Philippinen: Palmöl und Bergbau bedrohen ein UNESCO-Reservat

Palmöl und Bergbau bedrohen Mensch und Tier
16.216 Teilnehmer

Ende der Aktion: 19.05.2014

Auf der philippinischen Insel Parawan sollen die Tropenwälder für Ölpalmplantagen und Bergbau gerodet werden – der indigenen Bevölkerung und den Kleinbauern droht damit die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen, die ihnen Nahrungsmittel und andere wichtige Produkte liefern; auch die Reisfelder müssten weichen. Die Insel Palawan ist Teil eines UNESCO Biosphärenreservates und beheimatet 49 Tier- und 56 Pflanzenarten, die laut der internationalen Artenschutz-organisation IUCN weltweit vom Aussterben bedroht sind.  Bitte unterschreiben Sie eine Petition gegen die Zerstörung der Tropenwälder für Nickel und Palmöl.

Appell

Seit das Nationale Programm zur Wiederbelebung des Bergbaus (Regierungsbeschluss Nr. 270-A) am 16. January 2004 von der damaligen Regierung unter Präsidentin Gloria Arroyo verabschiedet wurde, dürfen Bergwerks-Gesellschaften die letzten Brennpunkte der Biodiversität ausbeuten – sogar in sogenannten „Kern-Schutzgebieten“, wo Minen und andere Arten der Ausbeutung der Natur eigentlich verboten sind.  Aufrufe von Bürgerorganisationen an den neugewählten Präsidenten Aquino, die Aktivitäten von Bergwerks-Unternemen in den letzten Tropenwäldern der Philippinen zu stoppen, sind bislang auf taube Ohren gestoßen.

Regenwälder, die der indigenen und ländlichen Bevölkerung Material für Häuser und Körbe, Medizin und Lebensmittel liefern, müssen Palmölplantagen weichen. Auch die Sekundärwälder, die ein wichtiger Bestandteil des traditionellen Wanderfeldbaus sind, und in einigen Gemeinden Palawans bereits die Felder, wo Nahrungsmittel angebaut werden, werden von Ölpalmen verdrängt. Die Ernährungssouveranität der Menschen ist dadurch bedroht. Bergwerks-Unternehmen bauen Straßen mitten durch die äußerst artenreichen Wälder und Wasserreservoirs, was zur Entwaldung, Bodenerosion und Erdrutschen führt.

Das lokale Indigene Netzwerk ALDAW (Ancestral Land/Domain Watch) ruft zusammen mit anderen Organisationen in Palawan die Regierung dazu auf, die Expansion von Palmöl und den Bau von Straßen für den Bergbau zu stoppen sowie die Bergbaukonzessionen, die Wasserreservoirs, Wälder und Menschen bedrohen, zu widerrufen und vor allem den berüchtigten „Regierungsbeschluss 270-A“ zu streichen. Bitte unterschreiben Sie die Petition, um die Forderungen der Menschen auf den Philippinen zu unterstützen. Die Übersetzung des nachfolgenden Schreibens finden Sie hier.

Mehr Informationen über Bergbau, Palmöl und die Bedrohung der indigenen Menschen auf Palawan können Sie auf Deutsch bei Survival International finden. Weitere Informationen auf Englisch finden Sie bei Intercontinental Cry und Plant Talk. Außerdem können Sie die Videos Oil palm aggression on Palawan UNESCO Man & Biosphere Reserve und Bulanjao - an Ugly Scar on Palawan Island sehen.

Hinter­gründe

An den Präsidenten der Philippinischen Republik
Herrn Benigno Aquino
Malacañang Palace
J.P. Laurel St., San Miguel
Manila, NCR, 1005 Philippines

Sehr geehrter Herr Präsident Benigno Aquino,

ich bin sehr besorgt um die Lage der indigenen Menschen und Kleinbauern auf der Insel Palawan (des letzten „ökologischen Grenzgebietes“ der Philippinen). Palawan ist Teil eines UNESCO Biosphärenreservates und beherbergt 49 Arten von Tieren und 56 Arten von Pflanzen, die laut der internationalen Artenschutzorganisation IUCN weltweit vom Aussterben bedroht sind.

