Großbritannien: RWE will die Wälder verheizen

Kahlschlag auf Vancouver Island in Kanada
14.380 Teilnehmer

Ende der Aktion: 23.05.2014

Der deutsche Energiekonzern RWE setzt auf Holz als Brennstoff. An der Themsemündung in Großbritannien entsteht das größte Biomasse-Kraftwerk der Welt. Das benötigte Holz will RWE rund um den Globus beschaffen - vor allem aus Kanada, den USA und dem europäischen Festland. Ganze Wälder sollen dafür zu Kleinholz gemacht und in den Kesseln der Anlage östlich von London verheizt werden. Bitte protestieren Sie gegen den Wahnsinn

Appell

Das in Essex an der Themse-Mündung gelegene Kraftwerk Tilbury B produziert seit vierzig Jahren Strom aus Kohle. Nun will der Betreiber RWE Npower, eine Tochter des deutschen RWE-Konzerns, die CO2-Schleuder zum weltweit größten Biomasse-Kraftwerk umbauen. 750 Megawatt Energie für 1,5 Millionen Haushalte soll das riesige Kraftwerk schon bald erzeugen.

Der Haken dabei: Der Holzbedarf ist gewaltig und lokal nicht zu beschaffen. Sieben Millionen Tonnen Biomasse sollen in dem Kraftwerk verbrannt werden, mehr als drei Viertel der Holzmenge, die in britischen Forsten pro Jahr eingeschlagen wird. RWE plant deshalb global. Über den eigenen Hafen des Kraftwerkes an der Themsemündung soll das Holz aus Kanada, den USA und anderen Teilen Europas importiert werden. Auch die industriellen Eukalyptusplantagen in Südamerika und Westafrika kommen in Frage.

Umweltschützer sehen schwarz für die kanadischen Wälder, aus denen RWE 60 Prozent des Holzes für Tilbury B beziehen will. Deren Studie “Fueling a BioMess” kommt zu vernichtenden Ergebnissen: Kahlschläge im großen Maßstab, industrieller Holzeinschlag und hochgradig schädliche Extraktionspraktiken. Daneben sollen auch Pflanzenöle in dem Kraftwerk verheizt werden. Der großflächige Anbau von Palm- und Sojaöl zerstört die Tropenwälder und verschärft die Hungerkrise auf der Erde.

Weitere Informationen

Bitte unterstützen Sie die Aktion von Biofuel Watch und schreiben Sie an RWE.

Hinter­gründe

Das Kraftwerk Tilbury B ist mit einem Wirkungsgrad von 35 Prozent zudem höchst ineffizient. Zwei Drittel der Energie wird aus den Schornsteinen in die Luft geblasen. Auch der CO2-Ausstoß ist doppelt so hoch wie bei Kohlekraftwerken. Denn im Gegensatz zu den Behauptungen von Politik und Industrie ist Biomasse keineswegs klimaneutral. Der Einschlag, Transport und die Verbrennung des Holzes setzen gewaltige Mengen Kohlenstoffes frei. Die Wälder der Erde zu verheizen, ruiniert nicht nur das Klima, sondern auch die Artenvielfalt und die Lebensgrundlagen der dort lebenden Menschen.

Laut Medienberichten erwägt RWE weitere Kohlekraftwerke aufzukaufen und auf Biomasse umzustellen. Dazu gehört das Kraftwerk Lynemouth in Northumberland, das vor allem eine Aluminiumhütte mit Strom versorgt. Denn nach EU-Recht müssen die meisten britischen Kohlekraftwerke, einschließlich Tilbury B und Lynemouth, wegen der starken Umweltverschmutzung bis 2015 geschlossen werden. Doch anstatt die Chance für eine umweltfreundliche Energiepolitik zu nutzen, wird lediglich eine Form von Umweltverschmutzung und Zerstörung durch eine andere ersetzt.

An­schreiben

An den RWE-Konzern
Herrn Dr.-Ing. Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzer (CEO) RWE, juergen.grossmann@rwe.com
Volker Beckers, RWE npower Group CEO, volker.beckers@rwe.com,
Ian Calvert, Leiter RWE-Biomasse (UK), ian.calvert@rwenpower.com

Sehr geehrte Herren Großmann, Beckers und Calvert,

ich bin sehr besorgt darüber, dass RWE Npower das Kraftwerk Tilbury B in Großbritannien zum weltweit größten Biomassekraftwerk umbaut. Außerdem bin ich dagegen, dass RWE weitere Kraftwerke wie Lynemouth kauft und auf Biomasse umstellt.

Wenn Tilbury B unter Volllast läuft, verbrennt es fast so viel Holz, wie jedes Jahr im Vereinigten Königreich produziert wird. Nach Angaben Ihrer Firma sollen daher 60 Prozent des Holzes aus Kanada importiert werden.

Umweltschützer schreiben in der Studie BioMess (siehe tinyurl.com/7rdwtcs): „Großflächige Kahlschläge, industrieller Holzeinschlag und hochgradig schädliche Extraktionspraktiken könnten die Auswirkungen der Forstindustrie auf Kanadas bereits geschädigte Waldökosysteme verdoppeln.“

Der Holzeinschlag in den Wäldern für die Stromerzeugung beschleunigt den Klimawandel. Außerdem ist das Biomasse-Kraftwerk höchst ineffizient und stößt bis zu 50 Prozent mehr CO2 aus den Schornsteinen aus als ein Kohlekraftwerk für die gleiche Menge Energie. Es dauert Jahrzehnte oder Jahrhunderte, bis das freigesetzte Kohlendioxid vollständig von anderen Bäumen absorbiert wird, wie wissenschaftliche Studien zeigen.

Außerdem lehne ich es auch ab, dass RWE in Tilburgy B auch Pflanzenöle verbrennen will. Der großflächige Anbau von Palm- und Sojaöl zerstört die Tropenwälder und verschärft die Hungerkrise auf der Erde.

Nach EU-Recht müssen die Kohlekraftwerke wie Tilbury B und Lynemouth bis zum Jahr 2015 geschlossen werden, weil deren Betrieb die Umwelt stark verschmutzt. Bitte geben Sie die Biomasse-Pläne auf und schließen Sie das Kraftwerk Tilbury B.

Mit freundlichen Grüßen