UNO, Weltbank und OECD empfehlen: Schluss mit sogenanntem Biosprit

Nahrungsmittel sind kein Spritersatz
21.531 Teilnehmer

Ende der Aktion: 19.05.2014

Umwelt- und Entwicklungsexperten laufen schon seit Jahren Sturm gegen Agrarkraftstoff und fordern die Industrieländer auf, diese schädliche Politik zu stoppen. Dem schließen sich jetzt auch die Vereinten Nationen (UN) an. Zehn internationale Organisationen empfehlen den Regierungen der G-20-Länder, die Förderung von sogenanntem Biosprit zu beenden. Bitte schreiben Sie an die Staatschefs der G20-Länder.

Appell

Die Regierungen der G20-Länder sollten „in ihren nationalen Richtlinien die Bestimmungen streichen, die die Produktion und den Verbrauch von Biosprit subventionieren oder vorschreiben", so schreiben die Autoren der Studie wörtlich. Zu diesen gehören das Welternährungsprogramm (WFP) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen, die Weltbank, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) sowie sechs weitere internationale Institutionen.

Die G20-Länder wollen mit der angeblich grünen Energie vor allem das Klima schonen. Zu ihnen gehören die großen Industrienationen wie USA, Japan und Deutschland sowie die EU, aber auch aufstrebende Länder wie China, Indien und Brasilien.

Die EU hat bereits 2009 beschlossen, dass bis 2020 mindestens 10 Prozent des Kraftstoffs aus „erneuerbaren Quellen", d.h. hauptsächlich Agrarsprit stammen müssen. In Deutschland hat die Bundesregierung Anfang des Jahres die Einführung von E10-Kraftstoff vorgeschrieben. Dem fossilen Benzin werden dabei 10 Prozent Ethanol beigemischt. Allein in der EU wird die Herstellung von Agrosprit mit jährlich etwa 3 Milliarden Euro Steuergeldern finanziert.

Doch Ethanol und Biodiesel werden fast ausschließlich aus Nahrungsmitteln hergestellt: Mais, Weizen, Zuckerrohr, Ölpalme, Raps oder Soja. Die Nahrungsmittel werden knapp und die Preise steigen massiv. Agrosprit verschärft damit weltweit Unterernährung und Hunger. Der UN-Sonderbotschafter für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutterer, fordert in einer Stellungnahme an die G20: „Die Staatschefs müssen jetzt beweisen, dass sie die gemeinsame Erklärung der internationalen Organisationen vor fünf Monaten gehört haben; sie drängen die G20-Länder dazu, die Subventionierung von Biosprit zu beenden. Es reicht nicht aus, das Thema zu erwähnen, die G20 müssen das Menschenrecht auf Ernährung vor die Interessen der Industrie stellen." Schon 2007 bezeichnete sein Amtsvorgänger Jean Ziegler „Biokraftstoff als ein Verbrechen gegen die Menschheit".

Agrospritkonzerne reißen sich riesige Landflächen unter den Nagel und vertreiben die Bevölkerung. Da Ackerland weltweit knapp ist, werden Regenwälder und andere wertvolle Ökosysteme für Anbauflächen zerstört. Die Rodungen vernichten die Artenvielfalt und setzt gewaltige Mengen des in Vegetation und Böden gebundenen Kohlenstoffs frei.

Bitte schreiben Sie an die Staatschefs der G20-Länder und setzen Sie sich für ein Ende des Agrospritwahns ein. Die Welternährung einschließlich der Preisschwankungen von Nahrungsmitteln und Agrarprodukten stehen auf der Tagesordnung des G20-Gipfels. Wir sammeln die Unterschriften und werden sie demnächst übergeben.

Die Studie „Price Volatility in Food and Agricultural Markets: Policy Responses" der zehn internationalen Organisationen wurde im Auftrag der G20-Staaten erstellt.

An­schreiben

An
Staatschefs der G20-Länder Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Kanada, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, Südkorea, Mexiko, Japan, Türkei, USA und die EU

Sehr geehrte Damen und Herren Staatschefs der G20-Länder,

die Regierungen der G20-Länder sollten „in ihren nationalen Richtlinien die Bestimmungen streichen, die die Produktion und den Verbrauch von Biosprit subventionieren oder vorschreiben“.

Diese klare Empfehlung geben Ihnen zehn internationale UN-Organisationen, darunter das Welternährungsprogramm (WFP) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen, die Weltbank, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD). Deren Studie „Preisschwankungen auf den Märkten für Nahrungsmittel und Landwirtschaft: Antworten der Politik“ wurde von Ihnen selbst auf dem G20-Gipfel im November 2010 in Auftrag gegeben.

Weiter schreiben die Autoren der Studie: „Zwischen 2000 und 2009 hat sich die globale Produktion von Bioethanol vervierfacht, und die Produktion von Biodiesel ist um das Zehnfache gestiegen; zumindest in den OECD-Ländern wurde dies weitgehend durch staatliche Fördermaßnahmen angetrieben.“

Demnach landen bereits jetzt 20 Prozent der Zuckerrohrernte und 9 Prozent der Pflanzenöle und Getreide in Autotanks. Und schon die Hälfte der Maisproduktion der USA wird für die Herstellung von Ethanol verbraucht. Agrosprit verschärft damit weltweit Unterernährung und Hunger.

Auch die von der EU in Auftrag gegebenen Studien weisen längst nach, dass Agrosprit vielfach mehr klimaschädliche Emissionen verursacht als fossiler Kraftstoff. Der Agrosprit ist damit nicht „klimaneutral", wie fälschlich immer wieder behauptet wird.

Ich bitte Sie deshalb darum:

1. Beenden Sie sämtliche Subventionen und finanziellen Vergünstigungen für die Produktion und den Verbrauch von „Biosprit“
2. Streichen Sie alle verbindlichen Beimischungsquoten von Biosprit
3. Stoppen Sie den weltweiten Handel und die Importe von Biosprit

Mit freundlichen Grüßen