Aktion Plantagen sind keine Wälder

Eukalyptusbäume stehen in Reih und Glied auf einer Industrieplantage eines Papierkonzerns in Brasilien Eukalyptuswüste in Brasilien: Holzplantagen sind KEINE Wälder
26.703 Teilnehmer

Ende der Aktion: 22.05.2014

2011 haben die Vereinten Nationen (UN) zum Internationalem Jahr der Wälder erklärt. Darüber, was ein Wald ist, gibt es allerdings sehr gegensätzliche Meinungen. Für die UN-Welternährungsorganisation (FAO) fallen auch Industrieplantagen mit geklonten Bäumen darunter. Für solche grünen Wüsten werden die Wälder gerodet, ohne dass dies als Entwaldung zählt. Als Folge breiten sich die Holzplantagen immer weiter aus. Bitte fordern Sie die FAO auf, ihre Walddefinition zu ändern. Baummonokulturen sind KEINE Wälder.

Appell

Die Wälder der Erde sind bedroht und schwinden immer noch in atemberaubenden Tempo. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die für Wälder zuständige UN-Organisation, untersucht jedes Jahr deren Bestand und die Entwaldung auf der Erde. Aktuell beziffert sie den Waldverlust auf 13 Millionen Hektar – pro Jahr. Jede Minute fällt damit eine Waldfläche so groß wie 35 Fußballfelder.

Gemindert wird diese dramatische Entwicklung nach Angaben der FAO durch Aufforstungen: „Aufgrund ehrgeiziger Baumpflanzprogramme in Ländern wie China, Indien, den USA und Vietnam wachsen jährlich mehr als sieben Millionen Hektar neuer Wälder heran – zusammen mit der natürlichen Waldausdehnung in einigen Regionen." Das schreibt die FAO ihrem aktuellen Waldbericht.

Die FAO definiert dazu, was für die Vereinten Nationen „Wälder“ sind: „Landflächen größer als 0,5 Hektar, die mit Bäumen bewachsen sind, die mindestens 5 Meter hoch werden können. Und mindestens 10 Prozent des Bodens müssen durch Baumkronen überschirmt sein.“ Mit dieser Begriffsbestimmung bezeichnet die FAO auch industrielle Baum-Monokulturen als Wälder.

Jedes Jahr werden solche Plantagen auf Millionen Hektar Land angelegt, um unseren Hunger nach billigen Rohstoffen für Papier und Zellstoff sowie für Energie aus Biomasse zu befriedigen. Vielfach werden dafür die natürlichen Wälder gerodet, um dort Monokulturen mit genetisch identischen, gleichaltrigen und exotischen Eukalyptus-, Kiefern- und Akazienbäumen zu pflanzen. Für die Umwelt, das Klima und die Menschen sind die Plantagen eine Katastrophe.

Weitere Informationen zu Baumplantagen

Die Walddefinition der FAO wird von allen UN-Institutionen, darunter dem UN Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen (UN Framework Convention on Climate Change - UNFCCC), und vielen weiteren Organisationen sowie Regierungen rund um den Globus benutzt. Deutschland ist der drittgrößte Beitragszahler der FAO.

Die in der “Weltbewegung für den Regenwald” (World Rainforest Movement - WRM) vereinten Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt fordern die FAO und UN auf, diese falsche Walddefinition dringend zu ändern. Bereits im September haben sich dazu 600 Wissenschaftler und Experten aus aller Welt mit einem offenen Schreiben an die FAO gewandt. Ende November findet in Südafrika die nächste Runde der UN-Klimaverhandlungen (COP 17/CMP 7) statt. Bitte unterstützen Sie unsere Mailaktion.

Hinter­gründe

Die Holzplantagen bieten Pflanzen und Tieren keinen Lebensraum - ökologisch gesehen sind sie wertlos und lebensfeindlich. Die wenigen Überlebenskünstler, die es trotzdem schaffen, werden mit Pestiziden und Herbiziden totgespritzt, um die auf maximales Holzwachstum getrimmten Bäume nicht zu stören. Schon nach wenigen Jahren (in Brasilien beispielsweise nach etwa sieben Jahren) werden die Bäume dann zumeist vollmechanisch von schweren Erntemaschinen per Kahlschlag gerodet.

Nicht nur für die Böden, den Wasserhaushalt und das Weltklima sind die Monokulturen eine Katastrophe, sondern auch für die Menschen. Denn sie vernichten die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in den Waldgebieten und nehmen den Kleinbauern das Ackerland, das sie für den Anbau von Nahrungsmitteln dringend brauchen. Arbeitsplätze gibt es dort nur sehr wenige. Und die Industrie experimentiert schon mit gentechnisch veränderten Bäumen im Freien, die beispielsweise frostresistent sind oder einen geringeren Gehalt bestimmter Inhaltsstoffe wie Lignin haben. Lignin ist im Holz die Kittsubstanz, doch in Zellstoff und Papier ist der Stoff unerwünscht.

