Regenwaldbewohner fordern: Keine Bulldozer in den Nationalpark!

Protestbanner auf einem Fluss im Regenwald von Bolivien: Widerstand bedeutet Würde steht auf dem Banner neben der Flagge Boliviens zu lesen Die Einwohner des TIPNIS-Nationalparks demonstrieren gegen die geplante Straße durch den Regenwald (© Marco Arnéz)

Die Einwohner im Regenwald von Bolivien wenden sich erneut an uns: Die Regierung hat ein Straßenbauprojekt wieder aus der Schublade geholt. Im Jahr 2014 hatten schon einmal Proteste aus dem In- und Ausland den Bau einer Landstraße quer durch den TIPNIS-Nationalpark verhindert. Bitte unterstützen Sie die Petition an die Regierung

Appell

An: Präsident Evo Morales, Kopie an die ILO

„Die Regierung von Bolivien muss den TIPNIS-Nationalpark schützen und die Rechte der indigenen Völker einhalten.“

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„Wir alle müssen den TIPNIS schützen. Das ist nicht nur die Aufgabe von uns als Einwohnern und der Bürger von Bolivien, das geht alle Menschen auf der Erde an“, erklärt Ademar Mole.

Mole ist Präsident der Vereinigung der Mojeños, einem der im TIPNIS lebenden indigenen Völker. Das Kürzel steht für Indigenes Territorium und Nationalpark Isiboro Secure.

Mit über 12.000 Quadratkilometern (fast so groß wie Schleswig-Holstein) erstreckt sich das Schutzgebiet vom Regenwald im Amazonastiefland über steile bewaldete Berghänge bis auf 3.000 Meter Höhe. Es ist nicht nur die anerkannte Heimat von drei indigenen Völkern, sondern auch der Lebensraum einer immensen Zahl von Tieren und Pflanzen. Dazu gehören Puma, Jaguar, Riesengürteltier, Tapir, Brüllaffe und Harpyie.

Vor sieben Jahren hatten sich die Einwohner des TIPNIS schon einmal gegen den Bau einer Landstraße mitten durch das Gebiet erhoben. Unterstützt wurden sie von Umweltschützern aus dem In- und Ausland, darunter von Rettet den Regenwald.

Mit Erfolg: 2014 zeigte die bolivianische Regierung Einsicht und verbot per Gesetz jegliche Eingriffe im TIPNIS.

Doch im August 2017 hob die Regierung das Gesetz wieder auf und holte die Straßenbaupläne erneut aus der Schublade. Die Verkehrsader, das wissen die Einwohner und belegen wissenschaftliche Studien, wäre das Einfallstor für Holzfäller, Goldsucher, Landspekulanten und Wilderer. Sie würden die Natur und Lebensgrundlagen der Ureinwohner rasch zerstören.

Wir werden alle rechtlichen Schritte unternehmen. Dazu gehört auch eine Klage wegen Verstoßes gegen die Verfassung, erklärt Mole. Und wenn es notwendig ist, werden wir unser Land mit Pfeil und Bogen verteidigen sowie einen Marsch der Ureinwohner in die Hauptstadt La Paz organisieren.

Bitte unterstützen Sie die Petition an die Regierung von Bolivien.

Hinter­gründe

Der Nationalpark Isiboro Secure wurde bereits 1965 geschaffen. Insgesamt gibt es 22 Nationalparks in Bolivien. Im Jahr 1990 erkannten die Behörden auch die Landrechte der Ureinwohner an, daher der Name Indigenes Territorium und Nationalpark Isiboro Secure. Nach langem Kampf erhielten die Einwohner 2009 auch einen formalen kollektiven Landtitel (Territorio Comunitario de Origen – TCO). Mit zahlreichen Märschen bis in die Hauptstadt La Paz haben die Einwohner zwischen 1990 und 2012 immer wieder für den Schutz des Gebietes und die Anerkennung ihrer Rechte protestiert.

Die Pläne zum Bau der Landstraße durch den TIPNIS kamen im Jahr 2011 ans Licht. Die Straße soll die Orte Villa Tunari (Departament Cochabamba) und San Ignacio de Moxos (Deparmant Beni) verbinden. Die indigenen Einwohner lehnten das Projekt vehement ab. Sie erklärten, ihr Territorium vollständig erhalten zu wollen.

Wer profitiert tatsächlich von der Landstraße?