Die Bergwerks-Unternehmen Macro Asia und Celestrial Nickel Mining Exploration Corporation (inzwischen von der Ipilan Nickel Corporation übernommen) haben Konzessionen für Land erhalten, das den indigenen Palawan-Gemeinden gehört.  Einige der Palawan-Gruppen haben bislang kaum Kontakt mit der Außenwelt.  Diese Bergwerkskonzessionen erstrecken sich sogar in die „Kern-Schutzgebiete“, die durch den Strategischen Umweltschutzplan für Palawan geschützt sein sollten.  Bergbauaktivitäten in diesen Gebieten sind eine Katastrophe für die Menschen und für das Land, von dem ihr Überleben abhängt.

Ich bin ebenfalls besorgt darüber, dass die Provinzregierung Tausende Hektar Land für die Biosprit-Produktion verplant, vor allem für Palmöl. Diese Monokulturen werden die Biodiversität zerstören und den Zugang der indigenen Menschen zu ihren natürlichen Ressourcen behindern.

Die Rio Tuba Nickel Mining Corporation (RTNMC) baut Straßen durch das Bulanjao Gebirge, einen Brennpunkt der Artenvielfalt.  Die Straßen verursachen Umweltschäden wie zum Beispiel Erdrutsche, Bodenerosion und die Entwaldung von Wasserreservoirs. Damit bedrohen sie die Gesundheit und die Lebensgrundlage der indigenen Palawan-Gemeinden und der Kleinbauern, die in den Ebenen leben.

Ich bin außerdem besorgt über Berichte, denen zufolge die Nationale Kommission für Indigene Völker (NCIP) in Palawan nicht die Interessen ihrer indigenen Basisorganisationen unterstützt.  Mit dem Ergebnis, dass der Konsultationsprozess den indigenen Menschen nicht ihr freies, volles und informiertes Einverständnis bei Entscheidungen garantiert, auf das sie laut nationalem und internationalem Recht Anspruch haben.

Obwohl das 25-Jahre-Moratorium für kleinere Bergbauaktivitäten akzeptiert ist, wird es großflächige Bergbauaktivitäten in der Provinz nicht stoppen.  Außerdem bietet das vor kurzem erklärte Mantalingahan-Schutzgebiet keinen Schutz für das Gantong-Wasserreservoir.  Diese Gebiete, die von isolierten und bedrohten Palawan-Gruppen bewohnt werden, sind Teil der Bergbaukonzessionen der Macro Asia Corporation, die gültig bleiben werden.

Ich fordere die nationale Regierung dazu auf, das Bergbaugesetz von 1995, welches eine Katastrophe für indigene Menschen und die ländliche Bevölkerung in den Philippinen bedeutet, zu streichen, und Macro Asia und Celestial die Bergbaukonzessionen in den Berggebieten von Brooke's Point Municipality und dem Gantong Wasserreservoir zu entziehen.  Diese wurden ohne freies und informiertes Einverständnis der indigenen Bevölkerung vergeben.

Schließlich fordere ich Sie dazu auf sicherzustellen, dass der Bau von Bergbaustraßen im Wasserreservoir von Bulanjo und Pläne für weitere Palmölplantagen sofort gestoppt werden – wie es das Gesetz über die Rechte der indigenen Bevölkerung und des Strategischen Umweltschutzplanes für Palawan vorschreibt.

Mit freundlichen Grüßen

An­schreiben

To: The President of the Republic of the Philippines
Mr Benigno Aquino
Malacañang Palace
J.P. Laurel St., San Miguel
Manila, NCR, 1005 Philippines

Dear Mr. President Aquino,

I am extremely concerned about the situation of the indigenous peoples and rural communities of Palawan Island (the Philippines' last ecological frontier). Palawan is part of the Man and Biosphere Reserve program of UNESCO and hosts 49 animals and 56 botanical species found in the IUCN Red List of Threatened Species.

MacroAsia mining corporation and Celestial Nickel Mining Exploration Corporation (currently being operated by Ipilan Nickel Corporation) have been given rights over the land of indigenous Palawan communities, some of whom have very little contact with the outside world. These mining concessions are even within the Core and Restricted Zones, which should be protected by the Strategic Environmental Plan for Palawan. Mining in these areas will devastate the communities and the land they rely on to survive.

