen Südamerikas spielt sich eine Tragödie ab: Die tropischen Trockenwälder des Gran Chaco verschwinden in rasendem Tempo - schneller als alle anderen Wälder auf der Erde. Die zügellose Zerstörung bedroht Jaguare, Ameisenbären, Gürteltiere, 500 Vogelarten und endemische Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind.

Auch eines der letzten indigenen Völker, das isoliert von der Industriegesellschaft lebt, droht ausgelöscht zu werden. Ohne den Wald können die Ayoreo nicht überleben.

Hinter der Verwüstung steckt die Fleischindustrie. Die Urwälder des Chaco müssen öden Weideflächen Platz machen. Die Jahrhunderte alten Quebracho-Bäume werden abgeholzt und in primitiven Meilern in Holzkohle verwandelt. Mehr als 70 Prozent der Holzkohle gehen in den Export nach Europa. Allein Deutschland importiert davon 20.000 Beutel pro Tag.

"Ohne es zu wissen, kaufen die Menschen in Europa die in Beutel abgepackten Urwaldbäume aus Südamerika, um sie auf ihren Grills zu verfeuern", sagt Toby Hill von der britischen Umweltorganisation Earthsight.

Auf den Verpackungen finden sich keinerlei Angaben darüber, dass die Kohle aus Tropenholz aus Paraguay besteht. Es sind nur die Namen von Vertriebsgesellschaften in Europa angegeben.

Earthsight hat einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, der die verheerenden Umweltauswirkungen des Holzkohle-Geschäfts in Paraguay beleuchtet. Er verfolgt die Reise der verkohlten Bäume bis in europäische Supermärkte wie Aldi, Carrefour und Lidl.

Durch den Verkauf der Holzkohle fördern die Supermärkte die Vernichtung eines der letzten großen Wildnisgebiete der Welt. Dreißig Fußballfelder Urwald werden jeden Tag zerstört, um uns mit Holzkohle zu versorgen. Insgesamt fällt fast eine Viertel Million Hektar Wald pro Jahr der Fleisch-, Soja- und Holzkohleindustrie in Paraguay zum Opfer.

Hinter­gründe

Die tropischen Trockenwälder des Gran Chaco erstrecken sich auf dem Gebiet von Argentinien, Bolivien, Brasilien und Paraguay. Sie sind der Lebensraum zahlreicher endemischer, d.h. nur dort vorkommender, Tier- und Pflanzenarten. Dazu gehören 3.400 Pflanzen-, 500 Vogel-, 150 Säugetier- und 220 Amphibien- sowie Reptilienarten. Aufgrund ihrer Lage mitten in Südamerika sind sie ein wichtiges Durchzugsgebiet für Zugvögel. Jaguare streifen durch den Chaco auf der Jagd nach Tapiren, Pekaris, Wasserschweinen, Riesengürteltieren und Ameisenbären.

Die Rodung des Chaco bedroht auch das Überleben der indigenen Ayoreo. Mehrere Gruppen der Ureinwohner leben noch auf traditionelle Weise als Nomaden im Wald, ohne Kontakt zur Außenwelt. Der UN-Sonderberichtersattter für die Rechte der indigenen Völker hat bereits mehrere Male bei der Regierung von Paraguay dringende Maßnahmen zum Schutz der Ayoreo eingefordert.”

Paraguay Karte

Abb. 1: Die zwei Karten von globalforestwach.org zeigen die fortschreitende Abholzung (markiert in pink) im Jahr 2015 im Vergleich zum Jahr 2006 an

Überall im Gebiet des Gran Chaco wird der Urwald abgeholzt. Aber an keinem Ort ist es derzeit so schlimm wie in Paraguay. Firmen roden den Wald, um dort Rinderweiden für den Export von Fleisch anzulegen. Die Produktion von Holzkohle hilft der Agrarindustrie dabei, Platz zu schaffen und die Erweiterungen der Viehweiden zu finanzieren.

Die uralten Quebracho-Bäume werden zu Holzkohle reduziert, die übrige Vegetation zu langen Reihen zusammengeschoben und verbrannt. Während Grillfreunde in Europa über Holzkohle aus südamerikanischem Quebracho-Holz schwärmen, röhren dort Bulldozer und Motorsägen. Holzkohlehersteller wie BRICAPAR füllen bereits in Paraguay die Ware in die Beutel der Marken ihrer Kunden ab, berichtet Earthsight. Deren Exporte nach Europa laufen über die Firma Ibecosol in Madrid, so die Recherchen der Umweltschützer.

