Den Vogelmord in Ägypten stoppen

Vogelfang in Ägypten Ein Vogeljäger präsentiert gefangene Neuntöter, die er in einem Reusennetz gefangen hat © H. Schulz (© H. Schulz)

Millionen Zugvögel landen jährlich in Fangnetzen in Ägypten. Die Tiere werden grausam ermordet, um sie als angebliche Delikatesse zu verkaufen. Ende November tagt die 14. UN-Biodiversitätskonferenz in dem nordafrikanischen Land. Bitte fordern Sie, den Fang und die Jagd auf Vögel in Ägypten und anderen Mittelmeerländern zu beenden.

Appell

An: Regierung von Ägypten, Teilnehmer der UN-Biodiversitätskonferenz

„Unsere Zugvögel sind bedroht – die im November auf der UN-Biodiversitätskonferenz versammelten Regierungsvertreter müssen die Vogelwilderei in Ägypten stoppen“

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Ende November findet in Ägypten die 14. UN-Biodiversitätskonferenz statt. Während die Delegationen aus aller Welt im Badeort Sharm El Sheikh debattieren, werden in dem nordafrikanischen Land viele Millionen Zugvögel aus Europa mit Netzen gefangen, um sie als Delikatesse zu verkaufen.

Auf ihrem Flug in die Überwinterungsquartiere in Afrika treffen die Zugvögel aus Europa auf eine über 700 km lange Barriere aus Fangnetzen, die sich entlang der ägyptischen Mittelmeerküste von der Grenze zu Libyen bis zum Gaza-Streifen erstreckt. Auch mit Schlingen und Klebefallen sowie mit Lautsprechern, die Vogelrufe reproduzieren und die Vögel anlocken, fangen Wilderer die Tiere.

Ein Teil der Vögel wird lebend verkauft, die meisten Tiere jedoch gerupft und tiefgefroren. Am Ende landen die winzigen Körper von Singvögeln wie Rotkehlchen, Nachtigall und Fitis, aber auch von Turteltauben, Wachteln und Wildenten auf den Tellern von "Feinschmeckern" und in dubiosen Restaurants. Einige Greifvögel wie Falken werden auch lebend an reiche Kunden in die Staaten am persischen Golf für deren Privatvolieren verkauft.

Wie viele Vögel in Ägypten den Wilderern zum Opfer fallen, kann nur geschätzt werden. Es sind vermutlich etwa 12 Millionen Tiere pro Jahr. Mittlerweile sind die Zahlen rückläufig, aber nicht, weil die Wilderei zurückgegangen ist, sondern weil wesentlich weniger Vögel in Ägypten ankommen. Denn immer häufiger finden sich Vögel auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.

Auch in anderen Ländern rund um das Mittelmeer gehen die Jagd und der Fang von Vögeln weiter, darunter in Italien, Frankreich, Spanien, Malta, Zypern und dem Libanon.

Bitte fordern Sie die Regierungen der Welt auf, die Jagd und Wilderei von Vögeln in Ägypten und anderen Mittelmeerländern zu beenden.

Hinter­gründe

Wie viele Tier- und Pflanzenarten es auf der Erde gibt, weiß niemand genau. Es sind in jedem Fall Millionen. Täglich werden neue Arten beschrieben, besonders in den Tropen. Zur Biodiversität gehören auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten, die miteinander verwobenen Beziehungen der Lebewesen und die breite Palette an Ökosystemen.

Doch die Biodiversität ist weltweit massiv bedroht: Die Natur wird für unseren Konsum geplündert und in Monokulturen umgewandelt, die Umwelt verseucht, Tiere werden geschossen oder gefangen, um Geschäfte zu machen. Die genetische Vielfalt verödet und Arten sterben aus.

Die größte Vielfalt geht mit der Abholzung der tropischen Regenwälder durch die Holz-, Palmöl- und Sojaindustrie verloren. Aber auch in Deutschland und Europa sieht es kaum besser aus. Dreiviertel aller Tier- und Pflanzenarten sowie Habitate befinden sich nach Angaben des Umweltministeriums und der EU-Kommission in einem „ungünstigen“ oder „schlechten Zustand“.

Mit ihrer Biodiversitätsstrategie will die EU den Verlust der Artenvielfalt und die Degradierung der Ökosysteme bis 2020 stoppen und sie wieder herstellen. Davon sind wir weit entfernt. Es wurden nur sehr wenige Fortschritte gemacht, um die Biodiversitätsziele der EU zu erreichen, schreibt die EU-Kommission.

Berichte über den Vogelfang in Ägypten

NABU, Vogelmord in Ägypten bedroht Zugvogelbestand, NABU-Vogelexperte Lars Lachmann im Interview: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/zugvogelschutz/aegypten/15715.html

NABU, Illegalen Vogelfang in Ägypten jetzt stoppen! Entlang der Mittelmeerküste sterben jährlich viele Millionen Zugvögel: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/zugvogelschutz/aegypten/index.html

Hunting and illegal killing of birds along the mediterranean coast of Egypt, Socio Economic study 2018: 
https://www.birdlife.org/sites/default/files/attachments/hunting_and_illegal_killing_in_egypt_0.pdf

Berichte zum Zustand der Biodiversität in Deutschland und der EU

- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Die Lage der Natur in Deutschland - Ergebnisse von EU-Vogelschutz- und FFH-Bericht: https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/natur_deutschland_bericht_bf.pdf

- EU Kommission, The State of Nature in the EU: http://ec.europa.eu/environment/nature/pdf/state_of_nature_en.pdf

An­schreiben

An: Regierung von Ägypten, Teilnehmer der UN-Biodiversitätskonferenz

Sehr geehrte Damen und Herren,

die biologische Vielfalt nimmt rapide ab - in Deutschland, der EU und rund um die Erde.

Bei uns im reichen globalen Norden befinden sich nach Angaben des Umweltministeriums sowie der EU-Kommission Dreiviertel aller Tier- und Pflanzenarten sowie Habitate in einem „ungünstigen“ oder „schlechten Zustand“.

Rund um das Mittelmeer sterben jährlich Millionen Zugvögel aus Europa einen grausamen Tod, um sie als Delikatesse zu verkaufen. In Ägypten verfangen sie sich in einer 700 Kilometer langen Kette aus Fangnetzen, Schlingen und Klebfallen entlang der Küste von Libyen bis zum Gaza-Streifen.

In den Tropen fallen Ökosysteme wie die Regenwälder unserem Konsum zum Opfer, darunter für den Einschlag wertvoller Tropenhölzer und den Anbau von Agrarrohstoffen wie Palmöl, Soja und Kakao. Wilderer schiessen bedrohte Tiere oder nehmen sie gefangen, um beispielsweise mit Elfenbein oder exotischen Arten Handel zu betreiben.

Wir fordern Sie auf, die Biodiversitätsziele der EU einzuhalten. Stoppen Sie den Verlust der Artenvielfalt und die Degradierung der Ökosysteme bis 2020, wie in der Biodiversitätsstrategie der EU festgeschrieben. Und beheben Sie die bereits in den Ökosystemen angerichteten Schäden.

Mit freundlichen Grüßen

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