I am also concerned at the Provincial government's plans for thousands of hectares of biofuel plantations, especially oil palm. These will reduce local biodiversity and the indigenous people's ability to access their natural resources.

The Rio Tuba Nickel Mining Corporation (RTNMC) is building roads in the Bulanjao range (a biodiversity hotspot), which are causing environmental damage such as landslides, soil erosion and deforestation of watersheds. This is threatening the health and livelihood of both Palawan indigenous communities and lowland farmers.

Moreover, I am concerned about reports that the National Commission on Indigenous Peoples (NCIP), in Palawan, is not supporting the interests of its indigenous constituents. As a result, consultative processes carried out by NCIP do not allow the indigenous people to exert their free, prior and informed consent, to which they are entitled by national and international law.

Although the 25-year moratorium on small-scale mining is welcome, it will not stop large-scale mining in the province. Furthermore, the newly approved Mantalingahan Protected Area does not provide protection for the Gantong watersheds. In fact, these areas, inhabited by vulnerable and isolated Palawan communities, are included in the mining claims of MacroAsia Corporation, which will remain valid.

I urge the national government to revoke the 1995 Mining Act, which has been so disastrous for indigenous peoples and rural communities in the Philippines and to cancel both MacroAsia's and Celestial's mining claims in the uplands of Brooke's Point Municipality and in Gantong watersheds. These have been granted without the genuine free prior and informed consent of the indigenous inhabitants.

Finally, I urge you to ensure that the construction of mining roads in the watersheds of Bulanjao range, and plans to increase oil palm plantations, are stopped immediately in accordance with the Indigenous Peoples' Rights Act and the Strategic Environmental Plan for Palawan.

Sincerely,

5-Minuten-Info zum Thema: Gold

Ausgangslage – Schmutziges Gold

Goldvorkommen gibt es fast überall auf der Erde. Besonders massiv ist der Abbau auf der der Insel Niolam im Nordosten Papua-Neuguineas, wo täglich ca. 75 Kilo Gold gefördert werden. Im Ländervergleich wird in China das meiste Gold abgebaut: 2016 waren es 455 Tonnen des Edelmetalls, was etwa 13 Prozent der weltweiten Goldproduktion entspricht.

Im Jahr 2016 wurde das kostbare Metall zu 47,4 Prozent zu Schmuck verarbeitet; 7,5 Prozent des jährlich geförderten Goldes wurden in der Elektronikindustrie für Handys oder Laptops verwendet. Den Rest halten Zentralbanken oder Privatanleger als Reserve und zu Spekulationszwecken. Die US-amerikanische Zentralbank besitzt mit 8133,5 Tonnen mit Abstand den größten Goldbestand. Die Deutsche Bundesbank kommt mit 3377,9 Tonnen an zweiter Stelle.

Gold kann als körnerartige Goldseifen (Nuggets), die mechanisch vom Bodensubstrat getrennt werden, vorkommen. Weitaus häufiger findet sich das Edelmetall jedoch in feinsten Spuren in der Gitterstruktur der Gesteinsminerale. Um den Goldstaub herauszulösen und zu binden, müssen die Schürfer zu Zyanid und Quecksilber greifen.

Im großindustriellen Goldabbau wird das äußerst umweltschädliche Zyanid-Lauge-Verfahren angewandt. Um eine Tonne Gold zu fördern, müssen durchschnittlich 150 Tonnen Zyanid eingesetzt werden. Bereits wenige Milliliter davon sind tödlich für den Menschen.

Das Quecksilber-Verfahren kommt häufig bei Kleinschürfern zur Anwendung. Die goldhaltigen Erze werden zunächst stundenlang im Wasser gesiebt, bis der Goldstaub im Bodensatz konzentriert ist. Dieser goldhaltige Gesteinsschlamm wird dann mit Quecksilber gemischt, das mit dem Gold eine flüssige Legierung (Amalgam) eingeht. Diese Legierung wird erhitzt, das toxische Schwermetall verdampft und übrig bleibt reines Gold. Schutzanzüge gegen das Nervengift oder Rückgewinnungsvorrichtungen für das verdampfende Quecksilber sucht man beim Goldabbau durch Kleinschürfer oft vergeblich. Lukrative Geschäfte mit dem Edelmetall machen vor allem Kapitalgeber, Transportunternehmen und Chemikalienhändler. Menschen und Natur leiden unter dem Goldabbau.

