Honduras: 25 Morde für Palmöl mit Weltbank-Kredit

Im Aguan-Tal in Honduras herrscht Krieg um das Palmöl
23.020 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

Im Aguan-Tal in Honduras führt der Palmöl-konzern Dinant einen blutigen Krieg. Die Firma soll sich das Land von 700 Bauernfamilien angeeignet haben – insgesamt 11.000 Hektar. Die Bauern haben Teile der Palmölplantagen besetzt. Dinant reagiert darauf mit Gewalt. 25 Tote sind zu beklagen, mindestens 19 Morde werden nach Medienangaben dem Konzern angelastet. Finanziert werden der Ausbau von Dinant und der Ölpalmplantagen mit einem 30-Millionen-US-Dollar-Kredit der Weltbank. Und der bundeseigenen DEG aus Köln liegt ein weiterer Kreditantrag über 20 Millionen US-Dollar vor.

Appell

Im Aguan-Tal in Honduras führt der Palmöl-konzern Dinant einen blutigen Krieg. Die Firma soll sich das Land von 700 Bauernfamilien angeeignet haben – insgesamt 11.000 Hektar. Die Bauern haben Teile der Palmölplantagen besetzt. Dinant reagiert darauf mit Gewalt. 25 Tote sind zu beklagen, mindestens 19 Morde werden nach Medienangaben dem Konzern angelastet. Finanziert werden der Ausbau von Dinant und der Ölpalmplantagen mit einem 30-Millionen-US-Dollar-Kredit der Weltbank. Und der bundeseigenen DEG aus Köln liegt ein weiterer Kreditantrag über 20 Millionen US-Dollar vor.

Mit einer 200 Mann starken Privatarmee, darunter Paramilitärs aus Kolumbien, lässt der Palmölkonzern Dinant des Agrarunternehmers Miguel Facussé die Menschen im Aguan-Tal im Norden von Honduras terrorisieren und umbringen, berichtet das Entwicklungsjournal Welt Sichten.

„Sie erschießen Bauern wie Tiere“, erklärt Lidia Ramos aus der Siedlung La Concepción gegenüber einer Abordnung von Menschenrechtlern und Medienvertretern aus Deutschland. Mindestens 19 Morde werden Facussé und seiner Corporación Dinant angelastet.

Dinant soll sich mit Tricks und der Komplizenschaft der Regierung das Land von 700 Bauernfamilien angeeignet haben – insgesamt 11.000 Hektar. Die Bauern haben Teile der Palmölplantagen besetzt. Der Konzern versucht den Landkonflikt mit Gewalt zu lösen und schreckt auch nicht vor Mord zurück.

Im Januar 2009 genehmigte die International Finance Corporation (IFC), der für die Privatwirtschaft zuständige Teil der Weltbank, der Corporación Dinant einen 30-Millionen-US-Dollar-Kredit, der am 5. November des gleichen Jahres überwiesen wurde (Nummer 27.250). Ziel der Finanzierung ist es, „die Produktionskapazitäten zu erweitern“ und „neue Ölpalmplantagen zu entwickeln“.

In Deutschland hat Dinant weitere 20 Millionen US-Dollar beantragt. Die bundeseigene DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, die zur staatlichen KfW- Bankengruppe gehört, prüft aktuell das Gesuch, wie die Kölner Gesellschaft Rettet den Regenwald gegenüber schriftlich bestätigte. Aufgrund des Bankgeheimnisses will die DEG aber keine Angaben zur Prüfung und zum Status der Finanzierung machen.

Rettet den Regenwald fordert Weltbank und DEG auf, keine Kredite und Entwicklungsgelder an die Palmölindustrie zu geben. Die riesigen Monokulturen sind weder umweltfreundlich noch kommen sie den Menschen zugute. Die Palmölproduktion für den Weltmarkt und Agrardiesel (sogenannter Biodiesel) ist tödlich für Mensch, Umwelt und Klima.

Bitte schreiben Sie an Weltbank und DEG. Keine Weltbank-Kredite für Palmöl und Dinant. Der bereits an Dinant ausgezahlte Weltbankkredit muss zurückgezahlt werden. Die DEG soll den Projektantrag unverzüglich ablehnen.

Erfolg 8. April: Die DEG hat auf unsere Aktion bereits reagiert. In einem Antwortschreiben informiert die Bank: "Vor dem Hintergrund der Entwicklung des Landkonfliktes hat sich die DEG entschieden, das Vertragsverhältnis nicht fortzusetzen und das Darlehen damit nicht auszuzahlen." Die Protestaktion an die Weltbank geht aber weiter.

Erfolg 14. April: Der französische Energiekonzern EDF erklärt nach Medienangaben den CO2-Handel mit Dinant zu stoppen. Im Rahmen des Handels mit Verschmutzungsrechten hat EDF über den Clean Development Mechanism (CDM) der Vereinten Nationen ein Klimaprojekt aus Palmölresten finanziert.

Weitere Informationen...

Hinter­gründe

Menschenrechtsaktivisten haben die Verbrechen von Dinant in einem 48 Seiten starken Bericht zusammengefasst, der im Rahmen eines Treffens der Inter-amerikanischen Menschenrechtskommission Ende März übergeben wurde. Dazu gehört der Mord an fünf Bauern am 15. November 2010 in El Tumbador, der direkt den privaten Sicherheitskräften von Facussés Firma angelastet wird.