Finanziert werden die Plantagen vielfach über den CO2-Handel. Denn, so die Argumentation, die dort wachsenden Bäume würden schließlich Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden. Ignoriert wird dabei, dass enorme Mengen CO2 aus der Vegetation und den Böden freigesetzt werden, wenn für die Plantagen natürliche Ökosysteme wie Wälder weichen müssen, die gewaltige Mengen Kohlenstoff speichern.

Die “Weltbewegung für den Regenwald” (World Rainforest Movement – WRM) dokumentiert seit 25 Jahren auf ihrer Webseite (auf Englisch und Spanisch) wie die Industrieplantagen Mensch und Natur bedrohen. Dort finden Sie auch eine kurze Animation zum Thema (auf deutsch). Weiterhin können Sie auch das knapp 20 minütige Video „Stimmen aus Lateinamerika gegen die grüne Wüste“ in zwei Teilen von Rettet den Regenwald sehen (Original mit englischen Untertiteln). In dem Film berichten fünf Menschen aus Lateinamerika von ihren schlimmen Erfahrungen mit den industriellen Baummonokulturen.

An­schreiben

- Herr Dr. Jacques Diouf, Generaldirektor der UN-Welternährungsorganisation (FAO)
Viale delle Terme di Caracalla, 00153 Rom, Italien, Forests-2011@fao.org
- Frau Ilse Aigner, Bundesministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (BMELV), Berlin, poststelle@bmelv.bund.de
- Herr Dirk Niebel, Bundesminister für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ)
Bonn, Dirk.Niebel@bmz.bund.de
- Herr Norbert Röttgen, Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
Berlin, norbert.roettgen@bmu.bund.de
- Herr Friedrich-Carl Bruns, Botschafter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der FAO, Rom, Italien, germanrepfao@rom.diplo.de


Sehr geehrter Herr Diouf, sehr geehrte Damen und Herren Minister Aigner, Niebel und Röttgen, sehr geehrter Herr Botschafter Bruns,

die UN-Welternährungsorganisation FAO definiert Wälder als „Landflächen, größer als 0,5 Hektar, die mit Bäumen bewachsen sind, die mindestens 5 Meter hoch werden können. Und mindestens 10 Prozent des Bodens müssen durch Baumkronen überschirmt sein (*).

Nach dieser Definition sind auch Baumplantagen Wälder. Plantagen mit natürlichen Wäldern gleichzustellen, ist nicht korrekt und führt zu falschen Entscheidungen. Natürliche Wälder können demnach durch Plantagen mit exotischen, geklonten und gentechnisch veränderten Baumarten ersetzt werden, ohne dass dies als Entwaldung betrachtet wird. Dies hat gravierende negative Auswirkungen auf lokaler und globaler Ebene.

Waldökosysteme erfüllen vielschichtige Bedeutungen und Funktionen für die Erde, das Klima, die Artenvielfalt und die gesamte Menschheit. Industrieplantagen jedoch sind einseitig auf die wirtschaftlichen Interessen der Betreiber ausgerichtet. Die falsche FAO-Definition rechtfertigt die Ausweitung industrieller Baummonokulturen, deren negative soziale, wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Auswirkungen gut dokumentiert und öffentlich bekannt sind.

Milliardeninvestitionen werden – auch im Namen des Klimaschutzes - in industrielle Baumplantagen gesteckt, die auf Kosten der Wälder und anderer Ökosysteme sowie der Landwirtschaft angelegt werden. Rund um den Globus breiten sich Baummonokulturen bereits auf Millionen Hektar Land aus, beispielsweise in Chile, Brasilien, den USA, Spanien, Südafrika und Indonesien.

Die Wald-Definition der FAO wird auch von anderen UN-Organisationen und UN-Initiativen verwendet. Etwa im UN-Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen (UNFCCC) sowie von zahlreichen Regierungen in ihren Verhandlungen, Programmen und in ihrer Politik. Wälder spielen auch bei den Klimaverhandlungen eine sehr wichtige Rolle. Ende November findet in Südafrika die nächste Runde der UN-Klimakonferenz und des Kyoto-Protokolls (COP 17/CMP 7) statt.

Ich glaube, dass diese falsche FAO-Definition und die damit verbundene Plantagenpolitik dringend geändert werden sollten. Ich fordere die FAO auf, unverzüglich einen internationalen Konsultationsprozess zu beginnen, der diese Definition komplett neu überarbeitet. Die UN und die FAO brauchen dringend eine korrekte Walddefinition. Plantagen sind KEINE Wälder.

Mit freundlichen Grüßen


(*) FAO, Global Forest Ressources Assessment 2010, Main report, Annex 2. Terms and definitions used in FRA 2010. Page 209
http://www.fao.org/docrep/013/i1757e/i1757e.pdf