Auswirkungen –Toxische Wüsten statt artenreicher Regenwälder

Durch Zyanid und Quecksilber werden Böden und das Grundwasser auf ewig verseucht. Selbst wenn Goldminen stillgelegt werden, gibt zyanidbehandeltes Gestein viele Jahrzehnte später giftige Schwefelsäuren ab.

Der industrielle Goldabbau benötigt zudem Unmengen an Wasser. Durchschnittlich sind es 140.000 Liter Wasser pro Stunde,was dem Jahreswasserverbrauch eines Drei-Personen-Haushalts in Deutschland entspricht. Das kontaminierte Wasser wird in Auffangbecken, die mit Dichtungsfolie ausgelegt werden, gesammelt und anschließend teilweise wiederaufbereitet. Starke Regenfälle, die die Dämme zum Überlaufen oder Bersten bringen, oder kleinste Löcher in der Folie stellen große Umweltgefahren dar. Immer wieder ereignen sich solche Dammbrüche. Im Jahr 2000 in Rumänien verseuchten schwermetallhaltige Schlämme die Theiss, den größten Zufluss der Donau. Jegliches Leben in den Gewässern wurde ausgerottet. Die Giftbelastung war bis in die mehrere hundert Kilometer entfernte Donau nachzuvollziehen.

Im Regenwald kommt die Abholzung der Urwaldriesen für den Goldabbau hinzu. Bagger wühlen die Erde um und hinterlassen Mondlandschaften. Um nur 0,24 Gramm Gold zu erhalten, entstehen 1000 Kilo Sondermüll und Abraum. Ein einzelner Goldring produziert demnach 20 Tonnen lebensgefährlichen Giftmüll.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt, dass Kinderarbeit in der Goldgewinnung weit verbreitet ist. Kinder können in enge Schächte klettern und waschen mit bloßen Händen die goldhaltigen Erze in Quecksilberlaugen.

Die Lösung – Vier Goldene Regeln zum Schutz von Mensch und Natur

Wurde auch mein Goldschmuck unter diesen menschenunwürdigen und umweltverpestenden Bedingungen hergestellt? Den verschlungenen Goldpfad nachzuverfolgen, ist aufgrund der Vielzahl der Akteure äußerst schwierig. Die Goldraffinerien, die mehrheitlich in der Schweiz sitzen und zusammen 70 Prozent der Weltproduktion ausmachen, geben an, den Rohstoff von zertifizierten Händlern zu beziehen. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass viele Verkäufer Scheingeschäfte mit falschen Adressen führen (Filmtipp: „Dreckiges Gold - Die glänzenden Geschäfte mit dem edlen Metall“).

Auch wir tragen für die Auswirkungen Verantwortung: Was kann jeder einzelne also tun?

1. Konsum überdenken: Braucht man jedes Jahr ein neues Smartphone? Nutzen Sie Elektronikgeräte wie Handys und Laptops möglichst lange. Wenn die Funktionen versagen, können Sie das Gerät aussortieren – aber dann bitte in einer Recyclingstelle abgeben. Wussten Sie, dass laut einer UNO-Berechnung in nur 49 Handys soviel Gold enthalten ist wie in einer Tonne Golderz?

2. Schmuck umarbeiten: Goldschmuck, der aus der Mode gekommen ist oder einfach nicht mehr gefällt, lässt sich problemlos umarbeiten. Der Regenwald wird es danken.

4. Gold taugt nicht als Investition: Ist Gold wirklich ein sicherer Anker in Finanzkrisen? Experten raten davon ab. Und außerdem: Eine ethische und verantwortungsvolle Finanzanlage ist Gold nicht.

5. Wissen in die Welt transportieren: Machen Sie auf die umweltschädlichen Giftstoffe beim Tagebau, den Raubbau an der Natur und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam, indem Sie unseren kostenlosen Regenwald Report mit fundierten Artikeln zu Regenwaldthemen beim Friseur oder Arzt auslegen. Gerne senden wir Ihnen hierfür ausreichend Exemplare zu. Auch mit Ihrer Unterschrift zur Petition „Nationalpark erhalten – Goldmine stoppen“ setzten Sie ein Zeichen und unterstützen unsere Arbeit.