Es geht um Tausende Hektar ehemals kollektiv bewirtschafteter Ländereien, die sich Konzernchef Facussé angeeignet hat, so die Vorwürfe. Die Bauern fühlen sich betrogen und haben die Palmölplantagen nun besetzt. Die Siedlung La Concepción wurde zwischen den Palmölreihen mit Plastikplanen errichtet. 20.000 Hektar sollen Dinant bereits gehören, einschließlich Palmölmühlen und Verarbeitungsfabriken.

Eine internationale Koalition von Menschenrechtsorganisationen bereitet nun eine formelle Klage bei der Weltbank vor. Am 24. März haben die Aktivisten sich bereits mit der dafür zuständigen Weltbank-Stelle, dem Compliance Advisor Ombudsman (CAO) in Washington getroffen. Die Weltbank soll die schweren Menschenrechtsverletzungen untersuchen und die Durchführung des Projekts stoppen, so die zentralen Forderungen.

Vorbild ist die erfolgreiche Klage bei der Weltbank gegen den Palmölkonzern Wilmar aus Singapur, bei dem viele europäische Multis wie Unilever, Nestle und Ikea Palmöl kaufen. Wilmar kam gleich mehrfach in den Genuss von Weltbank-Krediten, obwohl der Konzern tief in Landraub, Menschenrechtsverletzungen und Regenwaldvernichtung verstrickt ist. Die Klage von Kleinbauern in Indonesien bei der Beschwerdestelle CAO der Weltbank hatte schließlich Erfolg. CAO untersuchte die Klagen, bestätigte die Vorwürfe und forderte die Weltbank zum Handeln auf.

Weltbank-Präsident Zoellick hatte daraufhin im September 2009 sämtliche Kredite für die Palmölindustrie ausgesetzt und angeordnet, dass die Bank eine umfassende Palmölstrategie erarbeiten müsse. Letztere liegt inzwischen in der Endfassung vor und wurde am 24. März vom Weltbankdirektorium abgesegnet. Doch die neue Strategie ist weiter völlig unzureichend und kann auch in Zukunft derartige Fehlinvestitionen nicht verhindern.

Nun liegt die Entscheidung bei Weltbank-Präsident Zoellick, ob das Palmöl-Moratorium wieder aufgehoben wird. Seine Entscheidung könnte noch im April fallen. Rettet den Regenwald fordert, dass Palmölmoratorium weiterhin aufrecht zu erhalten.

Weitere Informationen auf Spanisch finden Sie hier.

An­schreiben

Weltbank-Gruppe
Frau Ingrid Hoven, Exekutivdirektorin für Deutschland
1818 H Street, NW, Washington, D.C. 20433, USA
Tel.: 001-202-458-1183; Fax: 001-202-477-7849
ihoven@worldbank.org  

DEG
Herr Hubertus Graf von Plettenberg, Leiter Sekretariat Geschäftsführung
Postfach 10 09 61, 50449 Köln
Tel.: 0221-4986-1141; Fax: 0221-4986-1292
hubertusgrafvon.plettenberg@deginvest.de

Sehr geehrte Frau Hoven, sehr geehrter Herr Graf von Plettenberg,

mit großer Sorge habe ich von dem Landkonflikt und den Morden im Aguan-Tal in Honduras an Bauern und einem Journalistenpaar erfahren.

Nach einem Bericht, den Menschenrechtler während eines Treffens mit der Interamerikanischen Menschenrechtskommission Ende März in Washington übergeben haben, sind bereits 25 Morde in Zusammenhang mit dem Landkonflikt im unteren Aguan-Tal zu beklagen. Mindestens 5 Morde am 15. November 2010 in El Tumbador werden direkt dem "Sicherheitspersonal" von Dinant und Firmenchef Fucussé angelastet.

Die Morde stehen demnach im Zusammenhang mit den Erweiterungen der Palmölplantagen des Dinant-Konzerns. Dinant soll sich 11.000 Hektar Land angeeignet haben, das 700 Bauernfamilien zusteht. Die Bauern haben das Land friedlich besetzt. Dinant reagiert darauf mit Verfolgung, Gewalt und Mord.

Die Weltbank/IFC hat dem Dinant-Konzern 2009 einen 30-Millionen-US-Dollar-Kredit bewilligt und überwiesen (siehe http://www.ifc.org/ifcext/spiwebsite1.nsf/0/2F9B9D3AFCF1F894852576BA000E2CD0?OpenDocument). Ziel des Kredits ist es, „die Produktionskapazitäten zu erweitern“ und „neue Ölpalmplantagen zu entwickeln“. Die Weltbank macht sich damit mitschuldig an dem blutigen Landkonflikt im Aguan-Tal.

Völlig unverständlich finde ich in diesem Zusammenhang, dass derzeit auch noch die bundeseigene Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH einen 20-Millionen-US-Dollar-Kredit an Dinant prüft.

Palmöl-Konzerne wie die Dinant-Gruppe in Honduras vernichten die Lebensgrundlagen der Menschen, zerstören Regenwälder und Natur sowie bedrohen das Weltklima. Die Finanzierung der Palmölindustrie ist mit den Entwicklungszielen von Weltbank und DEG nicht vereinbar.

Bitte setzen Sie sich bei Weltbankpräsident Zoellick und den DEG-Geschäftsführern dafür ein, dass keine Gelder an die Palmölindustrie und Dinant vergeben werden. Der bereits an Dinant ausgezahlte Weltbankkredit muss zurückgezahlt werden.

Unterstützen Sie stattdessen aktiv die Untersuchung und Aufklärung der Morde und des Landraubes im Aguan-Tal sowie setzen Sie sich für die friedliche Lösung der Landkonflikte und die Entschädigung der Bauern ein.

Mit freundlichen Grüßen