Die auf dem Papier eigentlich geschützte Natur des TIPNIS ist immer stärker bedroht. So wurden bereits Konzessionen an Ölkonzerne innerhalb des Schutzgebiets vergeben. Auch Holzfäller sägen immer öfter den Regenwald innerhalb der Parkgrenzen um.

Die geplante Landstraße durch den Nationalpark soll zudem den Export von Soja aus den Anbaugebieten im Osten Boliviens und den angrenzenden Bundesstaaten in Brasilien erleichtern. Die Verkehrsader stellt eine direkte Verbindung von Brasilien über Bolivien bis zu Verladehäfen am Pazifik in Chile her. Bisher wird diese Anbindung durch die noch fehlenden 60 Kilometer Landstraße im Gebiet des TIPNIS unterbrochen.

Die Verbindung dient daher nicht wie von offizieller Seite behauptet der Entwicklung der indigenen Gemeinden, sondern vor allem den Geschäftsinteressen der Agrar-, Holz-, Bergbau und Erdölindustrie.

Die betroffenen Einwohner sind nicht gegen Entwicklung, sie befürchten aber von der Straße buchstäblich überrollt zu werden. Die indigenen Organisationen, die die betroffenen Gemeinden vertreten, fordern, eine andere Streckenführung für die Verkehrsader zu suchen, die nicht mitten durch den TIPNIS führt. Die Straße soll die beiden Departments Beni im Amazonastiefland und Cochabamba in den Anden verbinden.

Weitere Informationen:

Spektrum, Sept. 2014: Regenwälder: Die Zerstückelung des Amazonasbeckens - Der Straßenbau verändert den größten Regenwald der Welt – möglicherweise mit globalen Folgen

Current Biology Review, Okt. 2017: Economic, Socio-Political and Environmental Risks of Road Development in the Tropics

Auf Spanisch:

Mongabay, Sept. 2017: Tipnis: indígenas bolivianos temen desaparecer tras decisión del gobierno

Noticias FIDES: Indígenas de La Paz y del TIPNIS firman alianza para defender sus territorios de megaobras

Somos Sur: Dossier actualizado de apoyo a las luchas a favor del TIPNIS

und Materiales gráficos para entender una fraudulenta "consulta"

An­schreiben

An: Präsident Evo Morales, Kopie an die ILO

Sehr geehrter Herr Präsident Morales,

immer wieder haben Sie Ihren Willen erklärt, die Umwelt und die indigene Bevölkerung zu schützen.

Das Straßenbauprojekt durch das Indigene Territorium und den Nationalpark Isiboro Secure (TIPNIS) bedeutet, die indigene Bevölkerung (Yuracares, Mojeñas Trinitarias und Tschimanes) zum Aussterben zu verurteilen. Es bedeutet die unaufhaltsame Zerstörung des Ökosystems durch das Eindringen von Siedlern, Drogenproduzenten, Öl- und Holzfirmen sowie der Agrarindustrie. Die Abholzung der Andenhänge hätte auch katastrophale Folgen für das Amazonastiefland.

Die bolivianische Regierung hat sich gegenüber den Indigenen mit dem Gesetz Nr. 180 dazu verpflichtet, den TIPNIS zu schützen. Nun wurde das Gesetz gestrichen und ein neues Gesetz Nr. 969 beschlossen, das die Ausbeutung des Gebietes genehmigt. Der Staat verfügt derzeit über keinerlei Mittel, die mit dem Straßenbau einhergehenden Landbesetzungen zu kontrollieren. Der Bau einer Landstraße in einem vorher unberührten Gebiet bedeutet daher unwiderruflich dessen völlige Zerstörung.

Lassen Sie daher nicht die Landstraße zwischen Villa Tunari und San Ignacio de Moxos bauen, die den TIPNIS durchqueren würde. Bitte schützen Sie den Regenwald und die Rechte der Einwohner des TIPNIS. Schützen Sie die Mutter Erde und verfolgen Sie weiter das auch von Ihnen verteidigte Konzept des „Guten Lebens" (Sumak Kawsay).

Bitte halten Sie die Verfassung Boliviens ein sowie die internationalen Verträge, die die Rechte der Indigenen schützen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) sollte mit einer Expertenkommission überprüfen, ob das im TIPNIS durchgeführte Anhörungsverfahren dem Übereinkommen 169 über die grundlegenden Rechte der indigenen Völker entspricht.

Wir bedanken uns schon im Voraus für Ihre Antwort.

Hochachtungsvoll

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