Holzkohle Produkte

Abb. 2: Werbung der Firma BRICAPAR mit den Holzkohlemarken der Kunden in Europa und den USA

Auch oberhalb des Grillrostes sieht es leider nicht besser aus: Die Grillsteaks stammen häufig ebenso aus Südamerika. Argentinien, Brasilien und Paraguay gehören zu den größten Rindfleischexporteuren weltweit. Und Fleisch aus europäischer Produktion ist ebenso keine Lösung. Hähnchen, Puten, Rinder und Schweine werden mit importiertem Sojaschrot gemästet. In den drei südamerikanischen Ländern belegt Soja bereits 45 Millionen Hektar Land – eine Fläche so groß wie Deutschland und Österreich zusammen. 35 Millionen Tonnen Sojaschrot importieren die Mitgliedsländer der EU pro Jahr, allen voran Deutschland. Grillen bedroht die tropischen Wälder daher in dreifacher Hinsicht.

Alternativen

Als Alternative zur schädlichen Tropenholzkohle kommt nur umweltfreundlich produzierte Holzkohle aus deutschen Wäldern in Frage, oder Gas- und Elektrogrillgeräte. Da sie keinen störenden Qualm erzeugen, sind sie auch im Betrieb angenehmer und belästigen nicht die Nachbarn. Das Fleischproblem lässt sich mit Gemüsespießen lösen, oder zumindest Bio-Fleisch aus tiergerechter Haltung. Bitte entscheiden Sie selbst.

Antworten der Supermärkte

Auf Anschreiben von Earthsight hat Aldi Süd geantwortet, dass Ibecosol, der spanische Zwischenhändler der Holzkohle, angäbe, "seine Verpflichtungen zur Absicherung der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit einzuhalten” auf der Basis seiner PEFC-Zertifizierung und BFCI-Akkreditierung. Außerdem stamme das Holz nicht aus tropischen Wäldern und die Rodungen würden nur teilweise erfolgen. Aldi Nord gab an, über die Firma Boomex Holzkohle von der Firma Bricapar in Paraguay erhalten zu haben, die letzte Lieferung aber von Anfang 2016 stamme. 2017 hätte Aldi Nord bei der Firma keine Holzkohle gekauft. Weiterhin hätte Boomex von Bricapar offizielle Genehmigungen von der Regierung vorgelegt bekommen, wonach die Rodungen legal erfolgen würden.

Hier finden Sie die Studie von Earthsight Choice Cuts - How European & US BBQs are fuelled by a hidden deforestation crisis in South America als Web-Artikel und als pdf-Datei.

Gebührenpflichtiger Artikel in Die Zeit vom 5. Juli 2017: Holzkohle - Kann denn Grillen Sünde sein?

An­schreiben

An: Aldi, Carrefour, Lidl

Sehr geehrte Damen und Herren,

die englische Umweltorganisation Earthsight hat Holzkohle, die aus der Abholzung der Trockenwälder des Chaco stammt, bis in die Filialien von Aldi, Lidl und Carrefour in Europa verfolgen können.

Die Erzeugung dieser Holzkohle hat katastrophale Auswirkungen auf die Natur und die dort lebenden Menschen. Die Holzkohlehersteller roden die tropischen Wälder des südamerikanischen Landes. Sie übernehmen das schmutzige Geschäft für die Fleischindustrie, die das freigeschlagene Land als Weideflächen für Rinderherden nutzt.

Viele Tier- und Pflanzenarten sind dadurch bedroht, darunter endemische Arten, die nur im Chaco vorkommen. Auch indigene Gemeinden sind betroffen, deren Überleben von den Wäldern abhängt.

Der größte Teil der Holzkohle wird nach Europa exportiert. Jeder Kunde, der bei uns diese Holzkohle kauft und verbrennt, fördert ungewollt die rasante Zerstörung der Wälder des Chaco in Paraguay.

Bitte unternehmen Sie unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass Ihre Supermärkte keine Holzkohle aus Tropenwaldzerstörung in Paraguay verkaufen.

Mit freundlichem Gruß

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